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Tassilo:"Gemeinsam hat man mehr Power"

Maja Ott - Tassilo Nominierung

Die Malerin Maja Ott und ihr Mann, der Bildhauer Hubert Maier, haben in Moosach ein Refugium für die Kunst geschaffen. Ihr Gelände ist unter anderem Dreh- und Angelpunkt der jährlichen "Atelier-Diagonale" durch den Landkreis Ebersberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die "Atelier-Diagonale" durch den Landkreis Ebersberg steht für spannende Aktionen und neue Kunst. Zu ihren Initiatoren zählen Maja Ott und Hubert Maier aus Moosach.

Von Franziska Langhammer

Diese eine zündende Idee, diesen einen Moment, den gab es nicht. Vielmehr entwickelte sich aus dem Zusammenspiel vieler kreativer Köpfe nach und nach eine Kunst- und Kulturschau, die seit Jahren auch über die Region hinweg bekannt ist: die Atelier-Diagonale. Einmal im Jahr, meistens an einem Wochenende im Frühsommer, öffnen Ateliers quer über den ganzen Landkreis Ebersberg verteilt ihre Türen für ein breites Publikum, es wird gefachsimpelt, diskutiert, sich ausgetauscht und, vor allem: eine schöne Zeit miteinander verbracht.

Dreh- und Angelpunkt der Diagonale ist das Atelier von Maja Ott und ihrem Mann Hubert Maier in Moosach, das an einen großzügigen Garten anschließt. 1989 mietete das Ehepaar nur die Halle als Arbeitsort, 1992 kauften sie das ganze Gebäude und richteten es her. Allein das malerische Grundstück ist einen Abstecher wert: Im Garten steht ein Häuschen in schwedischem Baustil, dunkelrot bemalt, Katzen springen herum, alles scheint zum Verweilen und Betrachten einzuladen. In der ersten Etage befindet sich das urig anmutende Wohngebäude, im Erdgeschoss liegen die großräumigen Ateliers und Werkstätten, von denen einige auch an andere Künstler vermietet werden.

Von hier aus wurden die ersten Kunstschauen geplant. "Mir ist wichtig, dass rüberkommt: Wir sind nicht die einzigen Initiatoren", sagt Maja Ott, "das war von Anfang an eine gemeinschaftliche Geschichte." Ihr Mann ist zum Zeitpunkt des Gesprächs in Schweden, wo er im gemeinsam errichteten Häuschen Fließen verlegt. Maja Ott hat Flyer aus den vergangenen Jahren herausgesucht, die als Werbung für die Diagonale verteilt wurden. Am Schluss des Gesprächs wird der kleine Gartentisch mit vielen bunten Broschüren bedeckt sein.

"Den Begriff Atelier-Diagonale hat Heinrich Knopf 2005 erfunden", sagt Ott und zeigt den ersten offiziellen Flyer. Heinrich Knopf, ebenfalls Künstler, mietete eines der Ateliers, bis er in eine andere Region zog. Heute findet man den Bildhauer in Zorneding. "Diagonale" nannte Knopf die Werksschau deshalb, weil sich das Band der Teilnehmer wie eine Diagonale durch den Landkreis zog. Auch die Malerin Maria Da Saya zählt zu den Initiatoren der ersten Stunde. Anfangs kommen vor allem Bekannte der Künstler, um diese Tage der offenen Ateliers zu genießen. "Damals hatte das noch nicht die Reichweite von heute", erinnert sich Ott.

Schnell entwickeln sich die Ateliers in Moosach zum Zentrum der Diagonale. Die Initiative vergrößert sich mit der Zeit, zum Kern zählen schließlich insgesamt zehn Künstler, darunter etwa Axel Tangerding mit dem Moosacher Meta Theater und seine Lebensgefährtin Cornelia Melián. Was ursprünglich der Grund für diesen Zusammenschluss gewesen sei? "Man muss als Künstler auch netzwerken", sagt Maja Ott. "Gemeinsam hat man mehr Power. Und es macht auch mehr Spaß."

Maja Ott, Jahrgang 1960, studierte Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München, wo sie auch ihren späteren Mann kennen lernte, mit dem sie nach Moosach zog. Anfangs startete sie mit großen, abstrakten Leinwänden. Bald fand sie eine Galerie, die sie vertrat, der Berufseinstieg lief übergangslos. Ott begann zu unterrichten, gab Sommer-Akademie-Kurse, die sie - sobald es Corona wieder erlaubt - fortsetzen möchte. Seit elf Jahren nun beschäftigt sich Maja Ott vornehmlich mit Hinterglasmalerei, als eine der wenigen Künstlerinnen in der Region. Dabei wird Glas von der Rückseite her bemalt. "Man arbeitet in Schichten", erklärt Ott das komplizierte Vorgehen, "der Vordergrund kommt zuerst, dann der Hintergrund." Außer der Organisation der Atelier-Diagonale ist sie Mitglied im "Arkadien"-Team des Ebersberger Kunstvereins.

Neben den zehn festen Mitgliedern, die bei der Diagonale ausstellen, sind auch jedes Jahr Gäste dabei, welche die Diagonale mit neuen Ideen aufpeppen. Etwa der Rosenheimer Maximilian Erbacher, der gemeinsam mit Andreas Mitterer im vergangenen Corona-Jahr das wohl einzige Volksfest in ganz Bayern veranstaltete: Die beiden Künstler stellten in Moosach ein Bierzelt auf, aus dem bunte Lichter und die typische Geräuschkulisse drangen.

Besonders in Erinnerung geblieben ist Maja Ott auch die Diagonale zum "Weltuntergang 2012", welcher vielerorts wegen des Endes des Maya-Kalenders prophezeit worden war. "Dazu haben wir ein riesiges Feuerspektakel in Moosach am Bahn- hof veranstaltet", sagt Ott: Riesige Holztürme wurden kontrolliert angezündet und so der Weltuntergang inszeniert. Oder auch das Jahr 2016, als die Diagonale ausnahmsweise mal unter einem bestimmten Motto lief, nämlich "100 Jahre Dada, 500 Jahre Reinheitsgebot = 600 Jahre Rausch" . Der Bühnenbildner Andreas Schroll braute dazu extra Bier, und ein "Geräusche-Orchester" mit selbst erfundenen und zusammen gebauten Instrumenten sorgte für die musikalische Untermalung des Events.

Mit Aktionen wie diesen hat sich die Bekanntheit der Atelier-Diagonale schließlich immer weiter gesteigert. "Unser Garten ist dann schon voll", erzählt Maja Ott. Auch Menschen, die sich sonst etwas davor scheuten, eine Galerie zu besuchen, würden sich an diesen Wochenenden in die Ateliers trauen. Im Zentrum steht das Gespräch zwischen Künstlern und Besuchern. Aber auch aus einem anderen Aspekt heraus ist die Diagonale wichtig für die Künstler in der Region. "Immer mehr mittlere und kleine Galerien brechen weg", so Ott, "da ist es wichtig, dass man auch mal aus den Ateliers raus verkauft."

Für die Finanzierung der jährlichen Aktion werden keine öffentlichen Gelder gebraucht. Die Flyer beispielsweise werden aus den eigenen Reihen kreiert und gesponsert. Ob die Diagonale in diesem Jahr wegen Corona erstmals ausfallen muss, steht noch in den Sternen. Maja Ott jedenfalls bleibt zuversichtlich: "Vielleicht machen wir spontan im Herbst was."

© SZ vom 06.05.2021
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