Süddeutsche Zeitung

Tannenbaum-Auktion:Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten

Im Alten Kino schmücken vier Künstler Christbäume, ein Zauberer versteigert sie, ein Bluesmusiker spielt, und der Erlös fließt direkt in den SZ-Adventskalender

EbersbergDer herbe Duft nach Wald und Weihnacht wird im Alten Kino noch lange zu riechen sein. Am Donnerstagabend war die Luft gesättigt von schwerem Fichtennadelaroma. Beim 1. Ebersberger Baumzauber bildeten sechs Blaufichten die Bühnenkulisse und durften anschließend ersteigert werden. Die Größte sicherte sich Markus Bachmeier, Leiter des Alten Kinos, selbst - nicht nur des Duftes wegen. Der Ebersberger Objektkünstler Andreas Mitterer hatte ihn geschmückt und ihn so zu einem Kunstwerk gemacht.

Doch fangen wir am Anfang an: Zunächst war da nur eine Idee, gesponnen bei einer Redaktionskonferenz in der Ebersberger SZ-Redaktion. Etwas Weihnachtliches wollte man machen, Künstler sollten dabei sein, und das Ganze auch noch Sinn und Zweck haben. Der Zweck lag nahe, schließlich gibt es den SZ-Adventskalender - in diesem Jahr wird er 65. Mit einer Christbaumversteigerung und einem Live-Baum-Schmücken von Ebersberger Künstlern konnte man quasi transmedial-traditionell-karitativ dem Weihnachtsgedanken frönen und auch noch mehrere Kunstformen miteinander verbinden. Und so setzte gleich am nächsten Tag hektisches Treiben in den Redaktionsräumen ein. Bäume wurden organisiert, Künstler antelefoniert, das Alte Kino auf freie Termine gecheckt, Transportmöglichkeiten für die Christbäume abgeklopft, ein Moderator gesucht. Und als Markus Bachmeier im Alten Kino noch einen freien Abend im Kalender fand, war alles schon fast geritzt.

Die Kommunikationsdesignerin Anne Liebegott, die Malerin Maja Ott, der Holzbildhauer Christian Hess, Bildhauer Franz Wörle und eben Andreas Mitterer sagten spontan zu. Der Grafinger Zauberer Gaston willigte ein, die Rolle des Conférenciers zu übernehmen - und Jeremy Teigan, Bandleader der Formation "Jeremias Life & Death Blues Orchestra" - seinen Bandkollegen Tobias und die Gitarre mitzubringen. Und - das muss erwähnt werden: Um des guten Zwecks willen wollte keiner von ihnen auch nur einen Cent haben, eben so wenig wie die Baldhamer Eheleute Edda und Peter Beutler, aus deren Christbaumfarm die Fichten stammten, und der Ebersberger Transportunternehmer, der die Bäume zu ihren neuen Besitzern bringen wollte.

Am Tag vor dem großen Abend stieg dann aber doch noch einmal die Unruhe im Redaktionsteam. Würde es funktionieren? Würden am Ende tatsächlich die nadeligen Kunstwerke ihre Liebhaber finden?

Kurz: Alles wurde gut. Jeremys schleppende Gitarrenklänge waberten durch den kleinen Christbaumwald auf der Bühne des Alten Kinos, Andreas Mitterer versah seinen "KommErzbaum" mit einer schillernden Dekoration aus Fotopapier-Erzengeln - gefunden in den leeren Räumen des früheren Schleckermarkts. Christian Hess steckte sein Bäumchen in einen orangefarbenen Ring aus Polymergips und dekorierte das Ganze hübsch mit gekringelten Orangeschalen, während Maja Ott alles auf den Kopf stellte, Kerzen und Kugeln, und Moderator Gaston den Vorschlag unterbreitete, man könne den Baum ja anschließend kopfüber an der Decke aufhängen. Anne Liebegott schien der Tradition zu huldigen, versah ihren Baum mit roten Kugeln - bis er unversehens hinter der Bühne verschwand und geschreddert in einem Plexiglaskubus wieder auftauchte - zur Freude von Gertrud Degenhardt aus Grafing, die das kompakte Ding ersteigerte. Neben einer Bananenstaude und zwei Adventskränzen habe ein richtiger Baum bei ihr zu Hause gerade eh keinen Platz, erklärte sie. Martin Hecht war aus Berg am Laim angereist - obwohl schon seit November tannenbaummäßig voll versorgt - und holte sich auch einen Baum. Falls der Alte die Nadeln bis kommenden Dienstag verlieren sollte - wovon seine Ehefrau ohnehin überzeugt ist -, könne man ja dann den Neuen aufstellen. Bildhauer Franz Wörle, der wegen einer Knieverletzung fehlte, hatte als Ersatz für seinen Einsatz ein Bild beigesteuert - auch das kam unter den Hammer. Auktionator Gaston hatte das Publikum erfolgreich eingestimmt und mit Kartentricks und einem Monolog an die verrinnende Zeit verzaubert. Und so landeten Pik-Neunen wundersam unter Weißbiergläsern, eine Tochter versprach im Rausch der Versteigerung all ihr Taschengeld, einer älteren Dame entkam vor Begeisterung beim Stande von 60 Euro für einen der Bäume ein unkontrolliertes Auflachen, und, wer nicht zum Zuge kam, steckte einfach ein paar Scheine ins Sparschwein. Und so kamen, zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten, 750 Euro zusammen, die Redaktionsleiterin Karin Kampwerth höchst erfreut aufs Konto des SZ-Adventskalender einzahlte.

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Quelle:
SZ vom 21.12.2013
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