bedeckt München 14°

Tafeln im Landkreis Ebersberg:Weniger Spenden

Tafel Zorneding - Coronakrise

Der Gang zur Tafel, wie hier in der Gemeinde Zorneding, fällt offenbar immer noch vielen Leuten schwer. Die Zahl der Kunden im Landkreis Ebersberg hat sich seit Corona jedenfalls nicht signifikant erhöht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Corona hat die Arbeit der Tafeln im Kreis Ebersberg stark verändert. Ein großes Problem sind fehlende Milchprodukte

Von Johanna Feckl

Corona schafft eines, das ist gewiss: Probleme. Das gilt auch für die Arbeit der Tafeln und von andere Organisationen im Landkreis Ebersberg, die Lebensmittel und andere notwendige Produkte an bedürftige Menschen und Familien ausgeben. "Bei uns in Poing sind sehr sehr viele Helfer weggebrochen", sagt etwa Christine Bloch, die Vorsitzende der Poinger Tafel. Ähnliches berichtet Hans Rombeck aus Grafing. "Ein großer Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt allein schon altersbedingt zur höchst gefährdeten Gruppe für eine Corona-Erkrankung", sagt er. Zeitweise seien in Grafing sogar die Lebensmittelspenden der Supermärkte zurückgegangen. Durch private Spenden konnte das jedoch schnell wieder ausgeglichen werden. Bei der Aßlinger und Ebersberger Tafel hingegen sind fehlende Spenden immer noch ein großes Problem, wie die Vorsitzende der Aßlinger Tafel Sabine Küpferling sagt.

Als einzige Tafel mit einem großen Kühlfahrzeug holt das Team der Aßlinger Tafel für gewöhnlich bei einem Großmarkt Lebensmittelspenden ab, die gekühlt werden müssen, also zum Beispiel Joghurt oder Käse. Anschließend verteilen die Ehrenamtlichen aus Aßling die Produkte dann an die übrigen Tafeln im Landkreis. Doch seit Ausbruch der Corona-Pandemie kauft der Großmarkt selbst weniger ein, schließlich haben Gastro-Betriebe, typische Kunden beim Großmarkt, seit mehr als einem Jahr nur eingeschränkt geöffnet, seit bald einem halben Jahr läuft das Geschäft ausschließlich über To-Go. Das hat zur Folge, dass weniger Spenden für die Tafeln übrig bleiben - und der Kühlwagen aus Aßling im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit ziemlich leer daher kommt, wie Sabine Küpferling erklärt. "Manchmal bekommen wir zum Beispiel keine einzige Packung Wurst." Fleisch würden sie sowieso keines bekommen, obwohl sich Küpferling sicher ist, dass es genügend Unternehmen gibt, bei denen Fleisch und Wurst übrig bleibt - und diese dann weggeworfen wird. "Und wir könnten es aber gut gebrauchen."

Vor allem bei Milchprodukten habe sich die Situation seit Corona verschärft, sagt Christine Bloch von der Poinger Tafel. In Poing habe es jedoch viele finanzielle Spenden gegeben, sodass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Poing in der Lage seien, solche Lebensmittel hinzuzukaufen und ihren Tafelgängerinnen und -gängern anzubieten - ein Ausgleich für die zurückgehenden Supermarkt-Spenden. Generell sei die Spendenbereitschaft bei den Poingern vor allem im vergangenen Jahr aber sehr hoch gewesen. So hat zum Beispiel allein eine Firma 450 FFP2-Masken gespendet, die die Poinger Tafel nun an ihre Kunden ausgeben kann.

Eine hohe Spendenbereitschaft hat sich im vergangenen Jahr auch bei der Tafel in Zorneding bemerkbar gemacht. Dort habe es eine extrem hohe Bereitschaft für finanzielle Spenden gegeben, "höher als in den Vorjahren", wie Vorsitzender Franz Bachl sagt. Allgemein scheint die Situation in Zorneding im Gegensatz zu anderen Tafeln im Kreis relativ entspannt. Weder habe es Ausfälle bei den Ehrenamtlichen gegeben, noch einen Rückgang bei den Lebensmittelspenden - und es sind seit Corona bislang nicht mehr Tafelgänger geworden. "Ich finde das komisch und kann mir das gar nicht so recht erklären", so Bachl.

Kollegin Christine Bloch hat eine Vermutung - auch in Poing ist die Kundschaft seit Corona nicht auffallend gewachsen. "Die Leute trauen sich immer noch nicht zur Tafel zu kommen", sagt sie, "die Hemmschwelle ist zu hoch." Sie verweist auf die vielen Jobs am Münchner Flughafen, für die seit Corona Kurzarbeit gilt, oder Menschen aus der Gastro, die ihre Arbeitsstelle verloren haben. Viele Poinger kämen aus diesen Branchen, müssten also demnach davon betroffen sein und weniger Geld zur Verfügung haben. Nach wie vor sind es aber um die 30 Tafelgänger in Poing, wie Bloch sagt. "Es könnten und sollten sich viel mehr Menschen zur Tafel wagen." Der Ausfall von Ehrenamtlichen bei den betroffenen Tafeln konnte mittlerweile zwar weitestgehend durch neue Helferinnen und Helfer ausgeglichen werden. Mehr Arbeit für die Tafel-Teams bleibt dennoch. So organisiert die Grafinger Tafel seit Corona pro Woche etwa zwölf Hauslieferungen an Kunden, die zur Hochrisikogruppe zählen, im vergangenen Frühjahr waren es sogar 35. Die übrigen Ausgaben verpacken die Helferinnen und Helfer vorab und überreichen sie den anderen Kunden im Freien - in den Grafinger Tafel-Räumen können die Corona-Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Selbsttest stehen den Ehrenamtlichen der Tafeln für ihre Arbeit übrigens gar nicht oder kaum zur Verfügung. "Finanziell ist das nicht drin", sagt Christine Bloch.

© SZ vom 20.04.2021
Zur SZ-Startseite