Grüne kritisieren Tafel-Wettbewerb "Unsozial und total daneben"

Anlieferung für die Aßlinger Tafel: Frisches Obst und Gemüse ist bei den Tafel-Kunden begehrt.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Grünen in Ebersberg kritisieren das Landwirtschaftsministerium für einen Wettbewerb, bei dem die beste Tafel Bayerns gesucht wird.

Mit deutlichen Worten kritisieren die Ebersberger Grünen einen Wettbewerb, den das bayerische Landwirtschaftsministerium nun ausgeschrieben hat. Gesucht werden dabei unter dem Titel "Gemeinsam Lebensmittel retten" die besten Tafeln Bayerns. Die fünf Gewinner sollen jeweils 5000 Euro Preisgeld erhalten. Als "unsozial und total daneben" bewerten die Grünen diese Idee.

"Wie kommt denn das Landwirtschaftsministerium dazu, so einen beschämenden Wettbewerb auszuschreiben?", fragen die Grünen im Landkreis Ebersberg in einer Pressemitteilung. "Vermutlich, weil die Verantwortlichen keinen Bezug zur Wirklichkeit vor Ort haben." Es sei unklar, welches Ziel der Wettbewerb verfolge. Waltraud Gruber, Fraktionssprecherin im Kreistag: "Was soll denn eigentlich bewertet werden, wo doch jede Tafel versucht aus den örtlichen Gegebenheiten das Beste zu machen?"

Die Forderung: Eine generelle staatliche Hilfe für alle Tafeln

Die Tafeln in Bayern retten Jahr für Jahr etwa 33 000 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung. Damit seien sie die größten Lebensmittelretter, ihnen gebühre Dank. Das Preisgeld von insgesamt fünf mal 5000 Euro für ganz Bayern sei, so Gruber, "ein lächerlicher Betrag". Alle Tafeln bräuchten insgesamt eine große finanzielle Unterstützung.

"Es werden immer mehr Menschen, die Lebensmittel brauchen", heißt es aus dem Dachverband der Tafeln. "Die Tafeln übernehmen in professioneller Art und Weise staatliche Aufgaben bei der Versorgung von Bedürftigen", so Kreisvorstandssprecherin Gertrud Höpfner, "statt eine Konkurrenzsituation auszulösen, ist eine staatliche Hilfe für die Tafeln dringend notwendig." Schließlich seien die Tafeln auch ein Signal für die Schieflage zwischen Arm und Reich.

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