SZ-Talentiade 2019 Der Goldschuss

Julia Pollak im EM-Finale gegen die Niederlande in Bulgarien.

(Foto: Getty Images/Anton Uzunov)

Julia Pollak aus Ebersberg hat mit den Fußballerinnen der U 17-Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewonnen und im Endspiel einen wichtigen Treffer erzielt. Nun ist die 17-Jährige vom FC Bayern für die SZ-Talentiade nominiert. Ein Besuch im heimischen Garten

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

Dieser Moment, der Größen dieser Sportart scheitern lässt. Der Moment, wenn der Fußball auf dem weißen Kreidepunkt liegt und nur noch elf Meter Rasen und ein Torhüter im Weg sind. Beziehungsweise eine Torhüterin - wie am 17. Mai 2019 im bulgarischen Albena: Im Endspiel der U 17-Europameisterschaft zwischen Deutschland und den Niederlanden läuft das Elfmeterschießen. Holland hat vorgelegt und führt - und die 17 Jahre alte Julia Pollak legt sich den Ball auf den Punkt. Erst 2018 hat Pollak mit dieser Mannschaft im Finale verloren. Das Gefühl der Niederlage kennt sie. Pollak, die Ebersbergerin vom FC Bayern, hat es nun auf dem Fuß. Verschießt sie, wird es eng. Sie läuft an und zielt flach nach rechts.

Vier Wochen nach diesem Endspiel in Bulgarien sitzt Julia Pollak in kurzen Shorts und T-Shirt daheim am Gartentisch und spricht über ihren Goldschuss, der Deutschland den Ausgleich brachte und später den Sieg. Sie klingt dabei nicht wie eine 17-Jährige, die gerade ihren größten Titel gewonnen hat, eher wie ein alter Hase, der schon alles erlebt hat. "Ich hab gleich gesagt, dass ich schießen werde", sagt sie. Und dann war sie im Tunnel. Vielleicht habe irgendwer von den Zuschauerrängen etwas gerufen, sagt sie, das habe sie aber alles ausgeblendet. "Ich war total konzentriert und voll überzeugt, dass ich den reinhaue", sagt sie. Schon zappelte der Ball im Netz. Am Ende gewann das Team von Trainerin Ulrike Ballweg das Elfmeterschießen mit 3:2 - seither darf sich Julia Pollak Europameisterin nennen.

Hier ist die junge Sportlerin im heimischen Garten in Ebersberg mit Bruder Tobi, der gerade ihren Schuss abgewehrt hat.

(Foto: Oh)

Auch ihre Brüder sind begeisterte Fußballer

In diesen Tagen hat für die Abwehrspielerin Julia Pollak die ruhigste Zeit des Jahres begonnen, derzeit ist sie mit ihrer Familie in Spanien. Wegen den Sportaktivitäten ihrer Kinder legen die Pollaks den Jahresurlaub immer auf Pfingsten. Am Tag vor der Abreise sitzt die Familie am Stadtrand von Ebersberg im Garten, ein nicht ganz ungefährlicher Ort, weil Julia Pollaks Brüder die Wiese zum Bolzplatz umfunktioniert haben. Der 14-jährige Flo spielt wie seine Schwester beim FC Bayern (in der U 14). Der neunjährige Tobi kickt beim TSV Ebersberg in der F-Jugend. "In der F 1!", korrigiert er, soviel Zeit muss sein.

Die Pollaks sind eine ambitionierte Sportlerfamilie, Eltern und Kinder sind fast jedes Wochenende unterwegs, zuletzt in Edinburgh, Stockholm und Wien. Julia Pollak erzählt von der EM 2018 in Litauen, als ihr Team im Finale gegen die Spanierinnen unterlag. Zwischen den Spielen hat sie von Litauen aus die Klausuren mitgeschrieben, gleichzeitig mit ihren daheimgebliebenen Klassenkameraden. Dafür haben sie beim DFB immer zwei Lehrer dabei. "Sie bekommen die Klausuren gefaxt, beaufsichtigen uns und schicken sie dann an die Schule", sagt Pollak. In Litauen standen Prüfungen in Mathe, Englisch und Geografie an. Sie hat alle bestanden, nur nicht die Spanischprüfung im EM-Finale.

Niederlagen gehören dazu, auch wenn man das beim FC Bayern nicht unbedingt gewohnt ist. Julia Pollak spielt dort seit einer Saison in der Verteidigung der zweiten Mannschaft. Anders als dem Bundesligateam der Bayern gelang Pollaks Mannschaft in der zweiten Liga die Meisterschaft, sie ließen die Reserve des VfL Wolfsburg hinter sich, in der ersten Liga holte Wolfsburg vor dem FCB den Titel.

Auf dem Platz trägt Julia Pollak immer eine Brille. "Ich habe zu wenig Tränenflüssigkeit", sagt sie, deswegen machen Kontaktlinsen Probleme. Mit ihre Sportbrille erinnert sie ein wenig an den Niederländer Edgar Davids, bis heute eine Legende bei Ajax- und Juventus-Fans. An diesem Nachmittag trägt Pollak ihre normale Brille, dazu eine Sporthose mit dem Logo des FC Bayern und ein schwarz-rot-goldenes Armband. Verein oder DFB? "Beides gleich wichtig", sagt sie, ganz diplomatisch.

Der wichtigste Pokal im Frauenfußball - die Weltmeisterschaft der A-Nationalteams - wird derzeit in Frankreich ausgespielt, bei Deutschland überzeugen junge Spielerinnen wie Giulia Gwinn, 19, oder Lena Oberdorf, 17. Julia Pollak richtet sich im Stuhl auf. "Toll, wenn man das sieht", sagt sie. Das mache "Hoffnung, dass es auch bei mir klappen könnte". Für den Weg nach oben braucht es eine Portion Glück - und wichtige Tore in großen Spielen.

Bei der Talentiade 2019 zeichnet die SZ zum zehnten Mal die Leistung junger Sporttalente (bis Jahrgang 2000) aus der Region aus sowie die Nachwuchsarbeit ihrer Vereine. Wir suchen junge Sportlerinnen und Sportler, die besonderes sportliches Engagement gezeigt haben. Vergeben werden unter anderem neun Förderpreise à 1500 Euro. Bewerbungen und Vorschläge unter sz.de/talentiade. Die Bewerbungsphase endet am Dienstag, 18. Juni.