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SZ-Serie: Wortschatz, Folge 3:Tierarzt auf Mörderjagd

Georg Unterholzner arbeitet als Veterinärmediziner, in seiner Freizeit schreibt er Bücher. Mit der Reihe um die Klosterschüler-Detektive Kaspar und Max ist er bekannt geworden. Sein neues Buch aber hat einen anderen Helden mit autobiografischen Zügen

Ist Krimiautor Georg Unterholzner am Ende selbst zum Mörder geworden? Schließlich gibt es von seinen Helden Kaspar und Max schon lange kein Lebenszeichen mehr. Fünf Jahre ist es bereits her, seitdem der letzte Band um die beiden Internats-Detektive erschienen ist. "Kennen Sie den Unterschied zwischen Chronos und Kairos?", ist Unterholzners philosophische Gegenfrage. Er gehört zu der selten gewordenen Schülerspezies, die noch Altgriechisch gelernt hat und daher weiß, dass diese Sprache für "Zeit" unterschiedliche Begriffe kennt. Während Chronos die messbare Zeit ist, meint Kairos den richtigen Zeitpunkt. Und den hat es bis jetzt einfach noch nicht gegeben, um die Geschichte von den beiden Jugendlichen weiterzuerzählen, die in die fiktive Klosterschule Heiligenbeuern gehen und immer wieder in Mordfälle verwickelt werden.

Georg Unterholzner hat aber auch nicht viel Druck, er muss nicht von den Einnahmen seiner Bücher leben. Der 57-Jährige, ein kernig-bayerisches Mannsbild mit markanten Gesichtszügen, ist von Beruf Tierarzt und lebt mit seiner Frau in dem Dorf Ascholding bei Wolfratshausen. Autor wurde er eher zufällig. Wenn im Sommer in seiner Praxis wenig los war, schrieb er gegen die Langeweile an. Immer ging es um seine Jugend als Internatsschüler im Kloster Schäftlarn, der ehrwürdigen Benediktinerabtei südlich von München. Als Wurzler, so heißen dort die Fünftklässler, kam er dort an. "Wenn du zehn Jahre alt bist und sich die Tore hinter dir schließen, fühlst du dich ganz schön allein."

Autoren-Serie der Region

Georg Unterholzner hat seine Internatszeit in Schäftlarn in die Krimis um Kaspar und Max einfließen lassen, die ihn bekannt gemacht haben.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Er, der Bauernbub aus einem kleinen Kaff, wo es nicht einmal einen Bus gab, wollte unbedingt aufs Gymnasium. Der Vater hatte nichts dagegen, aber keine Lust, ihn täglich herumzukutschieren. Entweder du gehst ins Kloster oder das Gymnasium ist gestorben, hieß es. Die gemeinsamen Mahlzeiten im Refektorium, die Morgenandachten, die Sonntagsspaziergänge mit den Patres, die Kissenschlachten zwischen benachbarten Schlafsälen, die "Parademärsche" genannten Strafaufgaben, die aus endlosen Hefteinträgen von lateinischen Stammformen bestanden - der ganz spezielle Tagesablauf in der Klosterschule hinterließ bleibende Eindrücke. Die Geschichten fügten sich irgendwann zum Krimi, den sein Nachbar, der Regisseur Oliver Storz, beim Probelesen gleich gut fand. "Die dritte Leich'" wurde zum Erfolg, es gab vier Fortsetzungen, in denen die beiden Buben jedes Mal älter werden. Der stille Kaspar, dem Unterholzner autobiografische Züge verliehen hat, klärt zusammen mit seinem forscheren Freund Max etliche Morde in Wolfratshausen und Umgebung auf. Unterholzner verknüpft dies mit seiner Jugendzeit in den Siebziger Jahren. Max und Kaspar knattern auf ihren Mofas herum, lieben ihre Plattensammlung, hören "Highway Star" von Deep Purple, büxen nachts aus dem Internat aus und suchen nach dem Sinn des Lebens.

Mittlerweile ist Georg Unterholzner als Amtstierarzt im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen beschäftigt, die Zeit zum Schreiben kann er seinem eng getakteten Stundenplan nur abtrotzen, wenn er um fünf Uhr früh aufsteht und sich an seinen Schreibtisch setzt. Vor ein paar Tagen erst hat er ein Manuskript fertig gestellt. Bislang kommen seine Leser vor allem aus Bayern, Unterholzner ist gespannt, ob sein neues Buch es weiter in den Norden schafft. Es ist diesmal kein Heimatkrimi geworden. Ein Label, mit dem er sowieso nie viel anfangen konnte, schon weil er findet, dass es nur Klischees bedient. "Die Bayern werden viel zu oft als Dorfdeppen inszeniert, die nur Weißbier trinken und einen Haufen Weißwürscht fressen."

Sein neues Werk handelt von einem Tierarzt auf Weltreise.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Aus seinen Lebenserfahrungen erzählt er jedoch auch diesmal: "Mich mag kein Schwein" handelt von einem Tierarzt, den er auf eine schelmenromanähnliche Reise quer durch die Welt schickt. Unterholzner ist kein Thomas Mann, ihm geht es darum, seine Leser zu unterhalten. Aber er baut gern ein paar schräge Dinge ein. Sein Held, der Tierarzt Karl, hat nämlich das Pech, dass ihn die Viecher nicht mögen. Ein Fiasko, denn er wird gebissen, geschlagen, gezwickt, obwohl er ihnen doch nur helfen will. Nur wenn die Tiere in Narkose da liegen, ist alles gut und der Veterinär kann das Skalpell ansetzen. So eine ungute Ausstrahlung soll es tatsächlich geben, Unterholzner erinnert sich an eine Kollegin, "bei der die Kühe nervös wurden, sobald die den Stall betrat". Also wieder ein Buch mit autobiografischem Background? "Ja, aber mit dem Unterschied, dass mich die Tiere mögen", schmunzelt er.

Und noch einmal zurück zu Kaspar und Max, den beiden jungen Internatsdetektiven. Es sei nicht so, dass ihm nichts mehr zu ihnen einfalle. "Die Idee hab' ich längst", sagt er. Kaspar und Max sind inzwischen zu jungen Männern herangewachsen, der eine ist Lehrer geworden und der andere hat das Wirtshaus vom Vater übernommen. Georg Unterholzner könnte eigentlich loslegen. Jetzt muss nur noch Kairos kommen, der richtige Moment.