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SZ-Serie: "Im Schilde geführt", Folge 20:Zeichen der Zeit

Das Forstinninger Gemeindewappen spricht für sich selbst: Die Fichten stehen für den Wald, die Erhebungen für die keltischen Hügelgräber und ein Kreuz für die Verbindung zum Heiligen Silvester

Eigentlich ist das Forstinninger Wappen schnell erklärt, entschloss man sich bei der Einführung im Jahr 1969 doch für ein sogenanntes "redendes" Wappen. Das heißt, dass das Schild quasi für sich selbst spricht: Zwei Fichten, die auf die Nähe zu Forst hinweisen, Hügel, die die unweiten Hügelgräber aus der Hallstätter Zeit darstellen, und ein Kreuz, dass die Verbindung des Orts zum Heiligen Silvester zeigt. Der passt perfekt zu Forstinning, denn der Name Silvester kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt so viel wie Waldbewohner oder Waldmann. Der Heilige Silvester ist Schutzpatron der Haustiere und wird um eine gute Futterernte und ein gutes neues Jahr angerufen.

Bei der Forstinninger Pferdesegnung immer dabei: der Heilige Silvester. Er ist Schutzpatron der Haustiere, sein Kreuz Teil des Wappens.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Wie so viele Wappen im Landkreis wurde auch das Forstinninger Wappen 1969 eingeführt. Während 1971 bis 1980 in ganz Bayern eine Gebietsreform die Kommunen neu ordnete und 7100 kleine Gemeinden in 2052 größere zusammenführte, blieb Forstinning nahezu unberührt von den Reformen. Damals war der Ort noch wesentlich weniger bevölkert, 1964 weist das amtliche Verzeichnis für die 18 Ortsteile Forstinning, Aich, Aitersteinering, Berg, Köckmühle, Kressiermühle, Moos, Neupullach, Niederried, Salzburg, Schußmühle, Schwaberwegen, Sempt, Siegstätt, Steffelmühle, Wagmühle, Wind und Wolfsmühle 1422 Einwohner auf 1225,57 Hektar aus. 2018 kamen auf eine Fläche von 1226 Hektar laut bayerischem Landesamt für Statistik 3827 Menschen.

Die Wappen im Landkreis

Zum ersten Mal erwähnt wird Forstinning unter dem Namen "Undeoniga" im Jahr 804, der Ortsname stammt wohl vom ersten bekannten Siedler dort, einem sogenannten "Undeo". Aber dann läuft es auf ein Fass ohne Boden hinaus, wenn man versucht, ein scheinbar eindeutiges Wappen zu erklären. Es gibt unzählige Geschichten zu historischen Funden und zur strategischen Lage des Ortes quer durch die Zeitgeschichte, die man erzählen könnte.

Man könnte sich fragen, wann die Verbindung zum heiligen Silvester entstand, der der Nebenpatron der Pfarrkirche Mariä Heimsuchung ist. Man könnte sich fragen, wer im Jahr 1638 die Forstinninger Silvesterbruderschaft gegründet hat, die lange Jahre den Ort mitgestaltete, und wie das abrupte Ende der Bruderschaft 1935 genau vor sich ging. Und wer schlug 1969 eigentlich die Gestaltung des Wappens vor, wer stritt sich im Gemeinderat vielleicht darüber, ob die Fichten nun golden und das Kreuz silber sein sollte, wer zeichnete eben jene Fichten? Der ehemalige Bürgermeister Arnold Schmidt (CSU) bedauert, die zugehörigen Protokolle im Gemeindearchiv nicht finden zu können. Die Ortschronik von Forstinning jedenfalls beleuchtet zwar diverse Aspekte der Ortsgeschichte, erzählt aber eher vom Alltagsleben in der Gemeinde.

Wer sich detaillierter für die Geschichte Forstinnings interessiert, dem empfiehlt Kreisheimatpfleger Thomas Warg einen Rad- und Wanderweg 15 Kilometer an der Sempt entlang und durch den Forst, auf Holztafeln werden die Stationen der Ortsgeschichte erklärt.