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SZ-Serie: Im Schilde geführt, Folge 14:Das Vermächtnis zweier Adelsfamilien

Die Gemeinde Anzing hat in ihrem Wappen die Insignien der Sunderndorfer und der Höger vereint. Den Löwen findet man auch an anderer Stelle in der Gemeinde - wenn auch etwas abgewandelt

Die vornehmen Familien haben ihre Spuren in Anzing hinterlassen. In der Högerkapelle sind die Grabdenkmäler mehrerer Mitglieder der Familie Höger zu finden.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Beinahe wirkt der Kopf zu mächtig. Zumindest sind Schultern und Arme proportional gesehen dann doch eher zierlich. Aber bei dem Löwen auf dem Logo der Anzinger Handballmannschaft, der "Anzinger Löwen", geht es auch nicht um wissenschaftliche Exaktheit. Spätestens das rotleuchtende Auge und der ebenso rote Handball, den das Tier hoch erhoben hält, bereit zum Wurf, würde das Logo in Sachen Wissenschaftlichkeit ohnehin disqualifizieren. Bei dem Löwen auf den Trikots der Mannschaft geht es zum einen darum, dass es optisch etwas hermacht. Zum anderen aber auch um einen Bezug zur Heimatstätte des Team, zu Anzing. Und der ist durch das Tier eindeutig: Neben sich kreuzenden Lilienstäben zeigt das Ortswappen einen schwarz-roten Löwen.

Die Geschichte des Anzinger Ortswappens ist keine sehr lange. Das mag verwundern, wenn man bedenkt, dass die Gemeinde zum ersten Mal im Jahr 812 urkundlich erwähnt wurde, also immerhin vor 1207 Jahren. Das Wappen mit dem Löwen und den Lilienstäben hingegen ist erst 52 Jahre alt. Das bayerische Innenministerium hat es am 15. März 1967 genehmigt, das gilt als Datum der Wappeneinführung. Der Gemeinderat hat knapp zwei Monate zuvor dem Entwurf des Wappens von dem Heraldiker Heinz Bessling zugestimmt. Die offizielle Beschreibung des Ministeriums lautet: "In Gold ein wachsender rot bewehrter schwarzer Löwe, darüber schräg gekreuzt zwei blaue Lilienstäbe."

Dem Gemeinderat lagen wohl mehrere Vorschläge für ein Wappen zur Abstimmung vor, so Franz und Ursula Niederreiter vom Anzinger Gemeindearchiv. Unterschiede gab es allerdings nur leichte in Form- und Farbgebung. Die tragenden Elemente Lilienstäbe und Löwe waren in jedem der Entwürfe vorhanden. Der Wunsch der Anzinger war es, dass ihr Wappen die Geschichte ihrer Gemeinde darstellt. Wesentliche Elemente, die diese Geschichte geprägt haben, sind die früher im Ort ansässigen Adelsgeschlechter. Lange Zeit waren dies die Familien Sunderndorfer und Höger. Und aus deren Familienwappen stammen auch die beiden Bestandteile des Anzinger Wappens: Dort sind die Lilienstäbe der Sunderndorfer und der Löwe der Höger miteinander verschmolzen.

Der südliche Ortsteil von Anzing wurde bis ins ausgehende Mittelalter auch "Sunderndorf" genannt, so schreibt es Rupert Strasser in der Ortschronik, die die Gemeinde anlässlich der 1200-jährigen Gründungsfeier herausgegeben hat. Und eben von diesem alten Wort für "südliches Dorf" leitet sich der Familienname "Sunderndorf" her. Zum ersten Mal tauchen die Sunderndorfer im Jahr 1300 in Anzing auf. Die Ehefrau von Leonhard Sunderdorf, Luzia von Scharemberg, brachte den Ort Anzing als Heiratsgut mit in die Ehe. Mehr als 500 Jahre lebten Mitglieder aus der Familie Sunderndorfer in Anzing. Der Grabstein von Hans Sunderndorfer, der ein bedeutender Pfleger in Rosenheim und Kufstein war und im Jahr 1472 starb, hängt heute im südlichen Eingangsbereich der Anzinger Pfarrkirche. Die Steinmetzarbeit aus dem 15. Jahrhundert ist trotz starker Verwitterung immer noch erhalten. Der Grabstein zeigt auch das Familienwappen mit den zwei gekreuzten Lilienstäben, die ihren Weg ins Anzinger Wappen gefunden haben. Der einzige Unterschied zwischen dem Sunderndorfer Wappen und dem Ortswappen: Dort waren die Lilienstäbe gold und auf einem blauen Untergrund.

Wappenserie Anzing

Ein Druckstock, der zum Gemeindejubiläum gefertigt wurde.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der schwarz-rote Löwe hingegen ist dem Adelswappen der Höger entlehnt. Ursprünglich waren die Höger eine reiche Kaufmannsfamilie aus München, die 1652 das Anzinger Schloss kauften. Kurfürst Ferdinand Maria erhob Franz und Hans Benno Höger im Jahr 1667 in den Adelsstand - vermutlich, weil Franz Höger zuvor Reliquien der heiligen Munditia nach München gebracht hatte, die bis heute in der Münchner Peterskirche verehrt werden. Allerdings ist unklar, inwiefern Hans Benno daran beteiligt war. Von diesem Zeitpunkt an nannte sich die Familie "Höger von Anzing".

Wappenserie Anzing

Die Anzinger Handballer waren 2014 auf der Suche nach einem Logo - da kam ihnen das Wappentier gerade recht.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Im Jahr 1801 starben die letzten beiden in Anzing verbliebenen Höger, bis heute ist die Adelsfamilie im Ort aber gegenwärtig: So gibt es die Högerkapelle, die Grabdenkmäler mehrer Familienmitglieder beherbergt. Die Kapelle steht an der Högerstraße, die Anzing vom Süden in den Norden durchquert. In der Kapelle hängt im Eingangsbereich auch ein Abguss des Familienwappens, das oben und unten den Löwen zeigt, der heute auch im Ortswappen zu sehen ist.

Und seit 2014 ist der Löwe nun auch das Logo der Anzinger Handballer. Franz Brummer, Vorsitzender der Handballabteilung beim SV Anzing, erinnert sich noch genau, wie es dazu kam, sagt er. Vor knapp fünf Jahren, im Winter 2014, saßen einige Vereinsmitglieder abends auf einen Ratsch zusammen und überlegten, mit welchem Logo die Handballer ihre Verbundenheit zu Anzing zeigen konnten. Schnell waren die Überlegungen beim Ortswappen. Die Entscheidung für den Löwen und gegen die Lilienstäbe war dann auch sofort klar. "Die Lilien, das wäre einfach zu brav für uns gewesen", sagt Brummer und lacht. Uli Koch, der Vater eines ehemaligen Spielers habe daraufhin ein paar Designvorschläge entworfen - und der Handball-Löwe war geboren.