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SZ-Serie: Das erste Jahr:Geduldig gegen die Ungeduld

Trotz Corona hat Bürgermeisterin Martina Lietsch in Steinhöring bereits einige Projekte angestoßen. Als Basis dient ihr "eine sehr gute und konstruktive Arbeit" im Gemeinderat, wie sie selbst sagt.

(Foto: Christian Endt)

Steinhörings Bürgermeisterin Martina Lietsch will den Sorgen der Menschen mit einem offenen Ohr begegnen. Das ist während einer Pandemie jedoch gar nicht so einfach - und nimmt viel Zeit in Anspruch

Von Serafina Rumm

Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen im Landkreis Ebersberg ist die Steinhöringer Bürgermeistern Martina Lietsch nun seit einem Jahr im Amt. Im SZ-Interview zieht sie eine erste Bilanz.

SZ: Wie geht es Ihnen nach einem Jahr im Amt?

Martina Lietsch: Mir geht es sehr gut. Ich bin sehr dankbar, mit einem tollen Team zusammen arbeiten zu dürfen. Der Einstieg mit Corona und die nun seit mehr als einem Jahr andauernde Pandemie waren und sind aber tatsächlich eine große Herausforderung. Das betrifft selbstverständlich ebenso alle anderen Bürgermeister. Die Arbeit wird nicht unbedingt weniger, obwohl öffentliche Veranstaltungen auf ein Minimum reduziert sind.

Wie haben Sie denn Ihren Amtsantritt zu Beginn des ersten Corona-Lockdowns im vergangenen Jahr empfunden?

Der Amtsantritt war zugegeben ungewöhnlich. Weder Begrüßungsveranstaltungen noch Verabschiedungen konnten in gewohnter Form stattfinden, was sehr schade ist. Hinzu kommt natürlich, dass in diesen Tagen viele Treffen mit anderen Bürgermeistern oder Gespräche mit dem Landratsamt häufig online abgehalten werden.

Da haben Sie sich gut umorientiert?

(lacht) Ja, ich denke, da bleibt uns nichts anderes übrig, als sich umzuorientieren. Die Zwischenmenschlichkeit gerät online allerdings etwas ins Hintertreffen, würde ich sagen.

Klar, das ist via Internet alles viel distanzierter.

Ganz genau. Wenn im letzten Jahr Besprechungen angesetzt waren, konnte es gelegentlich zu Verzögerungen kommen, weil wichtige Gesprächspartner in Quarantäne waren oder krank. Corona hat vieles verändert, das ist eine Situation, die es so vorher noch nie gab. Ein öffentliches Leben fand nicht mehr statt.

Welche Ziele sind Sie denn trotzdem schon angegangen oder haben Sie vielleicht sogar schon umgesetzt?

In Tulling haben wir mit der Erschließung des neuen Baugebietes begonnen. Dort sind wir trotz häufiger Wetterkapriolen und Corona sehr gut im Zeitplan. Außerdem haben wir die Vergaberichtlinien der preisreduzierten Parzellen für das Einheimischen-Bauland auf den Weg gebracht und sind gerade mitten in den Planungen zur Städtebauförderung für das Lagerhausgelände in Steinhöring. Ein wichtiger Punkt während der Pandemie ist außerdem die Digitalisierung der Schule. Diese ist mittlerweile so weit fortgeschritten, dass sie in den Sommerferien abgeschlossen werden kann. Ein weiteres Thema sind die zwei Gewässerrenaturierungen, die ich in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt umgesetzt habe. Eine in Steinhöring, hier haben wird eine Fischtreppe gebaut, und eine in Sensau, wo wir eine Grabenaufweitung mit Mäandrierung durchgeführt haben. Daneben sind wir intensiv in die Planung für die Hochwasserproblematik in Sensau eingestiegen. Grundsätzlich handelt es sich um sehr zeitintensive Projekte, in denen viel Arbeit steckt. Die passieren nun mal nicht von heute auf morgen.

In Ihrem Wahlprogramm war ein weiterer Punkt, dass Sie gerne eine Bürgersprechstunde einrichten würden. War das mit Corona überhaupt möglich?

Wir haben keine festen Zeiten eingerichtet, aber ich hatte sehr viele Gespräche mit Bürgern im letzten Jahr. Mit Terminvereinbarung hat das sehr gut geklappt. Jeder, der einen Termin mit mir haben wollte, hat diesen auch bekommen. Das hat sich sehr gut bewährt, und das werden wir bis auf weiteres so beibehalten. Gerade in Zeiten von Corona ist es mir sehr wichtig, in engem Kontakt mit den Bürgern zu bleiben.

Bestimmt gibt es gerade jetzt viele Anliegen und Unsicherheiten ..

. Richtig. In den Gesprächen merke ich zum Beispiel, dass sich Ungeduld und Depression, auch Mutlosigkeit, unter den Menschen breit machen. Deshalb finde ich es sehr wichtig, ein offenes Ohr für alle Anliegen zu haben.

Haben denn Corona oder andere finanzielle Einbrüche Schwierigkeiten gemacht letztes Jahr?

Im Gewerbesteuerbereich hält es sich in Grenzen. Bei uns macht sich Corona eher im Einkommensteuerbereich bemerkbar. Aber ich glaube, die Auswirkungen werden wir erst in den nächsten beiden Jahren zu spüren bekommen. Zudem werden sich die Änderungen auf die Kreisumlage auswirken. Diese Entwicklungen werden durchaus noch spannend. Es gibt zwar eine Anzahl von Förderungen, dennoch gehe ich davon aus, dass unsere ortsansässigen Betriebe, wie Friseure, Gaststätten et cetera, massive finanzielle Einbußen haben werden. Das wirkt sich natürlich kurz- oder mittelfristig auch auf die Gemeinde aus, das ist ganz klar.

Was war denn Ihr schönster Moment im ersten Amtsjahr als Bürgermeisterin?

Schöne Momente waren die Gespräche mit den Bürgern und natürlich die Dinge, die schon abgeschlossen werden konnten. Also zum Beispiel die Gewässerrenaturierungen und das Anlegen von Blühwiesen. Das sind kleine, aber positive Ereignisse. Besonders schöne Erlebnisse stecken allerdings - trotz und gerade in Zeiten von Corona - vor allem im Kontakt mit den Bürgern. Etwas Positives ist darüber hinaus die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Das ist eine sehr gute und konstruktive Arbeit.

Es gibt also keine Schwierigkeiten?

Natürlich sind wir nicht immer der gleichen Meinung. Aber mir ist sehr wichtig, dass das vorhandene Wissen und die Fachkompetenz von den Gemeinderäten auch in die Entscheidungen miteinfließen. Ich lege außerdem viel Wert auf Transparenz und versuche meine Stellvertreter immer auf dem Laufenden zu halten.

Was wünschen Sie sich dann noch für die nächsten fünf Jahre im Amt?

Dass ich gesund bleibe und die Kraft habe, alle anstehenden Aufgaben der nächsten Jahre gut zu bewältigen, das wünsche ich mir für mich. Für uns alle und für die Gemeinde wünsche ich mir, dass wieder normalere Zeiten eintreten. Dass man Bürgerfeste feiern kann, dass es Kulturveranstaltungen gibt, dass die Treffen mit den Vereinen stattfinden und wieder mehr Kontakte mit den Bürgern möglich sind.

© SZ vom 15.06.2021
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