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SZ-Serie: Das erste Jahr:"Egmating aus dem Dornröschenschlaf holen"

Ohne zuvor ein politisches Amt inne gehabt zu haben, ist Inge Heiler direkt zur Bürgermeisterin von Egmating gewählt worden.

(Foto: Christian Endt)

Bürgermeisterin Inge Heiler will bestehende Strukturen nicht einfach ausradieren, sondern durch Gespräche voranbringen

Von Karin Pill, Egmating

Mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog treten und ihr Mitdenken einfordern. Das ist Inge Heiler besonders wichtig. Seit gut einem Jahr ist die 44-jährige Versicherungs- und Marketingfachkauffrau Bürgermeisterin der Gemeinde Egmating. Bevor sie für die Aktive Bürgerliste Egmating (ABE) als Kandidatin antrat, hatte sie zwar noch kein politisches Amt inne, doch das sieht sie durchaus als Vorteil. "Das gibt mir die Möglichkeit, einen unvoreingenommenen Blick auf die Themen zu haben."

Vielleicht war es genau das, was im März 2020 auch die Egmatingerinnen und Egmatinger von Heiler überzeugte. In einer Stichwahl stimmten sie mit 58 Prozent für Heiler und wählten so ihren Vorgänger Ernst Eberherr (CSU) nach 24-jähriger Amtszeit ab. Eines von Heilers Wahlversprechen war daher auch, "frischen Wind in die Gemeinde zu bringen". Diese Aufgabe packte sie, eigenen Aussagen zufolge, gleich an, indem sie dem Egmatinger Gemeindeblatt ein neues Layout verlieh und es modernisierte.

Heiler scheute auch nicht davor zurück, bereits beschlossene Projekte noch einmal zu überdenken. Sie setzte sich dafür ein, dass die laufende Planung für einen Wohnungsbau auf dem Gebäude der Egmatinger Gemeindeverwaltung gestoppt wurde. "Ich wollte nicht, dass wir uns Entwicklungsmöglichkeiten durch Wohnungen verbauen. Stattdessen muss das Potenzial am Schulstandort für eine nötige Erweiterung der Räume genutzt werden", erklärt Heiler.

Ein Jahr nach Amtsbeginn zieht Heiler nun Bilanz. Die Umplanung am Schulstandort sehe sie als einen ihrer größten Erfolge im ersten Amtsjahr. Schwierig hingegen sei es für sie gewesen, dass es keine Amtsübergabe durch den ehemaligen Bürgermeister Eberherr gab. Auch die Pandemie habe es ihr nicht gerade leicht gemacht, weil der persönliche Austausch, der Heiler so wichtig sei, nicht wie gewohnt stattfinden konnte. Da verschiedenste Präsenzveranstaltungen wegfielen, sei es ihr hingegen möglich gewesen, sich intensiver mit kommunalen Sachthemen vertraut zu machen.

Gut eingearbeitet kann sie jetzt ihr Ziel, den Versuch, "Egmating aus dem Dornröschenschlaf zu holen", verfolgen. Seit sie im Amt ist, spiele in der 2340-Einwohner-Gemeinde nun beispielsweise auch Umweltschutz eine stärkere Rolle. Im Gemeinderat gibt es neuerdings einen Umwelt-, Klima-, Energie- und Wasserausschuss. Mit diesem Ausschuss beginne nun endlich ein engerer Austausch, der bisher so nicht stattgefunden habe, so Heiler. Zwar gebe es in den Bebauungsplänen noch keine Verpflichtung zu Photovoltaik-Anlagen, aber "wir haben sicher vor, das anzugehen". Die Gemeinde habe beispielsweise einen Ingenieur beauftragt, der den Gemeinderat darüber beraten soll, wie Egmating sich in puncto erneuerbare Energien "auf den Weg machen könne".

Heiler zufolge habe der Gemeinderat schon gespürt, dass man sich unter ihrer Führung aktiver einbringen dürfe und solle. Nach der 24-jährigen Amtszeit ihres Vorgängers Eberherr könne sie "den Dampfer nicht von einem Tag auf den anderen umlenken". Deshalb sei es nun zuallererst wichtig, Dinge zum Thema zu machen, zu besprechen. Heiler hofft deshalb auf die Möglichkeit, im Juni eine Klausurtagung abhalten zu können, um einen intensiveren Austausch als in den monatlichen Gemeinderatssitzungen zu haben.

Neben einer zukunftsorientierten Energiegewinnung sieht Heiler darüber hinaus Potenzial beim Thema Nahversorgung. Ein Dorfcafé oder einen Supermarkt halte sie unter anderem für denkbar. Immer wieder gab es in Egmating auch Versuche, einen Dorfladen zu realisieren. "Diese Initiative gibt es immer noch, aber es scheitert aktuell einfach am Standort", so Heiler. "Den können wir uns nicht einfach aus dem Ärmel schütteln, denn die Gemeinde hat gerade nicht die finanziellen Mittel, ein eigenes Gebäude zu bauen", erklärt Heiler.

Eine weitere Hausaufgabe für den Gemeinderat und sie selbst nennt Heiler das gemeinsame Festlegen eines Grundsatzbeschlusses für Gewerbebaulandkriterien oder aber die Entwicklung eines städtebaulichen Grundsatzes. Erst dann könne das Projekt Nahversorgung konkreter diskutiert werden.

Magdalena Wagner (SPD) sieht eine fehlende Einkaufsmöglichkeit im Ort jedoch genau als das Problem, das Heiler als dringendstes angehen müsse. "Langfristige Projekte wie ein Dorfladen gehören einfach umgesetzt", so Wagner. Dass es an den passenden Räumlichkeiten mangele, ist für Wagner keine Entschuldigung. "Heiler hätte die Möglichkeiten, nochmal mit Personen ins Gespräch zu kommen, die über passende Örtlichkeiten verfügen." Darüber hinaus findet Wagner, dass noch keine großartigen Veränderungen seit Heilers Amtsantritt passiert seien. "Der Wertstoffhof hat nun länger geöffnet und wir haben neue Willkommens-Schilder am Ortseingang", so Wagner. Für sie dürfe da schon noch mehr kommen.

Zu ihrer Verteidigung sagt Heiler, in den vergangenen Monaten sei sie vor allem damit beschäftigt gewesen, das wegzuarbeiten, was ihr hinterlassen wurde und vorrangige Themen wie Hort-Entwicklung und Schulerneuerung zu bearbeiten.

Für ihr neues Amtsjahr stehe ganz oben auf der Liste, die Planung eines Brunnens in Egmating "mit Nachdruck zu verfolgen" und die Hortkinder aus ihren jetzigen Räumlichkeiten zu holen, denn der aktuelle Hort "platzt aus allen Nähten".

Die Erweiterung des Hortes sieht auch Johann Lang (CSU) als das Problem, das als nächstes angegangen werden müsse. Was die Nahversorgung im Ort angeht, zieht er ein positives Fazit. In enger Zusammenarbeit mit Inge Heiler, sei ihm die Organisation eines Wochenmarktes im Ort ab Mitte Juni gelungen. Lang schätze darüber hinaus die "gute, lebhafte Debattenkultur im Gemeinderat" seit Heilers Amtsantritt. Dass facettenreich diskutiert werde, habe zur Folge, dass noch nicht so viele Projekte umgesetzt wurden, so Lang. "Aber gut Ding braucht Weile", sagt er.

© SZ vom 09.06.2021
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