„Morgenstund’…?“ „…hat Gold im Mund“, schallt es in den Räumen der Tagespflege der Nachbarschaftshilfe Vaterstetten (NBH) aus mehreren Kehlen. Nach dem Erzählkreis zum Wochenthema „Adventszeit“ sind jetzt die Sprichwörter dran. Denn die dort von 8 bis 17 Uhr betreuten Seniorinnen und Senioren – manche davon leiden unter Demenz– sollen auf vielfältige Weise aktiviert werden.

Dazu gehören das Gedächtnistraining ebenso wie die Zeitungsrunde am Morgen, Backen, Singen, Gymnastik oder kreatives Gestalten. „Dabei sind die entstanden“, weist die stellvertretende Ressortleiterin Joanna Wasniewska auf einige Anhänger am Weihnachtsbaum in der Ecke des heimeligen und stimmungsvoll dekorierten Raumes hin. Eine Vaterstettinerin, deren Angehöriger seit mehreren Jahren hier betreut wird – „sonst hätte er wahrscheinlich viel schneller abgebaut“, spricht von, „Atmosphäre, in der man sich beim Hereinkommen direkt wohlfühlt.“

Doch die Tagespflege ist nur eine Sparte des Vereins, der seit mehr als 50 Jahren Menschen in jedem Lebensalter und jeder Lebensphase zur Seite steht. Kostenfreie Kurse für Kinder und Jugendliche aller Schichten sollen diese stark machen fürs Leben; am Schuljahresanfang werden Ranzen mit Material an Kinder verteilt, die man teilweise schon von der ebenfalls betriebenen Tafel her kennt. Junge Familien finden Austausch und Ansprache beim offenen Treff. Mehr als 3200 Personen nutzen die Angebote des gleichnamigen Ressorts im Jahr. Außerdem im Portfolio der NBH: Ambulante Pflege, hauswirtschaftliche Hilfe und ein mobiler Mittagstisch.
Um all das aufrechtzuerhalten, ist die Non-Profit-Organisation nicht nur angewiesen auf den Einsatz ihrer 60 Festangestellten und etwa 250 freiwilligen und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Neben den Beiträgen der 3324 Mitglieder werden Spenden benötigt, weswegen SZ Gute Werke die NBH immer wieder bei Anschaffungen unterstützt.
Dass sich aus dem nachbarschaftlichen Tauschgeschäft „Babysitten gegen Schnee schippen“ eine professionelle Organisation und mittlerweile unverzichtbare Säule in der sozialen Landschaft des Landkreises entwickelt hat, liegt, erklärt NBH-Geschäftsführer Oliver Westphalen an diversen Faktoren.

„Die Menschen werden älter und wollen länger daheim bleiben.“ Dafür seien aber „körperliche Pflege, ein sauberes Zuhause und etwas zu essen“ existenziell – und damit Bedürfnisse, die weit über das frühere „für den Nachbarn einkaufen“ hinausgingen. Gleichzeitig seien die Menschen beruflich stärker eingebunden und, ja, auch die Bereitschaft fürs Ehrenamt ginge immer weiter zurück.
Weil also definitiv mehr Profis gebraucht werden als früher, gibt es mittlerweile einen Arbeitskreis unter der Schirmherrschaft von Landrat Robert Niedergesäß, in dem sich die Nachbarschaftshilfen vernetzen. Zudem haben die Vaterstettiner mit ihrem Know-how nicht nur die NBH Poing/Pliening bei ihrer Gründung unterstützt, sondern auch mit „Karriere PS“ eine Jobbörse für den pflegerischen Bereich entwickelt. „Kostenfrei und exklusiv für den Landkreis“, betont Westphalen nicht ohne Stolz.
Dann kommt er auf einen Punkt zu sprechen, der ihm sehr am Herzen liegt. „Wir müssen auch mal die schönen Seiten unserer Arbeit aufzeigen. Es ist eine wertschätzende Aufgabe! Jede der Kolleginnen würde in der freien Wirtschaft mehr verdienen. Aber sie sind hier, weil sie es als sinnstiftend empfinden, Menschen zu helfen!“ Dahinter stünden einfach andere Werte. Dazu gehöre auch, dass die Pflegekräfte mehr Zeit pro Patienten hätten.
Dasselbe gilt für die Ehrenamtlichen, die Tag für Tag im Schnitt 525 Kilometer zurücklegen, um beim „Mobilen Mittagstisch“ etwa 300 Essen auszuliefern. Manchmal decken sie dafür sogar erst noch den Tisch, sind für ihre Kundschaft teilweise die einzigen Gesprächspartner am Tag.

Derzeit wird bei der Tourenplanung allerdings noch mit Papierstapeln und handschriftlichen Listen gearbeitet. Das möchte die NBH digitalisieren und dafür einfache Smartphones anschaffen, wobei sie Unterstützung benötigt. „Dann wären Kundendaten, Routen, kurzfristige Änderungen direkt auf dem Handy. Und wir können unterwegs viel leichter miteinander kommunizieren“, sagt Sabine Pillau, die das Ressort leitet. „Das Ganze spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern gibt unseren Fahrerinnen und Fahrern auch mehr Raum für den persönlichen Kontakt, der uns ja besonders wichtig ist.“

Diese Zugewandtheit, seitens der Ehrenamtlichen genauso wie bei den Hauptamtlichen in Tagespflege und Verwaltung, ist im ganzen Haus zu spüren. So lobt die eingangs zitierte Angehörige ausdrücklich die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit, die sie in der Brunnenstraße erfahren hat – beim Umgang mit den Erkrankten, aber auch deren Familien. „Dieser Ort ist für uns beide ein Gewinn.“
So können Sie spenden
Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Banküberweisung an: SZ Gute Werke e.V., HypoVereinsbank IBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28, BIC: HYVEDEMMXXX, Sicher online spenden können Leserinnen und Leser im Internet unter www.sz-gute-werke.de.

