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SV Anzing:"Dann wollen wir auch ein Dach haben wie in der Allianz Arena"

Anzing

Die 300 Sitzschalen aus der Allianz Arena hat der SV Anzing vor einiger Zeit für zehn Euro das Stück aus München erworben.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Fußballer des SV Anzing haben bereits Sitze aus der Münchner Arena, nun wollen sie mit Ersparnissen, Sponsoren und Fans Geld für ihre Tribüne aufbringen.

Von Alexandra Leuthner, Anzing

In Anzing sitzt man im Freien, auf der Tribüne im Sportzentrum jedenfalls. Und so lange das Wetter passt, ist das auch recht angenehm. "Eingerahmt von altem Baumbestand und Feldern in idyllischer Lage am nördlichen Rand des Ebersberger Forsts", so beschreibt der SV Anzing seine Anlage auf der vereinseigenen Homepage, und "als eines der schönsten Sportzentren seiner Art". Drei Rasenplätze, eine 400-Meter-Rundbahn, Tartanplatz, Stockschützenbahn, Hockeyhartplatz und die Gaststätte "Zum Wilderer" gehören zum Ensemble. Und nun soll der Hauptplatz auch noch wettertauglich werden - für die Zuschauer.

"Bei den Heimspielen im Herbst hat's schon manchmal ganz schön durchgepfiffen auf der Tribüne", sagt Helmut Furtmair, Abteilungsleiter Fußball beim SV Anzing. Gemeinsam mit Peter Moossmann, Ehrenpräsident und ehemaliger Landesligaspielleiter, der zu den Initiatoren für den Bau des Tribünendachs gehört, erzählt er am Telefon vom Warum und Wie des großen Plans.

55 Meter lang soll das Holzdach werden und den mit 300 Sitzen aus der Münchner Allianz Arena bestuhlten Zuschauerbereich überdecken. Letztere hatte die Gemeinde als Schnäppchen für zehn Euro das Stück vor einiger Zeit erwerben können, großes Fußballfeeling also in Anzing. "Und wenn wir schon auf Allianz Arena-Stühlen sitzen, wollen wir auch ein Dach haben wie in der Allianz Arena", sagt Furtmair. Die Gemeinde wird als Zuschussgeber diesmal dafür nicht am Start sein, "das ist aber auch so ausgemacht". Das Geld fürs neue Dach - 155 000 Euro soll es alles in allem kosten - muss also woanders herkommen, und so hat man sich im Verein entschieden, auf eine moderne Art der Finanzierung zu setzen.

Gemeinsam mit der VR Bank Erding haben die Initiatoren, allen voran die Fußballer - der Hauptplatz wird aber auch von anderen Abteilungen genutzt - ein Crowdfunding-Projekt initiiert, über das die 18 000 Euro zusammenkommen sollen, welche zur Gesamtsumme noch fehlen. 15 000 Euro kommen von den Fußballern selbst, 10 000 schießt der Hauptverein zu, Sponsoren und private Gönner stockten den Betrag um weitere 89 000 Euro auf. Was nun noch fehlt, soll unter dem Motto "Viele schaffen mehr" über das Crowdfunding zusammen kommen.

Seit 15. September läuft die Aktion, Gönner und Spender können bis 13. Dezember in den Topf einzahlen. Bis Montag dieser Woche waren bereits 4800 Euro eingegangen, berichten Helmut Furtmair und Peter Moossmann, und sie sind sich einig: Bange müssen sie beim SV nicht sein, dass das Geld nicht zusammen kommt. Das erste Fazit ist also ein hoffnungsfrohes. "In Anzing helfen alle zusammen. Und wir haben ja noch über 80 Tage Zeit."

Bereits seit Langem planen die Fußballer des Vereins für diese Investition. "Die haben jetzt fünf Jahre lang gespart, die Fußballer", sagt Moossmann. Das Ziel ist dabei aber nicht nur, im Endeffekt auf die benötigte Summe zu kommen, sondern auch, möglichst viele Anzinger mit ins Boot zu holen, Fans und Sportler genauso wie Eltern, Großeltern Kinder oder andere Gäste. Mit einem Mindestbetrag von zehn Euro ist man dabei, Spender, die mehr als 50 Euro geben, werden auf einer Spendertafel am neuen Tribünenbereich verewigt. Wer über 100 Euro zahlt, bekommt eine persönliche Einladung zur Einweihungsfeier, und wer mehr als 250 Euro gibt, wird mit seinem Wunschsitzplatz inklusive Namensschild belohnt. 15 000 Euro müssen zusammen kommen, dann übernehme die VR Bank die fehlenden 20 Prozent und stocke auf 18 000 auf, erklärt Furtmaier.

Im nächsten Frühjahr soll die Holzkonstruktion errichtet werden, beteiligt sind daran ausschließlich lokale Handwerksbetriebe, die sich ebenfalls nicht lumpen lassen und für ihren Anteil an den Arbeiten einen gemeinsamen Nachlass von 20 000 Euro gewähren. Die Zimmerei Franz Brummer und der Architekt Dieter Schedl sind dabei die Hauptverantwortlichen - die Planzeichnung hat der Architekt umsonst gemacht.

Um es den Besuchern wirklich schön zu machen - zu den Heimspielen der in der Kreisliga kickenden Herrenmannschaft kommen in der Regel 100 bis 150 Fans, bei Derbys auch mal 200 -, werden auch die Fußballer des SV Anzing selbst Hand anlegen. Sie bauen unter das Tribünendach, wenn es dann fertig ist eine Rückwand, damit es nicht so zieht. Eins betonen Moossmann und Furtmair schließlich auch noch: Sollte die benötigte Summe nicht zusammen kommen, erhält jeder Spender sein Geld zurück.

© SZ vom 01.10.2020/koei
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