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Glosse:Ebersberger Suppenküche wird unfreiwillig zur Bon-Cuisine

Für Christian Menschig von der Ebersberger Suppenküche "Menschigs Suppenbar" gilt wie für alle Gastronomen seit 1. Januar 2020 die Bonpflicht.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Beim Thema Bonpflicht reagieren manche Gastronomen, als hätte man ihnen soeben eine Kakerlaken-Horde in die Küche gesetzt.

Das französische Adjektiv bon heißt übersetzt gut und war in den Küchen der Kreisstadt Ebersberg bisher von geringer Bedeutung. Allein schon weil dort kein einziges französisches Lokal steht, wo man die bonne cuisine lobend erwähnen könnte. Stattdessen gibt es dort eine Suppenküche, die den Ebersbergern ihre Mittagspause schmackhaft macht. Ganz ohne Pot au feu - dafür aber mit bon, genauer gesagt: Mit Bons.

Besagtes Lokal hatte am Montag wie so oft eine Schale mit Süßigkeiten vor der Kasse stehen. Daneben steht nun seit 2. Januar eine zweite Schale. Und die unterscheidet sich von der ersten im wesentlichen darin, dass so gut wie niemand in sie hineingreift und sich bedient. Es ist die Schale, die von den Kunden achtlos zurück gelassen wird, ehe sie mit ihren Suppen abdampfen. Es ist die Schale der Bons: Papierbelege, die einem sonst nur begegneten, wenn man sich bei McDonald's Chicken Nuggets bestellte - und Belege samt Tüte in den Müll warf.

Die neu eingeführte Bonpflicht für alle löst in der Region wenig Begeisterung aus. Manche Gastronomen reagieren bei dem Thema so, als hätte man ihnen gerade eine Kakerlaken-Horde in die Küche gesetzt. Allein der Papierverbrauch! Eine Messung im Ebersberger Suppenladen - Bestellung Kartoffelsuppe mit Wiener - ergibt eine Bongröße von 10,1 mal 5,7 Zentimetern. Kleiner als eine französische Spielkarte, aber in der Masse groß genug, um die Schale in ein Versteck zu verwandeln. Unter die Bons könnte man ein Goldnugget legen, es wäre sicherer als in jedem Tresort. Trotzdem liegt kein Nugget drin. Es ist ja auch keine Fast-Food, sondern eine Suppenküche - und neuerdings eine unfreiwillige Bon-Cuisine.

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