Modernisierter Bahnhof Aufgewacht aus dem Dornröschenschlaf

Mit einem Festakt feiert die Polit-Prominenz den modernisierten Steinhöringer Bahnhof. Werktags pendelt hier nun stündlich der Filzenexpress zwischen Wasserburg und Grafing.

Von Carolin Fries, Steinhöring

Wenn der Filzenexpress in der lang gezogenen Kurve auf dem Weg von Tulling nach Steinhöring pfeift, dann machen sich Helena Antonia und ihre elf Jahre alte Schwester Anna jeden Morgen auf den Weg: Raus aus dem Haus, nur schnell über die Straße und dann stehen die beiden Mädchen auch schon auf dem Bahnsteig. Montags bis freitags fahren sie mit dem Zug nach Grafing beziehungsweise Ebersberg zur Schule und zurück. An diesem Sonntag strahlen sie übers ganze Gesicht: "So cool" sei das, dass sie nun auch nach jeder Stunde direkt wieder mit dem Zug nach Hause fahren können. Denn werktags fährt der Filzenexpress ab sofort stündlich auf der Strecke zwischen Grafing und Wasserburg. Die vergangenen Jahre war das nur alle zwei Stunden der Fall. Der Fahrplanwechsel tritt an diesem Sonntag in Kraft - weshalb sich die Politprominenz aus dem Landkreis am Bahnsteig trifft. Und auch Staatskanzleichef Marcel Huber ist angereist, denn Voraussetzung für den Stundentakt war ein teurer Ausbau des Steinhöringer Bahnhofs - zum Großteil vom Freistaat finanziert.

Marcel Huber spricht dann von einem "guten Tag für die Pendler". Der Filzenexpress würde durch den Ausbau erheblich attraktiver. Zudem habe der Landkreis mit der neu eingerichteten Rufbuslinie 433, die an diesem Montag in Betrieb geht, dafür gesorgt, dass auch die Menschen aus entfernter liegenden Dörfern das Angebot nutzen können. "Wenn alle zusammen helfen, dann lassen sich große Dinge schaffen", sagt er. Auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU) und Christian Kubasch, technischer Leiter der Südostbayernbahn (Sob), werden an diesem Tag das gemeinsame Bemühen von Kommunen, Bahn und Freistaat als "beispielhaft" hervorheben. In den 90er Jahren sei schließlich noch über eine Stilllegung der Bahn spekuliert worden.

120 Meter lang ist der neue Mittelbahnsteig in Steinhöring und 76 Zentimeter hoch. Er ermöglicht den stufenfreien Einstieg in die Züge.

(Foto: Christian Endt)

Nun habe man den Filzenexpress "aus dem Dornröschenschlaf geweckt", sagt Steinhörings Bürgermeister Alois Hofstetter (CSU). Er ist sichtlich stolz auf den barrierefreien Bahnhof, der nun von zwei Gleisen eingeschlossen ist, über eine elektronische Zuganzeige, einen Fahrkartenautomaten und Sitzgelegenheiten verfügt. Wer den alten Bahnhof in Steinhöring kennt, der weiß nun: Früher hörte die Welt hinter Ebersberg auf. Jetzt geht sie weiter. Über Tulling, Edling und Forstern wird der Zug nun täglich mit bis zu 80 Stundenkilometern übers Land fahren. Insgesamt 9,6 Millionen Euro hat der Ausbau gekostet. Alle Bahnhöfe wurden modernisiert, am meisten Geld aber floss nach Steinhöring. Für 5,7 Millionen Euro hat die Sob hier einen Kreuzungsbahnhof eingerichtet. In einem rot angestrichenen kleinen Häuschen ist laut Kubasch mit ferngesteuerter Technik "richtig viel Geld" untergebracht. Er zerstreute damit Gerüchte, wonach sich hier öffentliche Toiletten befinden. Ausdrücklich bedankte er sich bei den Anwohnern, die in der sechsmonatigen Bauphase "viel aushalten mussten". "So eine Baustelle habe ich noch nie erlebt - es gab keine einzige Beschwerde." Viktoria Antoni, die Großmutter der Mädchen Helena und Anna, ist froh, dass es nun vorbei ist mit dem ganzen Staub und Dreck. "Wir sind den ganzen Sommer nicht draußen gesessen", sagt sie.

Robert Niedergesäß nennt den Filzenexpress "ein Mosaiksteinchen im Mobilitätskonzept des Landkreises". Weiterhin gebe es viel zu tun , um die zunehmende Zahl der Landkreisbürger, die durch den Siedlungsdruck immer weiter aufs Land ziehen müssten, anzubinden. Auf 150 000 Menschen würde der Landkreis binnen der nächsten Jahre wachsen. Dass diese dann von Steinhöring aus binnen einer Stunde in die Landeshauptstadt pendeln können, fasste Alois Hofstetter unter dem Filmtitel "zurück in die Zukunft" zusammen. Denn bereits früher habe am Bahnsteig in Steinhöring reger Betrieb geherrscht: Als man das Schlachtvieh in die Wägen nach München verladen hätte.

Staatskanzleichef Marcel Huber bei der offiziellen Eröffnung.

(Foto: Christian Endt)

Dass der neue Bahnhof mit stündlicher Anbindung nach München nun auch neue Fahrgäste locken soll, versteht sich von selbst. Lena Schächer aus Steinhöring konnte Neukundin werden. Das Mädchen fährt aktuell noch mit dem Bus zur Schule nach Wasserburg. "Aber der hält überall."