Amtsgericht Ebersberg:Von Harmonie zu Horror

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Weil er einer Frau nachgestellt und eine weitere beleidigt hat, wird ein 40-Jähriger vom Ebersberger Amtsgericht zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Von Sina-Maria Schweikle, Ebersberg

Die Frauen sprachen vorsichtig, aber präzise als sie von den Ereignissen erzählten. Während sie davon berichteten, wie der Anklagte sie immer wieder angerufen hatte. Sie aufs Schlimmste beleidigte und ihnen drohte. Er ließ ihnen damals keine Ruhe. Und man kann erkennen, dass die Vorkommnisse den beiden Frauen auch heute noch keine Ruhe lassen. Nacheinander berichteten die beiden Zeuginnen im Sitzungssaal des Amtsgericht Ebersberg, was geschehen war.

Für die erste Frau begann der Terror durch den Angeklagten im Herbst 2021. Über eine Dating-Plattform lernten sich der 40-Jährige und die Geschädigte kennen. Beide leiden am Borderline-Syndrom und tauschten sich offen darüber aus. Sie verabredeten sich für ein Date. "Das erste Treffen war harmonisch. Wir wollten uns wiedersehen", sagte die Frau. Diesmal aber bei ihr zuhause. "Es war klar, dass er bei mir übernachten soll." Während die beiden miteinander schliefen überkam die Frau eine Panikattacke, ein sogenannter "Flashback", denn sie wurde vor mehreren Jahren vergewaltigt. Sie bat den Angeklagten zu gehen, was dieser ihr zufolge jedoch ablehnte. "Er wurde aggressiv und ich hatte Angst", so die 36-Jährige.

Aus Angst vor dem Angeklagten will die Zeugin ihre Adresse nicht laut sagen

Nachdem der Angeklagte die Wohnung der Frau verlassen hatte, war diese erleichtert. Doch dann bemerkte sie, dass der Geldbeutel ihrer Mitbewohnerin fehlte und alarmierte gemeinsam mit dieser die Polizei. Danach, so sagte sie, habe sie keinen Kontakt mehr mit dem Mann gesucht. Doch dieser hatte immer weiter versucht, Verbindung zu der Frau aufzunehmen. Er hatte ihr geschrieben und sie mehrfach am Tag angerufen. Irgendwann wurde es ihr zu viel und sie blockierte ihn. Das, so argumentierte die Staatsanwaltschaft, hätte für den Angeklagten ein Anhaltspunkt sein müssen, dass die Frau keinen Kontakt mit dem Mann wünschte. Doch er versuchte es weiter, bis er schließlich auch öffentlich auf seinem Facebook-Kanal postete, dass er sie suchen würde, was zu erneuten Panikattacken der Frau führte.

Danach trat die zweite Frau in den Zeugenstand. Ihre neue Adresse schrieb sie auf ein Blatt Papier, aus Angst, diese vor dem Angeklagten kund zu tun. Die 34-Jährige hatte mit dem Mann über einen Messangerdienst geschrieben. Zuerst fand sie ihn spannend und es machte ihr Spaß mit ihm zu schreiben. Doch dann schickte ihr der Angeklagte mitten in der Nacht anzügliche Nachrichten. "Er sagte, dass er sich total in mich verliebt habe", so die Frau, "dabei haben wir uns noch nicht einmal gesehen". Nachdem sie dem Mann daraufhin eine Sprachnachricht gesendet und ihn darin nahegelegt habe, sich Hilfe zu suchen, habe dieser sie bedroht und geantwortet, dass er ihr die "Fresse einschlagen" und Bilder von ihr auf Pornoseiten hochladen werde. Daraufhin hat die Frau den Mann blockiert. Was blieb, war die Angst.

Der Mann ist vor Gericht kein Unbekannter. Das wird ihm zum Verhängnis

Richterin Vera Hörauf stellte fest, dass der Angeklagte bereits 13 Eintragungen im Bundeszentralregister hat, unter anderem wegen Diebstahl, Betrug, Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung. Hierfür wurde der Angeklagte bereits mehrfach zu Bewährungsstrafen verurteilt. Doch auch hier zeigte sich der Mann wenig kooperativ: Er erschien nicht zu den Terminen mit dem Bewährungshelfer, teilte seinen Umzug nicht mit und musste eine psychotherapeutische Behandlung vorzeitig abbrechen, da er sich nicht an das Regelwerk der Klinik hielt.

Auf Nachfrage der Richterin teilte der Mann mit, dass er nun in Therapie sei. Er lebe von Hartz-IV und habe Schulden bei seinen Eltern. "Ich bin kein schlechter Mensch", waren die letzten Worte des Angeklagten vor der Urteilsverkündung. Richterin Vera Hörauf legte dem Mann zugute, dass er die Beleidigung zugab. Zu Lasten legte sie ihm, dass die vorhergehenden Verurteilungen keine Besserung bei ihm auslösten und die Zeuginnen noch heute unter seinen Handlungen leiden. Sie verurteilte den 40-Jährigen deshalb zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe - ohne Bewährung.

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