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Stadtrat Grafing:Aufatmen im Sandkasten

Die Haltung der Grafinger Stadträte scheint klar: Sie wollen, dass der Max-und-Moritz-Spielplatz auf jeden Fall bleiben kann.

(Foto: Christian Endt)

Der Aus- oder Neubau des Feuerwehrhauses in Grafing soll nicht zu Lasten des Max-und-Moritz-Spielplatzes gehen.

Von Thorsten Rienth, Grafing

Eine vollständige Entwarnung ist es nicht, aber nach der jüngsten Stadtratssitzung dürfen die Grafinger wohl davon ausgehen: Ein Erweiterungs- oder Neubau des Feuerwehrhauses wird nicht zu Lasten des nebenan gelegenen Max-und-Moritz-Spielplatzes gehen. "Man wird alles tun, damit er nicht angetastet wird", versprach Bürgermeister Christian Bauer (CSU). Die Ergebnisoffenheit der in der Sitzung beauftragten Machbarkeitsstudie hat deshalb eine Einschränkung bekommen: "Nach aller Möglichkeit" sollen die Planer eine Lösung ohne negative Auswirkungen auf den Spielplatz erarbeiten.

Ein mögliches Szenario ist, dass der Spielplatz für das neue Feuerwehrhaus weichen muss

Hintergrund der Ansage: Vergangene Woche war unter Grafinger Eltern einiges an Aufregung entstanden. Denn im Antrag der Feuerwehr für die Machbarkeitsstudie der Arealüberplanung war das Ende des Spielplatzes in der Bahnhofstraße als mögliche Folge genannt worden.

Zur grundsätzlichen Notwendigkeit, das Feuerwehrgelände inklusive eines gewissen Einzugsbereichs zu überplanen, gibt es Bauer zufolge keine Alternative. "Wir haben ziemliche Mängel am Feuerwehrhaus." Die habe die Stadt in absehbarer Zeit zu beseitigen.

Wie genau diese Mängel aussehen, hatte Feuerwehrkommandant und CSU-Stadtrat Schorsch Schlechte ebenfalls im Antrag zu der Studie erläutert. Demnach sind sie Ausfahrten zu klein und der Bodenbelag zu rutschig, zudem gibt es keine Trennung zwischen Fahrzeughalle und Umkleidebereich. Ein weiteres Problem sei, dass sich die Wege von abrückenden Einsatzfahrzeugen und zum Feuerwehrhaus fahrenden Feuerwehrleute kreuzen. Weitere "kritische Punkte" kämen noch hinzu.

"Nicht nur die wachsende Wohnbebauung, auch der daraus resultierende Zuwachs an öffentlichen Gebäuden sowie der immense Zuwachs an Gewerbebauten stellt die Einsatzkräfte vor immer neue Herausforderungen." Die ursprüngliche Ausrichtung der Feuerwehr habe sich von der Brandbekämpfung "rasant" in Richtung vorbeugender Gefahrenabwehr sowie technischer Hilfeleistung bei Unglücksfällen oder Notständen verändert. "Voraussetzung hierfür ist ein Feuerwehrhaus, das den aktuellsten Sicherheitsvorschriften und arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften entspricht."

Schlechtes Conclusio vor eben diesem Hintergrund: "Es besteht hier dringender Handlungsbedarf, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten, gesetzliche Auflagen einzuhalten und die Einsatzbereitschaft unserer Feuerwehr auch vor dem Hintergrund einer stetig wachsenden Stadt sicherzustellen." Kommandant Schlechte gilt in Grafing nicht als jemand, der vorschnell Alarm schlägt.

Die Notwendigkeit eines aus- oder neugebauten Feuerwehrhauses stellte in der Sitzung niemand in Zweifel. "Dass wir uns da anfangen Gedanken zu machen, ist grundsätzlich völlig richtig", befand etwa Zweiter Bürgermeister Johannes Oswald (Grüne). Nur müsse man in Sachen Spielplatz "echt aufpassen".

Was das für die SPD konkret bedeutet, skizzierte deren Grafinger Vorsitzender Christian Kerschner-Gehrling. "Wir müssen die Planer klar über die Wertigkeit des Spielplatzes informieren", sagte er. "Den wollen wir klar erhalten." Und wenn er doch weichen müsste? "Dann wird man sehen müssen, ob es hier eine Mehrheit gibt - das glaube ich nämlich nicht." Den Reaktionen aus den anderen Fraktionen nach zu urteilen, scheint die Haltung breiter Konsens zu sein.

Gemäß des wenig später einstimmig gefällten Beschlusses mögen sich die Planer so ergebnisoffen wie möglich ihre Gedanken machen - aber an eine im Raum stehende Zufahrt übers Spielplatzgelände gar nicht erst denken. Zumal diese ja auch das Archivgebäude zwischen Spielplatz und Feuerwehrhof betreffen würde.

Was den Zeitplan angeht, ist die Entscheidungsfindung nicht sonderlich akut. "Sie wird auch nicht in zwei oder drei Jahren fallen", ordnete Bauer ein. "Das wird sich sicherlich über einen längeren Zeitraum hinziehen." Insofern nur folgerichtig setzte das Gremium für die Machbarkeitsstudie auch keine Abgabefrist fest.

© SZ vom 16.11.2020

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