Stadtbücherei GrafingVorlesen per Video

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Vorlesewettbewerb online: Die Chefin der Grafinger Bücherei, Ursula Schneider, leitet die abgespeckte Jurysitzung.
Vorlesewettbewerb online: Die Chefin der Grafinger Bücherei, Ursula Schneider, leitet die abgespeckte Jurysitzung. Veranstalter

Landkreisweiter Wettbewerb findet trotz Corona statt

Von Serafina Rumm, Grafing

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Der Regionalentscheid des Vorlesewettbewerbs der Stiftung Buchkultur und Leseförderung hat wieder den besten Vorleser des Landkreises Ebersberg gekürt: Als Gewinner ging Thorben Friese mit einem Beitrag aus dem Fantasy Roman "Animox" von Aimée Carters hervor. Dargeboten wurde von den jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Wettbewerbs alles von Fantasy- über Pferdegeschichten bis hin zu Klassikern wie "Hanni und Nanni" von Enid Blyton.

Der Bühnenauftritt und das damit verbundene Lampenfieber sind dieses Jahr für die jungen Literaturfans allerdings weggefallen. Denn pandemiebedingt war auch beim Vorlesewettbewerb diesmal alles anders: Die Entscheidung wurde digital ausgetragen, nicht wie sonst durch einen Auftritt mit Moderation vor Publikum in der Grafinger Stadtbücherei. Vermutlich wegen Corona haben auch weniger Schulen teilgenommen als üblich, nämlich die Mittelschule und das Gymnasium in Grafing, die Montessori-Schule Niederseeon, die Gymnasien von Kirchseeon und Vaterstetten sowie das Gymnasium und die Mittelschule Markt Schwaben. "Früher hatten wir teils schon zwölf Teilnehmer", sagt Daniela Molle-Thiel von der Grafinger Bücherei. "Aber ich nehme an, dass es aufgrund der aktuellen Situation einfach nicht jede Schule geschafft hat." Klar, wegen des Lockdowns vor Weihnachten war die Zeit um einiges knapper als sonst.

Bis Mitte Februar hatten die Sechstklässlerinnen und Sechstklässler, die sich zuvor in ihrem Schulentscheid durchsetzen konnten, Zeit, ihren Vorlesebeitrag per Video per Online-Portal einzureichen. Anschließend wurden die Filme von einer Jury bewertet. Drei der Juroren trafen sich dazu unter besonderen Hygieneauflagen in der Stadtbücherei Grafing, die anderen beiden vergaben ihre Punkte von zuhause aus. Mit der Umsetzung des diesjährigen Wettbewerbs ist man in Grafing trotz der Einschränkungen allemal zufrieden: "Unter den Umständen war das vom Verbund sehr gut organisiert." Die Stiftung, die unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, veranstaltet den Wettbewerb bundesweit bereits seit 1959. Und auch von Seiten der Stadtbücherei habe es technisch keinerlei Probleme gegeben.

An die besonderen Bedingungen angepasst wurden auch die Bewertungskriterien des diesjährigen Wettbewerbs: Die Kinder trugen in ihrem Video nur einen selbst gewählten Text vor, die zweite, anspruchsvollere Runde, das Lesen eines unbekannten Textes, ist diesmal weggefallen. Dem besonderen Verfahren entsprechend wurde bei den Videos ein besonderes Augenmerk auf die Authentizität des Vorlesers gelegt: Wer kann echte Gefühle transportieren? Oder wer hat den Text vielleicht einfach nur auswendig gelernt? Wem gelingt es, Blickkontakt zur Kamera zu halten?

Schauspielerei oder gar Regieanweisungen der Eltern sollten dabei von der Jury sorgfältig herausgefiltert werden, berichtet Molle-Thiel, die den Wettbewerb gemeinsam mit Ursula Schneider, der Leiterin der Stadtbücherei, organisiert hat. Die technische Ausrüstung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer - sprich: die Qualität der Aufnahmen - durften indes nicht in die Bewertung miteinkalkuliert werden, um gleiche Voraussetzungen für alle garantieren zu können: "Es gab zwar ein paar Unterschiede bei den Videos, aber da können die Kinder ja nichts dafür", sagt Molle-Thiel. Außerdem seien alle Vorleser grundsätzlich gut zu verstehen gewesen. Und die Juroren seien sich diesmal ziemlich schnell einig gewesen, welche Videodarbietung auch vor echtem Publikum funktioniert hätte.

Den Schulgewinnern rechnet es Organisatorin Daniela Molle-Thiel hoch an, dass sie sich die Mühe gemacht haben, auch an der Online-Realisation des Regionalentscheids teilzunehmen: "Es war schon ein großer zusätzlicher Aufwand." Schade sei nur gewesen, dass das Bücherei-Team diesmal keinen direkten Kontakt mit den Kindern haben durfte. "Es ist schon was anderes, wenn man miterleben kann, wie sie sich über einen gelungenen Auftritt freuen oder auf das Ergebnis reagieren", so Molle-Thiel. Diesmal wurden alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer per Mail über den Ausgang des Wettbewerbs benachrichtigt.

Doch letztlich sind sie ja alle schon Gewinner: Jedes Kind wurde für die Teilnahme am Wettbewerb mit einer Urkunde und dem Buch "Haifischzähne" von Anna Woltz ausgezeichnet. Für den besten Vorleser aus dem Landkreis Ebersberg, Thorben Friese, geht es nun weiter zum Bezirksentscheid: Kann er sich dort mit seinem Video-Beitrag erneut durchsetzen, wird er zum bayerischen Landesentscheid zugelassen. Gewinnt er dort noch einmal, darf er im Juni womöglich ins große Finale, das sogar im Rundfunk Berlin-Brandenburg und auf dem Kinder-Kanal ausgestrahlt werden soll. Der Landkreis Ebersberg drückt die Daumen!

© SZ vom 11.03.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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