Sport im Landkreis Ebersberg:Verhaltenes Interesse

Neuer Zuschuss beschert Vereinen keinen Mitgliederboom

Von Tobias Jäger, Ebersberg

Gerade Sportvereine wurden als die großen Verlierer der Corona-Pandemie angesehen. Denn Kontaktsportarten wie Fußball können schwer unter Einhaltung des Mindestabstands betrieben werden, genauso wenig wie Teamsportarten, bei denen die Anzahl der Spieler die Anzahl der erlaubten Kontakte überschreitet. Als Folge konnten die meisten Vereine für mehrere Monate kein richtiges Training mehr anbieten - was bei vielen die Befürchtung auslöste, dass sich nun massenhaft Mitglieder abmelden und vor allem Kinder ohne den Vereinssport nicht genügend bewegen könnten.

Um diesem entgegenzusteuern, hatte das Kabinett rund im Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Ende Juni beschlossen, für alle bayerischen Grundschüler des Schuljahres 2021/2022 den Jahresbeitrag bis zu einer Höhe von 30 Euro zu übernehmen, wenn sie neu in einen Sportverein eintreten. Zudem erhalten Grund- und Vorschüler am ersten Schultag einen Gutschein in Höhe von 50 Euro, um sich in einem Schwimmkurs zum Erwerb des Seepferdchen-Abzeichen anzumelden. Von diesen Maßnahmen erhofft sich die bayerische Staatsregierung auch, dass der Mitgliederschwund der Sportvereine während der Corona-Pandemie ausgeglichen wird.

Doch hat dies funktioniert? Eine Umfrage der SZ Ebersberg liefert ein eindeutiges Bild: Bei keinem der befragten Sportvereine hat sich die Anzahl der Neuanmeldungen von Kindern im Grundschulalter nennenswert erhöht. Werner Weber, Leiter der Fußballabteilung und der Junioren des ATSV Kirchseeon, begründet dies folgendermaßen: "Meiner Meinung nach wird keiner sagen: Jetzt gibt es 30 Euro, jetzt schicke ich mein Kind zum Fußball, zum Turnen oder Schwimmen." Zudem gab es bisher ja nur die Ankündigung, die praktische Umsetzung sei noch unklar. Weber sieht eher das Problem, dass manche Eltern ihre Kinder aus den Vereinen nehmen und dann neu anmelden, um den Zuschuss zu erhalten.

Ähnlich sieht man das auch beim TSV Ebersberg. Für Dominic Mayer, den Geschäftsführer, ist das bereitgestellte Geld schlichtweg zu wenig, um Eltern dazu anzureizen, ihre Kinder in einem Sportverein anzumelden. Zwar steigen die Anmeldezahlen beim TSV Ebersberg wieder stark an, dies liege jedoch nicht an dem Zuschuss, sondern daran, dass im Sommer wieder richtiges Training erlaubt sei, sagt Mayer. Auch die Geschäftsstelle der SG Poing, sowie Michael Israel, der Kassierer des WSV Glonn bestätigen, dass die Anmeldezahlen seit Ende Juni nicht besonders in die Höhe geschossen sind. Das wird sich nach Prognosen der Zuständigen auch in Zukunft nicht ändern.

Tatsächlich besteht im Landkreis Ebersberg schon die Möglichkeit, dass Familien, die sich den Jahresbeitrag nicht leisten können, einen Antrag beim Landratsamt stellen und den Beitrag dann im Rahmen des Teilhabeprogramms erstattet bekommen. Deshalb wird der beschlossene Zuschlag von 30 Euro nach Einschätzung der Vertreter der Sportvereine im Kreis nicht zur Folge haben, dass nun besonders viele Kinder aus finanziell benachteiligten Familien bei Sportvereinen angemeldet werden. Der Beschluss, da sind sie sich größtenteils einig, sei zwar eine schöne Geste, die aber kaum dazu führen werde, dass die Kinder im Landkreis mehr Sport treiben.

Für die Sportvereine aber kein Grund zur Sorge. Denn die erwartete "Abgangsflut" während der Wintermonate blieb größtenteils aus, alle befragten Klubs berichten, dass kaum Mitglieder abgesprungen seien. Zudem steigen die Anmeldungen seit den Lockerungen für die Sportarten im Sommer wieder. Bernd Zitterbart, Vorstandsmitglied des ATSV Kirchseeon, erwartet für die Wochen nach den Sommerferien sogar einen noch stärkeren Zuwachs. Denn jetzt vor den Ferien sei es ja noch total ungewiss, wie der Stundenplan des nächsten Schuljahres aussehe, man wisse noch nicht, an welchen Tagen man für Sport Zeit haben werde. Aber ein, zwei Wochen nach Schulbeginn sei das ja klar. Dann rechnet Zitterbart auch damit, dass viele Eltern ihre Kinder neu anmelden.

© SZ vom 24.07.2021
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