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Seniorenpflege:Ebersberg: Eröffnung von Pflegestützpunkt verzögert sich

Seniorenpflege

Senioren sind häufig auf Hilfe angewiesen. Diese soll ihnen der Pflegestützpunkt bieten.

(Foto: dpa)

Mit einem eigenen Pflegestützpunkt sollte der Landkreis Ebersberg eine Vorreiterrolle in Bayern einnehmen. Doch das Prestigeprojekt verschiebt sich.

Von Andreas Junkmann, Ebersberg

Wenn sich in diesen Tagen Projekte verschieben, ist mit Corona ein Schuldiger schnell gefunden. Es gibt aber auch Angelegenheiten, die stocken, ohne dass das Virus seine Erreger im Spiel hat. So ist es nun im Fall eines Vorhabens, das eigentlich zu einem Prestigeprojekt im Landkreis Ebersberg werden sollte: ein eigener Pflegestützpunkt. Das Angebot, das als neutrale Anlaufstelle für Fragen rund um die Versorgung im Alter konzipiert ist, sollte in diesem Sommer starten. Doch daraus wird nichts. Wann genau die Beratungsstelle ihren Dienst aufnehmen kann, ist unklar.

Im Grunde genommen war bereits alles in trockenen Tüchern. Zur Unterzeichnung der Verträge, die den Pflegestützpunkt endgültig auf den Weg bringen sollten, war sogar Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU) Mitte März dieses Jahres nach Ebersberg gekommen. Es ging feierlich zu im Hermann-Beham-Saal des Landratsamtes, schließlich sollte dem Landkreis in der Seniorenpflege eine Vorreiterrolle in Bayern zuteil werden. Pflegestützpunkte gibt es im Freistaat zwar schon länger, erst nach einem Landtagsbeschluss vom Dezember vergangenen Jahres haben die Kommunen nun aber Initiativrecht. Der Landkreis Ebersberg wäre der erste in ganz Bayern gewesen, der diese neue Art der Senioren-Unterstützung auf den Weg bringt. "Wir waren sehr optimistisch", sagte nun auch Landrat Robert Niedergesäß (CSU) in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses (SFB) im Kreistag.

Die Formulierung im Präteritum legt bereits die Schlussfolgerung nahe, dass dieser Optimismus in der Zwischenzeit verflogen war. Wie der Landrat sagte, habe es ein "Hick-Hack sondergleichen" mit den Krankenkassen gegeben. Dadurch habe man die Stelle für den Pflegestützpunkt nicht ausschreiben können. Die Kranken- und Pflegekassen nämlich spielen bei der Einrichtung des Beratungsangebots eine nicht unwesentliche Rolle, schließlich sind sie es, die den Großteil der Kosten für das Projekt übernehmen. Der Landkreis selbst zahlt lediglich ein Sechstel davon, der Rest wird vom Bezirk Oberbayern sowie eben von den Kassen finanziert.

Was genau nun den eigentlich fixen Vertrag wieder zum Platzen brachte, sagte Niedergesäß in der Sitzung nicht. Nur so viel: "Es hat an höheren Ebenen gelegen und nicht am Landkreis." Die Konsequenz daraus ist jedenfalls, dass nun ein neuer Vertrag aufgesetzt worden ist, den der Kreistag noch absegnen muss. Der Landrat hofft darauf, dass die vakante Stelle für den Pflegestützpunkt dann im Herbst besetzt werden und das Angebot starten kann.

Die Verzögerung ist aus Landkreissicht aber nicht nur ärgerlich, sondern auch ein handfestes Problem. Bei der SFB-Sitzung im März gab es neben der feierlichen Vertragsunterzeichnung nämlich auch schlechte Nachrichten für die Kreisräte. Christine Deyle vom Caritaszentrum Ebersberg gab bekannt, dass man aus finanziellen Gründen nach vielen Jahren das Beratungsangebot für pflegende Angehörige zum 30. April dieses Jahres einstellen müsse. Damals war deshalb die Hoffnung im Gremium, dass der Pflegestützpunkt so schnell wie möglich starten kann, um keine längere Versorgungslücke entstehen zu lassen. Eben diese klafft nun aber schon eine ganze Weile. Zwar hat der Landkreis zwischenzeitlich einen zusätzlichen Beratungsservice für Senioren auf den Weg gebracht, dieser war allerdings nur als Übergangslösung gedacht, bis die neue Anlaufstelle ihren Betrieb aufnimmt.

In dieser, so der Plan, sollen Hilfesuchende eine wohnortnahe, umfassende und unabhängige Beratung zu allen Themen rund um die Pflege erhalten. Der Hauptsitz über der Raiffeisenbank am Ebersberger Marienplatz ist bereits bezugsfertig, auch drei weitere Standorte im Landkreis sind geplant: in den Bürgerzentren Vaterstetten und Glonn sowie im Bürgerhaus Poing.

Zumindest in einem Teilbereich des Hilfsangebots gibt es bereits jetzt konkrete Fortschritte. Unter anderem sollen sich Senioren in den Anlaufstellen auch über das Thema Wohnen informieren können. Bisher wurde dieses Beratungsangebot über die Caritas abgewickelt, nun aber stand zur Debatte, die Leistung in Eigenregie direkt in den Pflegestützpunkt zu integrieren. Davon aber rät die Landkreisverwaltung ab, denn man habe keine Erfahrungswerte zur zeitlichen Auslastung des künftigen Pflegeberaters. "Die Wohnberatung muss in den Pflegestützpunkt. Sie muss aber nicht in eigener Trägerschaft sein", sagte der Leiter des Teams Demografie, Jochen Specht.

Sein Vorschlag deshalb: Die Wohnberatung für Senioren bleibt weiterhin mindestens für die Jahre 2021 und 2022 in den Händen des Ebersberger Caritaszentrums, das sich aber zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Pflegestützpunkt verpflichten müsse. Das Gremium folgte dieser Lösung, zumal der Landkreis dadurch bares Geld spart. War man bei der ursprünglichen Kostenberechnung der Caritas aus dem Jahr 2017 noch von einem deutlich höheren Beratungsumfang ausgegangen, hat sich das inzwischen relativiert. Nach Kritik seitens der Politik an den zu hohen Kosten, hat die Caritas nun nachgebessert und ein günstigeres Angebot vorgelegt. Demnach wird die maximale jährliche Fördersumme des Landkreises für Wohnberatung von 17 100 auf 10 500 Euro sinken.

© SZ vom 08.07.2020/aju

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