Man muss es klar sagen: Es gäbe leichtere Stoffe. Doch an denen hat das Sendlinger Revolutionsensemble schlichtweg kein Interesse. In den Programmen der Münchner Truppe geht es stets um politische Irrwege, gescheiterte Utopien, um Unterdrückung und Krieg. Um die dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte.
Keimzelle des Ensembles war einst das Grafinger Gymnasium. Vier der sechs Mitglieder lernten sich dort in jungen Jahren kennen und schätzen, lauter kreative Köpfe, die allesamt in Sachen Theater, Musik und irgendwo dazwischen unterwegs waren. „Immer wieder haben wir zusammen Bühnenprojekte umgesetzt und so den Kontakt über Jahre gehalten“, erzählt Musiker Jakob Greithanner. Die Initialzündung für das Revolutionsensemble aber sei dann das Jubiläum der Bayerischen Räterepublik 2019 gewesen. „Da waren wir uns alle einig, dass es einen literarisch-musikalischen Abend dazu braucht!“
Also gingen Dominik Frank, Johanna Weiske, Thomas Schneider, David Roesner Lagao, Andreas Porsch und eben Jakob Greithanner auf die Suche nach Texten aus dieser gewaltvollen Zeit des Umbruchs und vertonten einige davon. Ein Konzept, das offenbar so gut funktionierte, dass es alsbald eine Fortsetzung fand: „Der lange Marsch ins ‚Dritte Reich‘“. Und nun ist das Ensemble noch mal weitergegangen in der Geschichte, sein neues Programm heißt „Leben unter Vorbehalt. Ein Rückzug ins Exil in Texten und Liedern“. Jetzt zu erleben unter anderem in der Glonner Schrottgalerie, die einen „unglaublich spannenden Abend“ ankündigt.
Im Fokus stehen die Jahre von 1933 bis 1946. „Und ich glaube, diesmal ist uns sogar ein etwas weniger trostloses Ende gelungen“, sagt Greithanner. Zu Beginn des Programms aber, als der Schriftsteller Christopher Isherwood ein letztes Mal durch Berlin zieht, steht die Welt kopf. „Hitler ist an der Macht. Die Straßen sind von braunen Schergen durchzogen, bald wird der Reichstag brennen und eine freiheitliche Gesellschaft in atemberaubendem Tempo in Trümmer geschlagen sein.“ Viele sind da bereits ins Exil gegangen, nach Frankreich, in die Schweiz, später in die Vereinigten Staaten.
Doch viele Kreative bleiben in Deutschland. Arbeiten weiter, schreiben, malen, drehen Filme. „Erich Kästner sieht die Verbrennung seiner Bücher mit eigenen Augen, später liefert er Drehbücher für die größten Kinoschlager.“ Ihm wird, wie vielen Daheimgebliebenen, später eine stille Mittäterschaft zugeschrieben. Die so Verdächtigten wiederum sprechen von innerer Emigration „und werfen denen, die ihren Ausweg im Exil gesucht haben, den Rückzug auf die sicheren Logenplätze vor“. Also: Welchen Weg möchte man gehen im Angesicht der Katastrophe? Das Sendlinger Revolutionsensemble „sucht Spuren in leise protestierenden Gedichten, Tagebüchern, Romanen und Liedern der Zeit“.
„Sendlinger Revolutionsensemble“ in der Glonner Schrottgalerie am Samstag, 28. März, um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, es kreist der Hut. Reservierung per Mail an reservierung@schrottgalerie.de.


