Biogas und Sonne Seit Januar gibt es den Ebersberger Landkreis-Öko-Strom

Das Windrad in Hamberg im Landkreis Ebersberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Der Strom vom "Eberwerk" wird ausschließlich innerhalb der Kreisgrenzen produziert - kaufen kann man ihn aber nicht nur in Ebersberg.

Von Anna Horst, Ebersberg

Wer sich in Ebersberg zum Jahreswechsel vorgenommen hat, in Zukunft mehr für die Umwelt zu tun und die Energiewende zu unterstützen, hat diesen Vorsatz möglicherweise schneller als gedacht erfüllt. Denn seit dem 1. Januar fließt in so manchem Ebersberger Haushalt "Eberstrom" - erzeugt durch erneuerbare Energien direkt im Landkreis. Sieben bis acht Biogasanlagen und das Hambacher Windrad bilden momentan das virtuelle Kraftwerk, genannt "Eberwerk", das den Ökostrom bündelt und ihn den Landkreisbewohnern zur Verfügung stellt.

"Der Start hat gut geklappt", verrät Markus Henle, Geschäftsführer des Eberwerks. Besonders bei Stromkunden, die sich mit der Energiewende in Ebersberg schon auseinandergesetzt hätten, sei die Nachfrage groß. Mit Glonn, Pliening und Poing nutzten auch schon drei Kommunen den regionalen Ökostrom für ihren öffentlichen Stromverbrauch. "Die drei werden natürlich gerade von den anderen genauestens beäugt", sagt Henle. Er hoffe, dass die drei Gemeinden als Vorreiter angesehen und schon bald noch mehr Eberstrom für den öffentlichen Raum bezogen werde.

Durch die Decke geschossen ist der neue Energievertreiber über die Silvesternacht aber nicht: "Das hat hier aber auch niemand erwartet", sagt Henle. Im Moment sei es noch eher ein Insiderkreis, der Eberstrom beziehe. Viele aktuelle Kunden unterstützten schon seit langem die Energiewende in Ebersberg und damit verbundene Projekte wie eben das Eberwerk.

Der nächste Schritt sei nun, das Marketing zu intensivieren und mehr Menschen von dem lokal erzeugten Ökostrom zu überzeugen. "Da sind wir im Moment noch etwas im Hintertreffen", sagt der Geschäftsführer. Immerhin ist die neu gestaltete Homepage seit kurzem online, sie bietet neben der Möglichkeit, den Anbieterwechsel im Internet zu beantragen, auch zahlreiche Hintergrundinformationen zum Projekt.

Neue Zielgruppe: "Schläferkunden"

Auch auf Infoveranstaltungen und Messen wolle sich das Eberwerk in Zukunft regelmäßig präsentieren, sagt Henle: "Wir sind zum Beispiel auf der Energie- und Baumesse in diesem Jahr, die ja vor allem von einem regionalen Publikum besucht wird, also unserer Zielgruppe", erklärt er.

Mit solchen Maßnahmen will das Eberwerk auch die "Schläferkunden", wie Henle sie nennt, erreichen: "Das sind die Stromkunden, für die der Anbieter nicht das wichtigste Thema ist und die sich deshalb noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben." Durch Kampagnen wolle man diese Zielgruppe auf die Besonderheiten des Eberwerks aufmerksam machen: Denn das Unternehmen sehe nicht nur als reiner Stromanbieter, sondern als ein Projekt, das die Energiewende im Landkreis entscheidend voranbringen wolle, so Henle.

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So solle unter anderem bald eine 100-Kilowatt-Fotovoltaik-Anlage bei Grafing zum Erzeugungs-Portfolio des Eberwerks gehören. Mit der Anlage könnten in Zukunft etwa 30 Haushalte versorgt werden. "Das ist nicht viel, aber uns geht es auch eher darum, den Menschen zu zeigen, dass wir die Energiewende durch solche Projekten tatkräftig unterstützen", erklärt Henle.

Dazu gehört auch, dass sich die Erzeugung des Eberstroms so weit wie möglich am tatsächlichen Bedarf des Landkreises orientiert. Deshalb kooperiert das Eberwerk mit dem Erzeugerverbund Regenerative Energie Ebersberg (Rege) und vergleicht dessen Produktion mit dem tatsächlichen Verbrauch der Eberwerk-Kunden.

"Sonst kommt der Strom nur wieder aus irgendwelchen Kohlewerken"

Um die Flexibilisierung der Erzeugung technisch zu ermöglichen, wurde nun eine der Biogasanlagen mit einem zweiten Motor und einem Speicher ausgestattet. Doch Henle zufolge wird die Produktion nur in seltensten Fällen heruntergeschaltet. "Energiewirtschaftlich gesehen ist es sinnvoller, überschüssigen Strom zu verkaufen und in das öffentliche Netz einzuspeisen", erklärt Henle.

Indem das Eberwerk seinen Ökostrom auch außerhalb des Landkreises zur Verfügung stellte, beteiligte es sich außerdem an der bundesweiten Energiewende. "Wenn Unternehmen wie wir unseren Strom nicht verkaufen, kommt er nur wieder aus irgendwelchen Kohlewerken", sagt Henle.

Zu den Projekten des Eberwerks gehört außerdem die Förderung der E-Mobilität. Zehn Ladesäulen sind im Landkreis geplant. In Markt Schwaben sei die erste Anlage bereits installiert und solle ab März öffentlich zur Verfügung stehen, so Henle. Den genauen Standort der Station will er aber noch nicht verraten, auch nicht die zweier weiterer Lademöglichkeiten, deren Planung schon fortgeschritten sei - falls irgendetwas doch nicht klappt.

"Nur so viel: Grundsätzlich handelt es sich um halböffentliche Säulen", so Henle. Demnach sollen lokale Firmen auf ihrem Gelände Ladestationen sowohl für Mitarbeiter als auch für Firmenfremde zur Verfügung stellen. Der Bau von zusätzlichen Stellplätzen entfalle dabei, da oft bereits öffentlich zugängliche Parkplätze zur Verfügung stehen würden.

"Es gibt aber immer wieder Hindernisse, was das Ganze leider recht langwierig macht", erklärt der Geschäftsführer des Eberwerks. Ein wichtiger Punkt sei das Bezahlsystem der Stationen, das flexibel und möglichst einfach gestaltet sein solle. "Kontaktloses Bezahlen per EC-Karte ist das Mittel unserer Wahl", sagt Henle.

Allerdings arbeiteten die meisten Hersteller von Ladesäulen mit einer Hardware, die das nicht zulasse. Bereits vorhandene Stationen, die das Eberswerk übernehmen möchte, müssen also aufgerüstet werden und auch die Bestellung von neuen Säulen nimmt einige Zeit in Anspruch. Bis spätestens Ende des Jahres hofft Henle aber insgesamt drei bis fünf vom Eberwerk betriebenen Säulen in Betrieb nehmen zu können.

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