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Glonn bei München:Trauer um Biofleisch-Pionier Schweisfurth

Mit Hut, Schal und Stock, so kannte man ihn: Karl Ludwig Schweisfurth in Glonn bei den Herrmannsdorfer Landwerkstätten.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

"Wir nehmen den Tieren das Leben, darum ist es uns eine ethische Pflicht, ihnen ein gutes Leben zu geben" - das war der Leitspruch von Karl Ludwig Schweisfurth. Nun ist der Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten im Alter von 89 Jahren verstorben.

Karl Ludwig Schweisfurth, der Gründer der Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn bei München, ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Das hat seine Familie am Sonntag mitgeteilt. Schweisfurth gilt als ein Pionier der ökologischen Lebensmittelherstellung. "Er hatte bis zum Ende in Herrmannsdorf mit seinen Freunden und seiner Familie ein gesundes und gutes Leben", heißt es in der Mitteilung. "Hier hat er in den vergangenen Jahrzehnten gewirkt und einen Leuchtturm für eine zukunftsgerechte Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft erbaut, der weit über Deutschland hinaus bekannt wurde." Gestorben ist Schweisfurth den Angaben zufolge in der Nacht von Freitag auf Samstag.

Mit Ökologie verband man den Namen des gelernten Metzgers nicht immer. In den Fünfziger- und Sechzigerjahren baute er die Ladenmetzgerei seiner Familie zum damals größten fleischverarbeitenden Unternehmen Europas aus: die bis heute bekannte Marke Herta mit Sitz in Herten in Nordrhein-Westfalen. Zehntausende Schweine und Rinder wurden dort verarbeitet - pro Woche. 1984 verkaufte Schweisfurth Herta an den Nestlé-Konzern.

Von da an widmete er sich Fragen des Tierwohls und der ökologischen Lebensmittelherstellung. "Wir nehmen den Tieren das Leben, darum ist es uns eine ethische Pflicht, ihnen ein gutes Leben zu geben", das sagte er fortan immer wieder. Mit 55 Jahren fing Schweisfurth in Herrmannsdorf und mit seiner gleichzeitig gegründeten Schweisfurth-Stiftung in München noch einmal ganz von vorne an. Er sei "für uns alle immer der Mahner, aber auch der Reformer" gewesen, schreibt seine Familie.

Die Herrmansdorfer Landwerkstätten vor den Toren Münchens entwickelten sich schnell zum Vorzeigebetrieb. Bilder von Schweinen, die sich anscheinend zufrieden im tiefen Schlamm suhlten, verfehlten ihre Wirkung nicht. Daran konnten auch gelegentliche Vorwürfe nichts ändern, dass auch in Glonn Antibiotika eingesetzt und die Schweine möglicherweise doch nicht durchgehend optimal gehalten würden. Immer wieder kamen hochrangige Besucher nach Glonn, zuletzt im Mai vergangenen Jahres der britische Thronfolger Charles, selbst ein Verfechter des ökologischen Landbaus.

© SZ.de/kmp/sim/kast
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