SchulwegsicherheitWenn Eltern nicht merken, dass sie Teil des Problems sind

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Polizeibeamte kontrollieren in der Baldestraße, ob sich Autofahrer an die neue Verkehrsregelung vor den Ebersberger Schulen halten. Auf kostenpflichtige Verwarnungen haben sie bisher allerdings verzichtet.
Polizeibeamte kontrollieren in der Baldestraße, ob sich Autofahrer an die neue Verkehrsregelung vor den Ebersberger Schulen halten. Auf kostenpflichtige Verwarnungen haben sie bisher allerdings verzichtet. (Foto: Barbara Mooser)
  • Seit 8. Dezember gelten in Ebersberg temporäre Zufahrtsverbote zu den Schulen. Bislang ignorieren viele Eltern die Schilder allerdings.
  • Andere Gemeinden im Münchner Umland berichten von unterschiedlichen Erfahrungen bei dem Versuch, Elterntaxis auszusperren.
  • Immer wieder kontrolliert auch die Polizei, ob Zufahrtsbeschränkungen eingehalten werden. Oft bekommen sie dabei von den Eltern Ausreden zu hören.
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Immer wieder suchen Kommunen nach Strategien, das Verkehrschaos rund um Schulen zu beseitigen. Mit wechselndem Erfolg – und frustrierenden Erlebnissen.

Von Barbara Mooser und Iris Hilberth

Wenn es um die Sicherheit ihrer Kinder geht, sind viele Eltern mit großer Leidenschaft bei der Sache: Sie kämpfen für Spielstraßen, neue Zebrastreifen, Tempolimits. Doch manchmal seien Eltern gerade Teil des Problems, sagt Ebersbergs Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos): „Leider begreifen das viele aber nicht.“ Es geht um das alltägliche Verkehrschaos vor Schulen, um Eltern, die direkt vor dem Schulhaus halten, gefährliche Wendemanöver veranstalten oder die Straßen zuparken, kurz: um die Elterntaxis.

Vermutlich gibt es keine Gemeinde, die dieses Problem gar nicht kennt, immer wieder werden Anläufe unternommen, Eltern zu der Einsicht zu bewegen, dass sie ihre Kinder zu Fuß zur Schule schicken sollen. Zuletzt hat sich Ebersberg an einen neuen Versuch gemacht, die Elterntaxis durch eine Kiss&Go-Zone sowie temporäre Zufahrtsverbote auszubremsen – mit bisher durchwachsenem Erfolg.

Autos dürfen zu bestimmten Zeiten nicht bis zu den Ebersberger Schulen durchfahren. Noch allerdings werden die Schilder gern ignoriert.
Autos dürfen zu bestimmten Zeiten nicht bis zu den Ebersberger Schulen durchfahren. Noch allerdings werden die Schilder gern ignoriert. (Foto: Barbara Mooser)

Seit 8. Dezember sind die Zufahrtsstraßen rund um die Grund- und Mittelschule für Autofahrer zwischen 7.30 und 8.15 Uhr sowie von 13 bis 13.30 Uhr tabu. Nur Schulbusse, Einsatzfahrzeuge, Ver- und Entsorgungsfahrzeuge sowie Anwohner dürfen durchfahren. In den ersten Tagen der neuen Regelung, die vorerst ein halbes Jahr gelten soll, war durchaus etwas weniger los als sonst. Polizeistreifen belehrten Eltern, die sich dennoch mit dem Auto auf den Weg zu den Schulen machten, freundlich und ließen sie umkehren. Kostenpflichtige Verwarnungen gab es bisher nicht, teilt Andreas Petermeier, Chef der Polizeiinspektion Ebersberg, auf Anfrage mit. Das heißt aber nicht, dass das so bleibt: Nach den Weihnachtsferien werde man sicher wieder bei den Schulen vorbeischauen und es womöglich nicht nur bei mündlichen Verwarnungen belassen, sagt Petermeier.

Manches könne wahrscheinlich wirklich nur über den Geldbeutel verändert werden, sagt der Bürgermeister, der ebenso wie der Schulleiter bislang keine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation festgestellt hat. „Das grundlegende Problem ist, dass Verkehrsschilder und Hinweise maximal als gut gemeinte Empfehlung gesehen werden“, sagt Proske. Zwar habe sich die Verkehrssituation in den ersten Tagen etwas verbessert, inzwischen führen viele Eltern aber die Schulen wieder direkt an. Dabei, sagt der Bürgermeister, könne er persönlich nicht nachvollziehen, warum es so schlimm sein soll, wenn Kinder fünf Minuten zu Fuß zur Schule gehen sollen – selbst dann, wenn die Schule auf dem Arbeitsweg der Eltern liege.  Jetzt will die Stadt nochmals umfassend über die Neuregelung informieren, vielleicht auch die Eltern noch mal anschreiben und die Polizei um Unterstützung bitten – Bilanz gezogen wird dann im Frühsommer.

In Geretsried ist die Situation entspannter als früher

Auch in anderen Gemeinden versucht man mit unterschiedlichen Mitteln, in die Straßen rund um die Schulen etwas Ruhe hereinzubringen. Dabei gibt es auch Erfolgsgeschichten, von so einer erzählt jedenfalls Thomas Loibl, Sprecher der Stadt Geretsried. Ein 2019 beschlossenes Konzept habe sich „eindeutig bewährt“, sagt er. Neue Querungshilfen und verbesserte Schulwegpläne gehören ebenso dazu wie Hol- und Bringzonen in der Nähe der Grundschulen, die riskante Wende- und Haltemanöver verringern sollen. Die Rückmeldungen der Schulen, der Busunternehmen und der Polizei seien positiv, „wir sind sehr froh“, so Loibl.

Der Utzweg in Unterhaching. Seit bei einem Unfall eine Seniorin getötet wurde, dürfen nur noch Lehrer und Anwohner hier durchfahren.
Der Utzweg in Unterhaching. Seit bei einem Unfall eine Seniorin getötet wurde, dürfen nur noch Lehrer und Anwohner hier durchfahren. (Foto: Sebastian Gabriel)

Nicht ganz so positiv ist die Bilanz für Unterhaching. Hier wurden wohl für keine andere Straße schon so viele Umbaupläne entwickelt wie für den Utzweg. Dort befindet sich die große Sportarena, das Lise-Meitner-Gymnasium und eine Grundschule. Und weil der Utzweg sehr schmal ist und in die Jahnstraße mündet, eine Sackgasse, ist ein Verkehrschaos zu Schulbeginn und -ende kaum zu verhindern. Elterntaxis gibt es überall, auch in Unterhaching halfen weder Schüler-Demos noch Aufklärungsaktionen der Schule, Polizei und Gemeinde, dieses Problem zu lösen. Machbarkeitsstudien der Bundeswehr-Uni und die Idee, den Rad- und Fußverkehr über komplizierte Rampen an den gefährlichen Punkten vorbeizuschleusen, waren entweder zu teuer oder irgendwie auch absurd. Bis mal was passiert, mahnten die Kritiker der ständigen Vertagung einer wirklichen Lösung.

Dann gab es tatsächlich einen Unfall. Zwar ereignete der sich zu einem Zeitpunkt, als die Schüler und Schülerinnen längst in ihren Klassenzimmern saßen und hatte auch nichts mit Elterntaxis zu tun. Ein Paketausfahrer hatte im Oktober 2023 beim Rangieren eine Seniorin angefahren und tödlich verletzt. Der Gemeinderat reagierte und machte den Utzweg für viele Autofahrer dicht. Seither dürfen nur noch Lehrer und Anwohner die Zufahrt zu den Schulen nutzen. Alle anderen werden auf den Parkplatz östlich der Sporthalle geleitet, wo Eltern ihre Kinder aussteigen lassen können.

Jedoch ist das Problem, dass Elterntaxis die Fußgänger und Radfahrer auf ihrem Weg zur Schule gefährden, immer noch nicht ganz gelöst. Denn um auf den Parkplatz zu gelangen und dort zu wenden, überqueren die Fahrzeuge einen Radweg. Und weil viele auf dem kurzen Stück zwischen der großen Kreuzung an der Hauptstraße und dem Parkplatz kräftig Gas geben, hat der Gemeinderat im November beschlossen, hier Bodenschwellen zu installieren. Zudem wird ein Querparkplatz gesperrt und mit einer Topfbepflanzung versehen, um die Einsicht in den Kreuzungsbereich zu verbessern und es werden Piktogramme „gemeinsam mit Rücksicht“ auf die Fahrbahn angebracht.

Es gibt allerdings immer noch Eltern, die das Durchfahrtverbot am Utzweg ignorieren und ihre Kinder direkt vor die Schultür fahren. Sobald aber die Baustelle zur Erweiterung des Gymnasiums abgeschlossen ist, will die Gemeinde eine Videoschranke installieren.

In Garching ist die Schulwegsicherheit ebenfalls ein Dauerthema, hier gab es sogar schon Demonstrationen für mehr Verkehrssicherheit. Zu Beginn des Schuljahres hat die Stadt gemeinsam mit der Polizei und den Schulen mehrere Maßnahmen umgesetzt, dazu zählt die Auffrischung der Markierungen an Fußgängerüberwegen, neue Geschwindigkeitssensoren und eine neue Hol- und Bringzone an der Poststraße für die Grundschule West und die Max-Mannheimer-Mittelschule. An der Grundschule West wurde die Zone ausgebaut, in der die Eltern ihre Kinder aus dem Auto lassen können. Zudem sollen mehr Schulweghelferinnen und -helfer eingesetzt werden.

Auch an der Grundschule Süd in Puchheim bringen Eltern ihre Kinder gern direkt bis vor die Schultür – hier im März 2025.
Auch an der Grundschule Süd in Puchheim bringen Eltern ihre Kinder gern direkt bis vor die Schultür – hier im März 2025. (Foto: Carmen Voxbrunner)

Auch die Polizei ist immer wieder gefordert, Elterntaxis Einhalt zu gebieten. Im Frühjahr etwa gab es eine größere Kontrollaktion in Germering und Puchheim, auch einige Strafzettel wurden dabei verteilt. Man habe aber das ganze Schuljahr über ein Auge auf die Situation, sagt Sabine Hochholdinger, die bei der Germeringer Polizei für den Bereich Verkehr zuständig ist. Oft allerdings biete sich das gleiche Bild: Die Beschilderung werde von Eltern einfach ignoriert. „Wenn man sie dann anspricht, sagen viele, sie halten doch nur kurz, haben es nur ausnahmsweise so eilig gehabt, machen so was sonst nie – schon komisch, wie viele Leute man in Ausnahmesituationen erwischt“, sagt Hochholdinger. Freilich gebe es auch Eltern, die sich bei Kontrollen einsichtig zeigten. Gelegentlich hätten Eltern tatsächlich einen sehr guten Grund, mit dem Auto vorzufahren: etwa, wenn das Kind ein gebrochenes Bein habe. „Dann lassen wir auch mal Fünfe gerade sein“, sagt die Verkehrsexpertin.

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