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Abschied von Simone Fleischmann:Eine Schule sagt Pfüadi

"Ein bisschen traurig bin ich schon ": Die Grund- und Mittelschüler verabschieden ihre Rektorin Simone Fleischmann, die sich nun ganz ihrer Aufgabe als BLLV-Präsidentin widmen wird.

Simone Fleischmann, umringt von ihren Schülern.

Ein bisschen habe es sie dann doch "innerlich geschüttelt", musste Simone Fleischmann nach fast eineinhalb Stunden Programm in der Poinger Dreifachturnhalle zugeben. Ganz ehrlich: Alles andere wäre verwunderlich gewesen, denn die etwa 750 Grund- und Mittelschüler haben ein tolle Mischung aus Musik, Theater und Tanz auf die Bühne gezaubert. Sie zeigten damit nicht nur, wie ungern sie ihre Rektorin als neue Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) ziehen lassen, sie sagten ganz offen: "Stay!"

Simone Fleischmann leitet die Poinger Grund- und Mittelschule seit acht Jahren, ebenso lange steht sie an der Spitze der Abteilung Berufswissenschaften im BLLV. Sie hat die Poinger Schule in dieser Zeit zweifellos geprägt, auch den Namen Anni Pickert-Schule bekam sie in Fleischmanns Amtszeit.

Das Miteinander von Schulanfängern und Schulabsolventen war ihr immer wichtig. Es sollte sich jeder als Teil einer Schule empfinden, die sich selbst eine Form gibt. Und das in Poing, wo es zahlreiche Familien gibt, die nur für ein paar Jahre bleiben. Integration war Fleischmann immer wichtig, nicht zuletzt darum auch war sie von der Idee einer bilingualen Klasse im Modell begeistert.

Doch im Vordergrund stand immer das Miteinander, so gibt es an ihrer Schule einen Benimm-Song und strenge Verhaltensregeln - Fleischmann selbst kontrollierte diese morgens vor Unterrichtsbeginn. In einer nachgespielten Szene der Klasse 8b flötet sie den stumm vorüberziehenden Schülern unermüdlich ein fröhliches "Guten Morgen" entgegen, ermahnt, die Handys auszuschalten und die Kappies abzunehmen.

Die Klasse 8b war es auch, die Fleischmann ein Abschlusszeugnis überreichte. Ausschließlich Einser und Zweier hatten die Schüler ihr in den Fächern "Stolz auf die Schule", Genauigkeit und Fotogenität gegeben. Lediglich für ihre Strenge bekam sie eine Drei. Unterschrieben hatte das Zeugnis die Mutter von Simone Fleischmann. Die Schülersprecher übergaben ihr schließlich ein Poesiealbum, in dem sich alle Schüler mit ihrem "Lieblingsmoment" und Wünschen von Fleischmann verabschiedet haben.

Dort wird sie Sätze lesen wie "Das beste Erlebnis war, wie Du mit uns Schmarrn beim Mittagessen gemacht hast" oder "wie Du uns mit ins Lehrerzimmer genommen hast, als uns einmal unsere Lehrerin vergessen hat". Was die Schüler ihrer Rektorin wünschen? Glück und Gesundheit, Erfolg im neuen Job aber auch eine fleißige Sekretärin und leckere Pausenbrote.

Fleischmann wurde im Mai mit 88,7 Prozent der Stimmen als erste Frau an die Spitze des BLLV gewählt. Sie kündigte an, der Politik die Grenzen des Schulsystems aufzeigen zu wollen. Fleischmann fordert zwei Lehrkräfte pro Klasse, eine Entschleunigung des Schulalltags. Gerade weil sie den Schulalltag so gut kennt, will sie nun politisch arbeiten und den Finger in die Wunde legen. "Ich habe es mir ja selbst ausgesucht zu gehen", sagte sie am Freitag zu den Kindern, deshalb sei der Abschied nicht gar so schwer. "Ein bisschen traurig bin ich aber schon auch, Euch zu verlassen. Ich werde Euch immer im Sinn haben", versprach sie.

Dann tanzte sie mit den Zweitklässlern hopsend über die Bühne. Fleischmann hat diesen Spagat von der knallharten Interessensvertretung zur verständigen Pädagogin in all den 25 Jahren BLLV-Aktivität scheinbar mit Leichtigkeit vollbracht. Der Schulchor besang sie nicht umsonst als "Powerfrau", die immer im Job sei und niemals blau mache - "wie sie's schafft, wissen wir nicht genau". Doch in einem waren sich die Kinder und Jugendlichen sicher: "Frau Fleischmann, wir halten Sie fit. Am besten, Sie nehmen uns mit!"

Die Feier in der Sporthalle bildete den Auftakt eines Feiermarathons. Am Nachmittag schloss sich das Sommerfest des Elternbeirats an, am Abend eine Abschiedsparty für die Lehrer und geladene Gäste von der Gemeinde und den umliegenden Schulen. Dort revanchierte sich Fleischmann dann für die Unterstützung aus dem Kollegium beim Schulquiz der Schüler. Die Lehrer hatten ihr immer wieder eingesagt.