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Schrottgalerie Glonn:Fans retten Bühne

Glonn Schrottgalerie Götz Hünnemeier, Zither Manä und Valerie McCleary, Dr. Will & The Wizards

Abstand halten? In der kleinen Schrottgalerie absolut unmöglich, aber genau deshalb wird die Glonner Bühne von vielen Musikliebhabern so geschätzt. Eines der jüngsten Konzerthighlights war der Auftritt von "Dr. Will & The Wizards", nun ist er in einem neuen Video zu sehen.

(Foto: Susi Nücke/oh)

Das Team der unabhängigen Kultureinrichtung hat um Spenden gebeten - und ist überwältigt von der großen Resonanz. Zum Dank gibt es einen Zusammenschnitt vergangener Konzerte

Einfach überwältigend". So sei die Resonanz auf den Spendenaufruf der Schrottgalerie, sagt deren Mitbegründer Hanno Größl. Und zwar nicht nur finanziell, sondern auch emotional: "Vor allem Eure Wünsche haben uns sehr oft mit einem Kloß im Hals vor dem Bildschirm sitzen lassen. Ihr fehlt uns!", schreibt das Team in seinem neuesten Newsletter an die Freunde der Schrottgalerie Friedel.

Die Glonner Kleinkunstbühne ist wie viele Kulturinstitutionen wegen der Corona-Pandemie derzeit geschlossen - und ernsthaft in ihrer Existenz bedroht. Vor allem, weil die Schrottgalerie etwas anders strukturiert ist als andere Bühnen: Sie wurde vor 20 Jahren als gänzlich freies, unabhängiges Projekt gegründet, "von einem kleinen Haufen Verrückter", sagt Größl und lacht. Hinter der Musikstätte steht bis heute kein Verein, keine Kommune, nicht einmal ein Gewerbe wurde angemeldet. Die Schrottgalerie basiert alleine auf Spenden: Der Eintritt ist frei, die Gäste geben etwas in den Hut für die Künstler und einen gewissen Betrag für ihre Getränke, die zur Selbstbedienung bereitstehen. Doch dieses Konzept der Freiwilligkeit funktionierte bislang offenbar sehr gut. Die Schrottgalerie "trägt sich eigentlich selbst", sagt Größl. Bei zwei bis drei Konzerten pro Wochenende komme genug zusammen, um die Kosten zu decken.

Doch nun, da alle Veranstaltungen bis mindestens Ende April abgesagt sind, bricht das System natürlich zusammen. Denn die Ausgaben wie Miete und Nebenkosten laufen ja weiter. Und wer weiß schon, wie lange die Einnahmen noch ausbleiben werden? Staatliche Nothilfe aber könne man für die Bühne nicht beantragen, so Größl, schließlich verdiene niemand etwas an ihr, keiner der "Veranstalter" sei in seiner Existenz von den Konzerten abhängig.

Deswegen haben sich Hanno Größl, Sven Friedel und Co. dazu entschlossen, in der Not an ihr Publikum heranzutreten. "Das war für uns der naheliegende Weg - und wie sich jetzt gezeigt hat, auch der absolut richtige." Denn die Spendenbereitschaft der treuen Fans habe sich als sehr groß erwiesen. Besonders hervorzuheben sei da zum Beispiel Rudi Schwaiger, Stammgast und Chef der Glonner Firma Brunner: Er habe mit dem Vermieter einen Deal ausgehandelt und drei Monatsmieten übernommen. "Das hilft uns natürlich ganz unglaublich", sagt Größl.

Aber auch über enorm viel Zuspruch dürfen sich die Macher der Schrottgalerie derzeit freuen. Auf der Homepage der Bühne haben sie einen Spendenbutton eingerichtet, über den Unterstützer nicht nur Geld, sondern auch ein Feedback übermitteln können. "Dadurch bekommen wir momentan noch mehr zurück als normalerweise schon", sagt Größl, "weil wir einfach spüren, wie wichtig den Leuten die Schrottgalerie ist. Grundtenor der Reaktionen ist, dass es sehr wertvoll sei, was wir da geschaffen haben, und dass das nicht aufhören darf. Da muss man dann beim Lesen schon auch mal schlucken."

Auch als kleines Dankeschön stellt die Schrottgalerie nun zudem ein Video zur Verfügung, ein Zusammenschnitt aus vergangenen Konzerten, so dass man sich die schönsten Momente noch einmal ins Gedächtnis rufen kann. Susi und Hans Nücke aus München, die mittlerweile nicht mehr nur Stammgäste, sondern als Onlinebeauftragte Teil des Teams sind, haben schon lange zahlreiche Konzerte gefilmt. So sei ein toller Fundus an Mitschnitten entstanden, erklärt Größl, aus dem man nun schöpfen könne. Daher sei geplant, den Fans die Zeit des Wartens immer wieder mit Bewegtbildern zu versüßen.

Denn fest steht: Sowohl die Macher, als auch die Gäste der Glonner Schrottgalerie freuen sich schon sehr darauf, wenn diese ganz besondere Bühne wieder ihre Pforte öffnen darf. Wann das sein wird, steht freilich noch in den Sternen, wie so vieles. Momentan ist die Schließung nur bis Ende April festgesetzt. Man wolle von Monat zu Monat entscheiden, sagt Größl, um aktuell reagieren zu können und auch, um mit den Freunden der Bühne in Kontakt zu bleiben. "Wir werden einfach immer wieder was von uns hören lassen", sagt er und lacht. Dass die Schrottgalerie ein neues Konzept erfindet, konform mit den Abstandsregeln der Corona-Zeit, ist indes eher unwahrscheinlich. "Bei uns ist es einfach eng und kuschelig", sagt Größl, "und das soll auch genau so sein."

© SZ vom 16.04.2020
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