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Schlossbrauerei:Schlossbrauerei Ebersberg: Comeback zum 619. Geburtstag

Die Ahnenreihe der Schlossbiere: Ganz links das neue Flaschen-Design, daneben diverse Vorentwürfe und auf der rechten Seite historische Flaschen.

(Foto: Christian Endt, Fotografie & Lic)

Genau 619 Jahre nach ihrer ersten urkundlichen Erwähnung steht in Ebersberg eine exklusive Bier-Renaissance an. Gebraut wird aber zunächst woanders.

Zu einem Jahrestag wird ja gerne einmal angestoßen, auch wenn es kein ganz runder ist. Genau das können die Ebersberger am 21. September tun, dann ist es genau 619 Jahre her, dass in der heutigen Kreisstadt eine Brauerei das erste Mal urkundlich erwähnt worden ist. Zwar wurde diese Brauerei bereits vor 45 Jahren stillgelegt, zum Geburtstag soll das Ebersberger Schlossbräu aber wieder zurückkehren.

Bereits Ende August hatte Sebastian Otter entsprechende Pläne bekanntgegeben. Nun stellten er, seine Frau Tanja Gronde, seine Brüder Gerd und Martin, dessen Frau Monika sowie Neffe Franz vor, wie sie sich die Wiederauferstehung der Schlossbrauerei vorstellen. Die immerhin seit 1901 in Familienbesitz ist, seit Urgroßvater Hermann Schmederer sie erwarb und in den 1920ern modernisieren ließ. Zeitweise galt sie als die fortschrittlichste ihrer Art, sagt Martin Otter. Ein halbes Jahrhundert später wäre erneut eine Modernisierung und vielleicht auch der Umzug in einen Neubau nötig gewesen. Dies habe sich damals aber als nicht finanzierbar herausgestellt, weshalb die Brauerei nach 574 Jahren den Betrieb einstellte.

Was seitdem von vielen Ebersbergern bedauert wird, darunter auch die Eigentümer des alten Brauhauses, sagt Martin Otter. Immer wieder habe es Überlegungen gegeben, den Standort wiederzubeleben oder wenigstens die Marke Schlossbräu zurückzubringen. Und genau dafür sei nun der richtige Zeitpunkt, sagt Sebastian Otter, der sich seit einigen Jahren mit der Bierproduktion beschäftigt - wenn auch in überschaubarem Maß. "Wir haben in unserer Küche mit dem Bierbrauen angefangen", sagt der gelernte Buchhändler, der sich vergangenes Jahr zum Biersommelier weitergebildet hat. Vor zehn oder 15 Jahren wäre das Vorhaben, das Schlossbräu wiederzubringen, deutlich schwieriger gewesen, inzwischen gäbe es aber "Brauereien, die für so etwas offen sind."

200 Kästen Bier sind bereits gebraut

Denn das war von Anfang an klar: die alte Brauerei würde auf absehbare Zeit nicht wieder den Betrieb aufnehmen. Zwar gibt es seit Jahrzehnten immer wieder Ideen, was aus dem Gebäude werden soll, Büros und Wohnungen waren schon im Gespräch, genau wie eine Gaststätte. In eine solche auch eine Brauerei einzubauen, "läge natürlich auf der Hand", sagt Martin Otter, warum es bis auf weiteres weder das eine noch das andere geben wird, erklärt sein Bruder Gerd, von Beruf Architekt.

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So sei das Gebäude eben alt und stehe unter Denkmalschutz, zudem gelte es für eine Nutzung als Gasthaus bestimmte Vorgaben zu erfüllen, etwa was Brandschutz angeht. Dies alles unter einen Hut zu bringen, sei nicht einfach, weshalb man zwar gerne eine Brauereigaststätte aufmachen, aber auch keine falschen Hoffnungen wecken möchte. "Ideen haben wir schon einen ganzen Haufen, jetzt sind die Architekten dabei, die Konzepte zu prüfen", sagt Martin Otter.

Bis also das Ebersberger Bier wieder wirklich in Ebersberg gebraut werden kann, sind die Otters auf andere Brautstätten angewiesen. Die ersten beiden Chargen, die vom 21. September an in der Kreisstadt - und zwar nur dort - verkauft werden sollen, stammen aus Truchtlaching in der Gemeinde Seeon (Landkreis Traunstein). Dort betreibt die Firma Camba Bavaria eine ihrer Brauereien, die kleine Labels, wie das Schlossbräu, nutzen können.

Um die 20 Hektoliter Helles - genauer will die Schlossbrauerei es nicht sagen - seien bereits gebraut, was 200 Kästen Bier entspricht. Geschmacklich soll sich das neue am alten Schlossbräu orientieren, sagt Sebastian Otter, man nutze die Originalrezepte von damals. Allerdings mit den Zutaten, den Brauverfahren und der Technik von heute. Ganz so wie vor einem halben Jahrhundert werde das Klosterbräu also wohl nicht so schmecken - zumal damals bei den kleinen Brauereien auch nicht jede Charge gleich geschmeckt habe, zu groß seien die Variationen etwa bei den Hopfensorten gewesen.

Ähnlich aber nicht gleich präsentiert sich das Schlossbräu auch in seiner Verpackung: Die Etiketten auf den Bierflaschen zeigen wie vor 50 Jahren das Schloss mit der Kirche, auch die Stadtfarben weiß und grün habe man beibehalten, sagt Franz Otter, genau wie das Ebersberger Wappen und die Jahreszahl 1400. Immerhin soll man ja sehen, wann die Schlossbrauerei Geburtstag hat.

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