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Schloss Falkenberg:Wo der Pappenheimer wohnte

Den beliebten Biergarten Falkenberg kennt fast jeder im Landkreis, das daneben liegende Schloss fast niemand.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)
  • Die Wittelsbacher ließen im frühen zwölften Jahrhundert in Falkenberg eine Burg errichten, auf deren Ruinen das spätere Schloss entstand.
  • In den 436 Jahren seines Bestehens wurde das Schloss insgesamt 18 Mal verkauft, alleine zwölf Mal in den vergangenen 200 Jahren, nur acht Mal wurde es vererbt
  • Viele Münchner kennen heute den Biergarten, nicht aber das Schloss.

Von Wieland Bögel, Moosach

Diese Aussicht! Dafür ist Falkenberg bekannt und berühmt. Als Synonym für Falkenberg gilt meist der dortige Biergarten, in dem sich sommers der eine oder andere Radler die eine oder andere Radlermass schmecken und dabei den Blick weit über Felder, Wiesen und Wälder schweifen lässt. Nicht jedem bekannt ist dagegen, dass es außer dem Biergarten in Falkenberg - und nur wenige Meter davon entfernt - auch noch ein Schloss gibt. Und auch dass es dieses gibt, hängt mit der Aussicht zusammen.

Denn diese war es wohl, warum die Wittelsbacher im frühen zwölften Jahrhundert, noch bevor sie 1180 zu bayerischen Herzögen aufstiegen, in Falkenberg eine Burg errichten ließen. Die heute von den Ausflüglern so geschätzte Ästhetik dürfte für die neuen Burgherren allerdings eher zweitrangig gewesen sein, sie schätzten die Aussicht wohl mehr aus strategischen Gründen. Genutzt hat es letztlich nichts, spätestens zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde die Burg zerstört. Im Jahr 1578 entstand dann auf ihren Ruinen das Schloss Falkenberg, wie es im Wesentlichen bis heute zu sehen ist.

Schloss Falkenberg

Das Schloss Falkenberg in einer Zeichnung des im Jahr 2000 verstorbenen Moosacher Künstlers Oskar Mayer.

(Foto: Dorfarchiv Moosach/oh)

Sehr intensiv mit der Geschichte Falkenbergs beschäftigt hat sich Peter Maicher. Bereits vor einem Vierteljahrhundert hat der inzwischen pensionierte Direktor des Bayerischen Landtages in einem Beitrag für die Moosacher Chronik zum 1200. Gemeindegeburtstag das Schloss und seine vielen Besitzer vorgestellt. Für die Neuauflage des Moosacher Heimatbuches, das im November erscheint, hat sich Maicher erneut auf die Suche nach den Geheimnissen Falkenbergs begeben.

Zwischen 1120 und 1160 wurde das Schloss fertig

Diese beginnen bereits mit der Erbauung der Burg, deren genauer Zeitpunkt genau wie der Auftraggeber für das Vorhaben nicht überliefert ist. Laut Maicher wurde die Burg in den Jahren zwischen 1120 und 1160 fertig, Bauherr war damit entweder der spätere Herzog Otto oder dessen Vater Pfalzgraf Otto. Erstmals urkundlich erwähnt wird Burg Falkenberg dann im Jahr 1167 - in einem Dokument, das in Jerusalem entstand. Denn der erste Burghauptmann Osrich von Falkenberg hatte seine Herrn, die Wittelsbacher Brüder Otto und Friedrich auf einen Kreuzzug begleitet, den jene, so vermutet es Maicher, unternahmen, um nicht in den Krieg zwischen Kaiser Barbarossa und dem Papst hineingezogen zu werden.

Doch nicht nur geschickte Diplomatie war der Grund, dass ein Wittelsbacher 13 Jahre später zum bayerischen Herzog wurde, sondern lange Vorbereitung. Gerade an Falkenberg zeigt sich das strategische Geschick der Familie, erklärt Maicher. Denn anders als der genaue Zeitpunkt ihrer Fertigstellung ist am Zweck der Burg überhaupt nichts unklar: Dank seiner guter Lage war Falkenberg "eine Hauptburg gegen die Ansprüche des Bischofs von Freising", auf dessen Land die Burg im Übrigen von den Wittelsbachern errichtet wurde, so Maicher weiter. Aber auch gegen andere Konkurrenten, wie die Grafen von Valley, deren Herrschaftsbereich im Hochmittelalter von der Mangfall bis zur Moosach reicht und die auch in Glonn aktiv sind, war eine Burg wie Falkenberg sicher nützlich. Mehr als ein Jahrhundert lang war Burg Falkenberg Gerichtssitz und Verwaltungszentrum der Wittelsbacher für mehr als 40 Ortschaften in der Umgebung.

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