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Schloss Elkofen bei Grafing:1000 Jahre überstanden

Graf von Rechberg ist der Eigentümer von Schloss Elkofen.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)
  • Schloss Elkofen bei Grafing blickt auf eine tausendjährige Geschichte zurück.
  • Ursprünglich wurde die Burg zum Schutz vor den Ungarn errichtet.
  • Heute ist vor allem die Erhaltung der Bausubstanz eine große Herausforderung.

Grafinger Schulkinder lernen im Heimatkundeunterricht eine spannende Geschichte: Das Schloss zu Elkofen, so erfahren sie, sei im 30-jährigen Krieg allein deshalb der Zerstörung entgangen, weil die Schweden es schlichtweg nicht gesehen hätten. Zu geduckt im Tal sei es errichtet worden, um die Aufmerksamkeit der marodierenden Truppen auf sich zu ziehen. Heute tendieren manche Historiker dazu, diese Geschichte eher ins Reich der Legenden zu verweisen. Tatsache ist aber, dass Elkofen inzwischen mehr als 1000 ereignisreiche Jahre wohlbehalten überstanden hat und noch immer in alter Pracht in der Mitte des kleinen Orts Unterelkofen, das heute zu Grafing gehört, thront.

Zwar liegt das Schloss in einem Tal, wer sich dem Bauwerk nähert, stellt aber fest, dass die alten Mauern auf einem beeindruckenden Burgberg errichtet wurden, man kann noch gut erahnen, dass es bis ins Jahr 1800 auch einen Burggraben gegeben hat. Und der wehrhafte 33 Meter hohe Turm mit den meterdicken Mauern ragt stolz aus der waldbewachsenen Landschaft hervor. Er ist der älteste Teil des Anwesens, das wohl als Fliehburg zur Zeit der Ungarneinfälle errichtet wurde.

Immer noch ein imposantes Gebäude.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

In sicheren zehn Metern Höhe liegt der Eingang, drei Zimmer boten den Menschen in der Umgebung Schutz und Zuflucht. Das reichte auch, das Land rund um Elkofen war zur damaligen Zeit noch sehr schwach besiedelt. Heute erklimmen die Besucher - etwa Schulklassen, die Max Emanuel Graf von Rechberg, der heutige Besitzer, gelegentlich durch die Räume führt - die vielen Treppen zur obersten Turmstube vor allem, um den weiten Blick über Felder und Wälder zu genießen. Bei schönem Wetter sieht man sogar bis zum Wendelstein.

Ein Zeitreisender würde das Schloss wiedererkennen

Das heutige Erscheinungsbild haben die Schlossherren über die Jahrhunderte hinweg durch An- und Erweiterungsbauten geprägt. Der Kern der Anlage ist aber gotisch, Palas, Kemenate, Dürnitzstock und Wehrgang stammen aus dieser Zeit. Vorfahren der heutigen Eigentümer haben Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts den Ostflügel, den Unteren Hof und die Toranlagen angefügt - seither haben keine gravierenden Eingriffe mehr stattgefunden. Ein Zeitreisender aus dem 18. Jahrhundert würde das Schloss kaum verändert vorfinden; auch wer Votivdarstellungen der Anlage aus dieser Zeit betrachtet, muss sich bemühen, um Unterschiede zum heutigen Aussehen ausfindig zu machen.

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Elkofen gilt als eine der am besten erhaltenen Burgen Oberbayerns, auch wenn der Bau im Landkreis eher als Schloss bezeichnet wird. Dies liegt nach Angaben des heutigen Besitzers daran, dass der Bau zwar eindeutig als Burg mit militärischer Bedeutung errichtet wurde. Diese verlor die Anlage aber bereits im 15. Jahrhundert, weshalb sich nach und nach die Bezeichnung Schloss einbürgerte. Auch die offizielle Adresse ist heute Schloss Elkofen 1.

Bereits 1665 zogen Vorfahren der heutigen Grafen ein

Erstmals urkundlich erwähnt wird der Bau im elften Jahrhundert, als die Burg nach dem Aussterben der Grafen von Ebersberg überging. Immer wieder neue Besitzer fand die Burg in den Jahrzehnten darauf, auch die verschiedenen Zweige der Wittelsbacher zankten sich teilweise darum. Bereits 1665 zogen Vorfahren der heutigen Grafen Rechberg in das Anwesen ein, doch schon 1734 verlegte eine Enkelin, die die Burg erbte, nach ihrer Heirat ihren Wohnsitz nach Amberg. Mehrere Besitzer mit klangvollen Namen prägten die Jahre danach, zu den bekannteren zählen Franz Johann Hieronymus Innozenz Graf von Spreti und Joseph Ritter von Hazzi, der nicht nur den Wassergraben zuschütten, sondern auch die umgebenden Sümpfe trockenlegen ließ.

(c)HR Archivnr: 15hr0527_08 / 01.06.2015 / Unterelkofen, Schloßserie, Schloss Unterelkofen. hier: zweiter Innenhof

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Noch Anfang des 18. Jahrhunderts hatte Michael Wenig, der damals in ganz Bayern Kupferstiche von herrschaftlichen Anwesen anfertigte, geklagt, dass er selten eine dermaßen sumpfige und mückenreiche Gegend wie Elkofen erlebt habe. Nebeneffekt der Trockenlegung sei freilich gewesen, wie Graf von Rechberg erzählt, dass die Kriminalitätsrate stieg: Die Bauern wurden durch die ertragreichen Felder wohlhabender und konnten mehr Geld in die Wirtshäuser tragen - und Streitigkeiten anzufangen.

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