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Ebersberg:Eklat im Kreisausschuss: Sarnowski gegen Schmidt

SZ Ebersberg Podium zur Landtagswahl; thomas von

Grünen-Kreisrat Thomas von Sarnowski.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Ein Antrag des AfD-Politikers führt zu Szenen, die an einen Wrestling-Kampf erinnern.

Von Korbinian Eisenberger, Ebersberg

In der Politik ist es bisweilen unerlässlich, Haltung zu zeigen. Je mehr Haltung, desto mehr ist einem eine Gegenrede gewiss. Den jüngsten Beweis hat der Ebersberger Umweltausschuss geliefert, wo Haltung das zentrale Thema war. Es ging um die artgerechte Haltung von Tieren, AfD-Kreisrat Manfred Schmidt hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Schmidt wollte die Ausschussmitglieder von seiner Idee überzeugen, einen lokalen Tierwohlpreis für Landwirte einzuführen. Die Begeisterung im Plenum hielt sich in Grenzen. Der Antrag taugte gleichwohl zum Eklat dieses Nachmittags.

Zunächst wogen die Politiker im Ebersberger Sparkassensaal diplomatisch Argumente ab, dafür wie dagegen. Gute Idee, so die einen. Gibt's schon zu Genüge, so die anderen. Eine Debatte, vielleicht nicht artgerecht - aber äußerst artig und höchst anständig. Bis Grünen-Kreisrat Thomas von Sarnowski sich erhob, ans Rednerpult trat und loslegte. "Es ist absurd, dass wir hier von einem AfD-ler etwas über Tierwohl erzählt bekommen", ließ er wissen. Schon dieser Satz hätte gereicht, um den diplomatischen Kurs im Saal zu kippen. Doch Sarnowski hatte sich gerade erst warm geschossen.

"Wir brauchen keine kleinteiligen Lösungen auf Landkreis-Ebene in Form eines Schaufenster-Antrags", erklärte Sarnowksi, ehe er zur Schlussoffensive ausholte: Schmidt wolle "mit dem Thema davon ablenken, dass die AfD rechtsextreme Mitglieder und einen Parteispendenskandal" zu verantworten habe. Der bundespolitische Dampfhammer als Schlusspunkt. Und mit wuchtiger Wirkung.

Interessanterweise trieb die Kurzrede nicht zuvorderst dem Antragssteller die Zornesröte ins Gesicht. Zwei CSU-Kreisräte waren es, die zuvor artig mitdebattiert hatten und sich nun verheißungsvoll von ihren Stühlen erhoben. Offenbar missfiel ihnen der Themenwechsel zur Parteipolitik. Vaterstettens Bürgermeister Leonhard Spitzauer wirkte jedenfalls für einige Sekunden wie ein Wrestler, der gerade Opfer eines Choke-Slams wurde und nun seine Rache plant. Sein Partei- und Amts-Kollege Josef Oswald - Rathauschef in Glonn - zeigte ebenfalls Signale von Unzufriedenheit. Er ging demonstrativ zur Tür und blieb dem Saal für einige Momente fern. Mit deutlich gesünderer Gesichtsfarbe kam er zurück und hörte, was Landrat Robert Niedergesäß, auch CSU, zu sagen hatte: Er sehe "keinen Anlass, hier derart parteipolitisch auszuholen".

Es trat der Gescholtene nun nochmal vors Mikro. "Möglicherweise passt es Ihnen nicht", sagte Manfred Schmidt Richtung Thomas von Sarnowski gewandt, "dass da jemand anders daher kommt, mit einer Sache, die gut ist für Landwirtschaft und Umwelt", so Schmidt. Der Grünen-Politiker hörte zu und nahm es ohne erkennbare Gesichtsrötungen oder Haltungsbeschwerden hin. Kurz darauf wurde der Antrag bei einer Für-Stimme abgelehnt.

© SZ vom 27.03.2021/koei
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