Noch ist für Sandra Dichtl zwar kein genetischer Zwilling gefunden, der für eine Knochenmarkspende infrage käme. Aber die Grafingerin, die an Leukämie erkrankt ist, gibt die Hoffnung nicht auf – und zeigt sich angesichts der großen Unterstützung bei ihrer Typisierungsaktion sehr dankbar. „Ihr habt mir und vielen anderen Betroffenen neuen Mut und die Hoffnung auf ein zweites Leben geschenkt. Nur durch Euch haben wir eine Chance, gesund zu werden“, schreibt sie in einer Botschaft an alle Unterstützerinnen und Unterstützer.
Die 40-jährige Mutter von zwei Kindern hatte vor einigen Wochen von ihrer Krebserkrankung erfahren. Eine Freundin hatte daraufhin mit Unterstützung des BRK und der Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) Mitte August eine groß angelegte Typisierungsaktion in Ebersberg organisiert, um einen Stammzellenspender zu finden. 179 Personen haben sich daran beteiligt. „Wir waren sehr zufrieden mit der Aktion“, unterstreicht Verena Spitzer von der AKB. Vor allem angesichts der Tatsache, dass sie an einem „denkbar ungünstigen Wochenende“ stattgefunden habe, „an dem auch viele Menschen, die nicht im Urlaub waren, über das verlängerte Wochenende verreisen konnten“.
Bei Leukämie ist eine Stammzellentransplantation eine Erfolg versprechende Therapie: Dabei werden die erkrankten Zellen des Knochenmarks durch gesunde ersetzt. Um eine Abstoßungsreaktion zu vermeiden, müssen sich Spender und Empfänger genetisch stark ähneln. Nicht immer findet sich ein passender Spender oder eine Spenderin in den Karteien von Organisationen wie der AKB oder der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Dann kann eine Typisierungsaktion ein Weg sein, neue Spender zu aktivieren und im Idealfall für die betroffene Person selbst einen Spender oder Spenderin zu finden.
Allerdings ist es ein relativ seltener Glücksfall, wenn bei einer Aktion tatsächlich ein Spender gefunden wird, der ideal passt. Im Fall der Grafingerin war es nicht so, die geringe Wahrscheinlichkeit war ihr selbst allerdings schon vorher klar. Das unterstreicht Verena Spitzer von der AKB. Dennoch habe sich Sandra Dichtl dafür entschieden, die Aktion zu unterstützen und mit ihrem eigenen Schicksal auf die Bedeutung von Knochenmarkspenden aufmerksam zu machen – in der Hoffnung, dass vielleicht anderen Kranken geholfen werden kann.
Von den 179 neu registrierten Personen sind 58,66 Prozent Frauen. „Das ist durchaus meistens so, außer man ist an technischen Schulen, die ja leider immer noch überwiegend in männlicher Hand sind“, so Spitzer. Das Durchschnittsalter der Aufgenommen betrage 33 Jahre, „was bedeutet, dass diese Spenderinnen und Spender lange in der Datei bleiben und mit Sicherheit in den nächsten Jahren einige Spender aus dieser Aktion zu erwarten sind“.
Wer nicht zur Typisierungsaktion kommen konnte, hat dennoch die Möglichkeit, sich als Stammzellenspender registrieren zu lassen. Informationen gibt es unter anderem auf der Internetseite der AKB oder der DKMS.


