S-Bahn-Verkehr Endstation Grafing

Seit dem Fahrplanwechsel fahren S-Bahnen immer wieder nicht bis nach Ebersberg durch. Gründe sind die eingleisige Strecke, der neue Stundentakt des Filzenexpresses - und die eigene Verspätung.

Von Isabel Meixner

Der Fahrplanwechsel hat eine bessere S-Bahn- und Zugverbindung nach München mit sich gebracht - aber auch so manchen Ärger. Denn die S 6, die seit Dezember auch Ebersberg anfährt, wendet immer wieder in Grafing-Bahnhof statt wie vorgesehen in der Kreisstadt. Betroffen ist laut Pressesprecher Bernd Honerkamp vor allem der Zug, der in Ebersberg laut Fahrplan um 8.57 Uhr ankommen soll.

Wie oft Pendler schon in Grafing-Bahnhof aussteigen und auf den nächsten Zug warten mussten, kann er nicht genau sagen. Doch erst am Mittwoch- und Donnerstagvormittag voriger Woche wurde der Teilabschnitt von der S 6 wieder nicht befahren. Beschwerden über die Ausfälle seien bei ihm bisher allerdings keine eingegangen, sagt Honerkamp.

Seit Dezember fährt die S 6 nicht mehr nur bis nach Zorneding, sondern teils sogar bis Ebersberg.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Die Gründe für die Probleme liegen in der eingleisigen Strecke zwischen Ebersberg und Grafing-Bahnhof einerseits und der Taktverdichtung bei S-Bahn und Filzen-Express andererseits. Fahren alle Züge nach Fahrplan, gibt es keine Probleme. Kommt es aber bei der S-Bahn oder der Südostbayernbahn zu Verspätungen, ist die eingleisige Strecke schon vom nächsten Zug belegt - der verspätete Zug muss früher wenden. In manchen Fällen habe es auch schon den Filzenexpress getroffen. "Früher hatten wir da mehr Spielraum", gibt Bahnsprecher Honerkamp zu.

Die Strecke zwischen Ebersberg und Wasserburg war in den vergangenen Jahren für fast zehn Millionen Euro ertüchtigt worden. So wurde Steinhöring zu einem zweigleisigen Kreuzungsbahnhof auf der ansonsten einspurigen Strecke ausgebaut. Dadurch fährt die Südostbayernbahn seit Mitte Dezember stündlich von Wasserburg nach Grafing und München-Ost. Die S 6 wiederum bringt täglich zusätzlich vier Verbindungen nach Ebersberg und fünf Richtung München mit sich. Hinzu kommt, wie bisher, die S 4 mit durchschnittlich zwei Zügen pro Stunde. Honerkamp räumt ein, dass vor allem die S-Bahn häufig mit Verspätungen zu kämpfen habe, besonders vormittags und abends im Berufsverkehr.

Sollte es weiterhin dazu kommen, dass S-Bahnen ihre Strecke nicht fertig fahren können, schließt der Pressesprecher nicht aus, dass die S 6 künftig generell wieder früher, etwa in Grafing-Bahnhof, wenden könnte. "Wir haben vor dem Fahrplanwechsel sehr gebastelt", sagt er. Dass das offenbar nicht genug ist, sei bei Südostbayernbahn und S-Bahn München mittlerweile bekannt. Frühestens kann eine Fahrplanänderung jedoch im Juni realisiert werden, wenn es bei der Bahn üblicherweise zu kleineren Anpassungen kommt; wahrscheinlicher ist eine Umstellung - wenn überhaupt - allerdings erst im Dezember.

Honerkamp sieht wenig Möglichkeiten, die derzeitige Situation zu ändern. Eine Verspätung von zwei bis drei Minuten sei bei jeder Verbindung automatisch eingerechnet, ein Ausbau der eingleisigen Strecke Grafing-Bahnhof/Ebersberg ist in weiter Ferne. Und die S-Bahnen in München früher Richtung Ebersberg losfahren zu lassen, gehe wegen der Stammstrecke nicht: "Die Takte sind vorgegeben, da können wir nichts ändern."

Viele Fahrgäste, die immer wieder am Bahnsteig in Grafing auf die nächste S-Bahn warten müssen, sind jedenfalls genervt von den häufig ausfallenden S-Bahnen. So wie zwei Männer, die am Mittwoch, endlich in der Kreisstadt angekommen, laut über Alternativen zum öffentlichen Nahverkehr nachdenken. Er habe schon einen Umzug nach Ebersberg in Erwägung gezogen, sagt der eine, "aber da ist ja der Hund begraben". Sein Kollege schlägt vor, das nächste Mal zu Fuß von Grafing nach Ebersberg zu laufen oder alternativ das Firmenauto in Kirchseeon abzustellen. "So geht's jedenfalls nicht weiter", sagt der Erste. Der andere: "Ach, ich reg' mich da gar nicht mehr auf."