Regionale RohstoffeZorneding wehrt sich gegen Kiesabbau am Ort

Lesezeit: 2 Min.

Rund um Zorneding werden immer wieder große Kiesgruben erschlossen.
Rund um Zorneding werden immer wieder große Kiesgruben erschlossen. Peter Hinz-Rosin

Die Gemeinde will den ständigen Anträgen von Kiesbau-Unternehmen einen Riegel vorschieben. Durch Konzentrationsflächen soll verhindert werden, dass sich die Ortschaft in einen Sandkasten verwandelt.

Von Andreas Junkmann, Zorneding

Sandkästen sind für Kinder eine tolle Sache, im Erwachsenenalter verlieren sie allerdings meist ihren Reiz - und können gar zu einem echten Problem werden. Dann nämlich, wenn sich der eigene Wohnort in eine riesige Buddelgrube zu verwandeln droht. Derlei Befürchtungen hat der ein oder andere Bewohner von Zorneding seit geraumer Zeit. Grund dafür ist, dass die Gemeinde immer mehr Anfragen von Firmen erreichen, die rund um den Ort Kies abbauen wollen. Wo jetzt noch grüne Wiesen wachsen, könnten also bald Kraterlandschaften drohen. Dem will die Gemeinde nun einen Riegel vorschieben und gibt ein Konzept für entsprechende Konzentrationsflächen in Auftrag.

Ein solches sieht man im Zornedinger Gemeinderat als die einzige Möglichkeit, den Kiesabbau in geregelte Bahnen zu lenken. Komplett zu verhindern ist dieser indes nicht, denn die Gewinnung von Kies und Sand gilt als privilegiertes Vorhaben und ist als solches im gemeindlichen Außenbereich ohne größere Hürden genehmigungsfähig. Die Entscheidung darüber, ob eine neue Abbaufläche ausgewiesen wird, trifft das Ebersberger Landratsamt. Die Gemeinde muss lediglich am Verfahren beteiligt werden - ohne jedoch über eine tatsächliche Handhabe gegen das Vorhaben zu verfügen.

Das hat Zorneding in diesem Jahr bereits schmerzhaft zu spüren bekommen. Gleich zwei Firmen waren auf die Gemeinde mit dem Gesuch zugekommen, im Süden auf insgesamt mehr als 80 000 Quadratmeter neue Kiesgruben zu erschließen. Zähneknirschend mussten die Gemeinderäte den Anträgen stattgeben, ansonsten hätten sie aufgrund der Privilegierung womöglich rechtswidrig gehandelt. Denn verweigert eine Kommune ihre Zustimmung ohne rechtlich triftigen Grund, kann das Landratsamt diese Entscheidung wieder kassieren - und der Gemeinde drohen unter Umständen sogar Strafzahlungen.

Den Zornedinger Kommunalpolitikern war jedoch schnell klar, dass es so nicht weitergehen kann. "Wir wollen nicht zur Kiesgrube für die ganze Region werden", sagte Helmut Obermaier (Grüne) in der Mai-Sitzung des Gremiums, als man sich das erste Mal konkret mit einem Konzept zur gezielten Steuerung des Abbaus beschäftigte.

Ein solches hat die Rathausverwaltung nun angestoßen und mit dem Planungsverband München Kontakt aufgenommen. Zusammen will man sich auf die Suche nach möglichen Konzentrationsflächen für den Abbau begeben. Dabei geht es um Areale, die nur "einen geringen Wert für andere Nutzungsmöglichkeiten" aufweisen, wie es von der Verwaltung heißt. Was übersetzt bedeutet: Hier stören die Kiesgruben nicht ganz so sehr, wie an anderen Stellen. Zwischen 20 000 und 25 000 Euro wird sich die Gemeinde die Erstellung des Konzeptes kosten lassen.

"Das Verfahren soll jetzt so schnell wie möglich in die Wege geleitet werden", sagte dazu Bürgermeister Piet Mayr (CSU) in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Und tatsächlich drängt die Zeit, denn im Gremium befürchtet man, dass die Kiesfirmen bis dahin noch ihren Freifahrtsschein nutzen und die Gemeinde mit Anfragen zum Abbau bombardieren. Stehen die Konzentrationsflächen erst einmal fest, hätte das Rathaus die nötigen Argumente in der Hand, um entsprechenden Gesuchen entgegen zu treten.

Bis es soweit ist, könnte es trotzdem noch eine Weile dauern, denn die Bestimmung der Konzentrationsflächen dürfte kein leichter Prozess werden - schließlich will keiner eine Kiesgrube direkt vor der eigenen Haustür. Mit "heftigen Diskussionsbedarf" rechnet deshalb etwa Wilhelm Ficker (FW) wenn es darum geht, welche Grundstücke man für den Abbau vorschlagen will. Über die konkreten Flächen wollen sich die Gemeinderäte im Rahmen einer Klausurtagung Gedanken machen - was wahrscheinlich deutlich härtere Arbeit werden dürfte, als das Buddeln im Sandkasten.

© SZ vom 28.06.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Landwirtschaft in Bayern
:Landwirt plant riesigen Hühnerstall in Zorneding

Im Süden könnte am "Glonner Hof" ein riesiger Hühnerstall für bis zu 6000 Tiere entstehen. Auch im Westen hat ein Bauer große Pläne, die man in der Gemeinde aber deutlich kritischer sieht.

Von Andreas Junkmann

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: