Reden wir über Virtuelle Museumsbesuche

Jennifer Becker, Geschäftsführerin des Kreisbildungswerks.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Jennifer Becker erklärt ein neues Angebot des Kreisbildungswerks

Interview von Valentin Tischer

Wie kann man ein Museum besuchen, wenn es relativ weit weg ist und man nicht mehr richtig mobil ist? Diese Frage hat sich das Kreisbildungswerk gestellt und ist so auf die Idee virtueller Museumsführungen gekommen. Im SZ-Interview erklärt Geschäftsführerin Jennifer Becker das neue Konzept.

SZ: Frau Becker, wie kamen Sie darauf, virtuelle Führungen anzubieten?

Jennifer Becker: Im Rahmen der Ökumene-Initiative Ebersberg haben wir im Reformationsjahr 2017 zusammen mit den katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden in Ebersberg eine virtuelle Ausstellung zu Martin Luther durchgeführt. So ist der Kontakt zur Internetplattform Bavarikon entstanden, und die erste virtuelle Museumsführung hat gut funktioniert. Wir haben unseren Fokus in der Seniorenbildung auch auf die kulturelle Teilhabe gelegt. Für diejenigen, die nicht mehr so mobil sind, ist dies das perfekte Format. Ich bin dann auf drei Seniorenzentren zu gegangen und habe positive Rückmeldungen bekommen.

Wie funktioniert so ein virtueller Museumsbesuch? Zeigen Sie Standbilder oder einen Videorundgang?

Auf Bavarikon hat man die Möglichkeit, sich die Ausstellung selbst auszuschauen, die sind öffentlich zugänglich. Aber es wie in einem richtigen Museum, kann man auch eine offizielle Führung mitmachen. Wir bieten quasi die offizielle Führung zur virtuellen Ausstellung an. Die Exponate sind alle digitalisiert, teilweise mit 3D-Kameras, teilweise kann man auch durch die Räumlichkeiten durch und um Exponate herumgehen. Wir haben uns zu jedem Thema aus ganz Bayern einen hochkarätigen Experten gesucht, die mit der Konzeption der Führung beauftragt waren. Die kennen sich inhaltlich gut aus und haben das nötige technische Know-how. Man braucht selber keine technische Ausrüstung. Mit Internet, Laptop und Beamer führen die Experten dann durch die Ausstellung. Sie sind also live vor Ort und werden nicht von irgendwo zugeschaltet.

Sind die Führungen speziell für Senioren oder kann jeder Interessierte teilnehmen?

Wir laden ganz explizit auch Menschen von außerhalb der Seniorenzentren ein. Die Führungen sind offene Veranstaltungen, die wir allen zugänglich machen wollen. Die Veranstaltungen sind zudem kostenfrei. Sie finden im Seniorenzentrum statt, damit wir die Personen, die dort wohnen, auch erreichen und diese keine langen Wege gehen müssen.

Sind neben den jetzigen Führungen noch weitere geplant?

Ja. Das Projekt läuft noch eineinhalb Jahre, wir haben auch schon Fördermittel dafür bekommen. In diesem Semester gibt es aber erst mal nur drei Führungen.

Drei Termine für virtuelle Museumsführungen stehen schon fest: Am Montag, 1. April, führt im Pichlmayr Seniorenzentrum Ebersberg Klaus Weschenfelder, ehemaliger Leiter der Kunstsammlung in der Veste Coburg, durch eine Ausstellung über die internationalen Verbindungen des Coburger Herzoghauses. Am Freitag, 5. April, führt im AWO-Seniorenzentrum Kirchseeon Laura Scherr von den Staatlichen Archiven Bayern durch die Ausstellung "Die Verfassung des Königreichs Bayern". Und am Mittwoch, 29. Mai, führt im AWO-Seniorenzentrum Markt Schwaben Katharina Deppner von der HVB-Stiftung Geldscheinsammlung durch die Ausstellung "Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land - Notgeld in Bayern". Beginn ist jeweils um 15 Uhr.