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Reden wir über:Gute Argumente

Joshua Steib, Bundesfinale Jugend debattiert, Gymnasium Vaterstetten
(Foto: Privat)

Joshua Steib vom Gymnasium Vaterstetten holt beim Bundesfinale von "Jugend debattiert" den vierten Platz

Als einer von zwei Schülern seiner Altersklasse aus Bayern hat der 16-jährige Joshua Steib aus Grasbrunn am Bundesfinale des Wettbewerbs "Jugend debattiert" in Berlin teilgenommen - und den vierten Platz geholt. Angefangen hat für den Zehntklässler am Vaterstettener Gymnasium alles mit einer Schulrunde, es folgte der regionale Entscheid, dann wurde auf Landesebene debattiert. Jeweils die zwei Besten kamen eine Runde weiter, bis schließlich im Bundesfinale 32 Landessieger aufeinandertrafen. Aufgeteilt in zwei Altersgruppen bewertete eine Jury die Argumentation des Schülers und seiner Mitstreiter in den Kategorien Überzeugungskraft, Ausdrucksvermögen, Sachkenntnis und Gesprächsfähigkeit. Im Gespräch mit der SZ erzählt der 16-Jährige von dem Wettbewerb und verrät, wieso es kein Totschlagargument gibt.

SZ: Herr Steib, beim Ergattern des vierten Platzes eines bundesweiten Debattierwettbewerbs liegt freilich eine Frage auf der Hand: Sind Sie ein Besserwisser?

Joshua Steib: Ach, das würde ich jetzt so nicht sagen, nur weil ich da gewonnen hab. Mir macht Debattieren einfach Spaß und es ist cool, dass ich Vierter geworden bin. Aber da haben so viele Faktoren mit reingespielt, die Tagesform, die Juroren, wie man sich vorbereitet hat...

Und wie haben Sie sich vorbereitet? Beim Bundesfinale debattierten Sie ja über die Frage, ob unsere Museen Kulturgüter aus der Kolonialzeit an die Ursprungsländer zurückgeben sollten...

Wir haben zehn Tage vor dem Wettbewerb die Fragen zugesendet bekommen, das waren drei verschiedene. Dann habe ich mir erst einmal die Definitionen angeschaut: Was sind "unsere Museen"? Von wann bis wann ging die Kolonialzeit? Was sind Kulturgüter? Als nächstes habe ich mich mit den Positionen auseinandergesetzt: Ich habe darüber nachgedacht und natürlich auch viele Zeitungsartikel zum Thema gelesen. Und der letzte Schritt ist bei mir immer, dass ich mir sprachliche Bilder überlege - das finde ich nämlich sehr schön: Wenn man nicht nur Argumente austauscht, sondern das Ganze in Metaphern und Vergleichen ausdrücken kann.

Haben Sie für oder gegen die Rückgabe der Kulturgüter argumentiert?

Ich hab pro argumentiert. Es diskutieren immer vier Personen: Zwei Pro-Redner und zwei Contra-Redner. Ich habe die Debatte als erster Pro-Redner eröffnet.

Durften Sie entscheiden, welche Position Sie in der Debatte einnehmen?

Man weiß davor nicht, welche Position man einnimmt, das wird ausgelost. Man muss sich also im Vorfeld schon mit beiden Positionen auseinandersetzen. Beim Bundesfinale konnte ich aber sogar für meine Wunschposition argumentieren.

Wie lautete denn Ihre Hauptthese?

Kulturgüter sind wichtige Gegenstände für die Ursprungsländer, sie schreiben ja deren Geschichte - sie sind wie lauter verschiedene Puzzleteile in der Geschichte der Länder. Bleiben die Kulturgüter aber in unseren Museen, nehmen wir den Ursprungsländern damit ihre eigene Geschichte weg.

Was unterscheidet Ihrer Meinung nach ein gutes von einem schlechten Argument?

Ein gutes Argument besteht für mich aus einer klaren These, die man logisch und treffend mit einem Beispiel begründen kann. Reißerische Thesen bringen ja nichts und helfen niemandem weiter. Das interessante ist letztlich: Gegen jedes Argument lässt sich etwas einwenden, ein Totschlagargument gibt es nicht.