Reden wir über Die perfekte Hängung

(Foto: privat)

Der Kunstverein Ebersberg testet verschiedene Konzepte

Interview von Franziska Langhammer

Im vergangenen Jahr überraschte der Kunstverein Ebersberg bei seiner jährlichen Mitgliederausstellung mit der Petersburger Hängung: Kunstwerke unterschiedlichen Stils und verschiedener Größen hängen dabei auf ziemlich engem Raum nebeneinander. Das Motto der diesjährigen Werksschau lautet "Die ersten werden die letzten sein - oder umgekehrt". Wer zuerst sein Bild einreicht, darf also mit einem Premiumplatz rechnen? Warum das nicht zwangsläufig so ist, und was die größte Herausforderung bei einer Ausstellung von rund 200 verschiedenen Künstlern darstellt, erklärt Martina Brenner vom Kunstverein Ebersberg im Gespräch mit der SZ.

SZ: Wie kam es zu dem biblischen Motto der diesjährigen Mitgliederausstellung?

Martina Brenner: Wir waren überwältigt von der positiven Resonanz auf die Ausstellung im vergangenen Jahr. Da besuchten auch viele Leute den Kunstverein, die sonst nicht dort anzutreffen sind. Natürlich will jeder den besten Platz für sein Werk - am liebsten, wenn man in die Brennerei reinkommt, gleich gegenüber an der Wand. Weil wir dort nicht stapeln können und bei der Zuweisung der Plätze fair sein wollen, haben wir uns für das Motto entschieden.

Was heißt das in der Praxis?

Unsere Mitglieder können ihre Werke persönlich am Samstag und Sonntag, 25. und 26. August, jeweils von 14 bis 18 Uhr einreichen. Die Hängekommission wird am darauffolgenden Wochenende entscheiden, wo und wie gehängt wird. Sicher ist schon, dass wir bei der Hängung die Reihenfolge bei der Einreichung berücksichtigen - welche, ist allerdings eine Überraschung.

Gab es schon Feedback?

Nur einzelne Nachfragen, wie viele Werke eingereicht werden dürfen. Beliebig viele übrigens. Hauptsache, die Vorgaben werden dabei eingehalten. Was am Tag der Einreichung passiert - ob die Menschen vielleicht schon frühmorgens Schlange stehen, ob welche mit dem Schlafsack vor der Brennerei campieren - da lassen wir uns überraschen.

Vergangenes Jahr hat der Kunstverein die Petersburger Hängung getestet, dieses Jahr nun eine Reihenfolge à la "First comes first served". Sucht der Kunstverein nach einem Patentrezept für eine derart umfangreiche Werksschau?

Die Art der Ausstellung in den vergangenen Jahren war immer gleich: Jeder konnte einreichen, was er will. Wir stehen jedes Jahr wieder vor der großen Herausforderung: Wie hängen wir die Werke, dass sich nichts gegenseitig stört? Leider waren die Lösungen der vergangenen Mitgliederausstellungen nicht immer zufriedenstellend. Die Petersburger Hängung kam sehr gut an, und auch dieses Jahr wollen wir die Art der Reihung als roten Faden der gesamten Ausstellung benutzen.

Wann sind Sie zufrieden?

Das ist ein Prozess, der kann sich hinziehen. Vergangenes Jahr haben wir zu sechst drei Tage lang gehängt und wieder umgehängt, bis wir fanden: Es passt. Dieses Jahr wollen wir zuerst entscheiden und dann hängen. Es wird immer begeisterte und nicht so begeisterte Besucher geben.

Die Mitgliederausstellung in der Galerie Alte Brennerei, Klosterbauhof 6, in Ebersberg wird am Freitag, 7. September, 19 Uhr, eröffnet, Finissage ist am Sonntag, 30. September, 14 Uhr.