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Reden wir über:Die letzten Tage vor der Premiere

(Foto: Christian Endt)

Frank Haschler von Jazz Grafing freut sich auf das große Festival

SZ: Bis zum Auftakt des ersten großen Jazzfestivals im Landkreis sind es nur noch wenige Tage. Müssen Sie jetzt täglich Ihren Blutdruck kontrollieren oder freuen Sie sich einfach nur?

Frank Haschler (Foto: Endt): Beides! Wenn man sich freut, steigt der Blutdruck. Als Koordinator, Organisator und Sprecher des Festivals habe ich alle Hände voll zu tun, auch wenn die wichtigsten Dinge geklärt sind. Zum Glück bin ich nicht alleine und habe viele engagierte Mitstreiter.

Sie sind einer der Mitveranstalter des Festivals, bei dem es neben den Konzerten auch mehrere Jam-Sessions geben wird, Sie sind selbst Musiker und Drummer. Werden Sie auch mit einsteigen?

Mit Sicherheit! Und ich weiß, dass viele Münchner Musiker sich die Tage dick im Kalender angestrichen haben. Ich habe die Hoffnung, dass auch Stars sich bei den Sessions einfinden werden. Eine Session ist ja wie ein Marktplatz. Vielleicht lernt man beim Bier Chris Potter kennen. Das wäre doch toll. Außerdem wünsche ich mir, dass auch von unseren heimischen Musikern recht viele auf die Bühne kommen.

Läuft alles wie geplant oder hakt es irgendwo? Gab es Absagen, Terminprobleme?

Absagen haben wir zum Glück nicht. Auch Terminprobleme sind nicht bekannt. Durch die Kooperation zum Beispiel mit Manni Rehm , dem Vorsitzenden des renommierten "Birdland Jazzclubs" in Neuburg an der Donau, war es möglich, Ron Carter zu gewinnen. Carter spielt dort mit seiner Band Foursight einen Tag, bevor er nach Ebersberg kommt. Das sind seine einzigen Termine in Deutschland. Solch eine Zusammenarbeit gelingt nur, wenn man Vertrauen zueinander hat. Und inzwischen genießen wir in der Szene dieses Vertrauen. Rehm weiß, wir sind eine gute Adresse für Jazz. Noch gibt es ein paar zu klärende Punkte bei den Medienverträgen zwischen Bayerischem Rundfunk und Chris Potter, die werden jetzt wohl kurzfristig geklärt.

Inwiefern Probleme?

Der BR, der das Konzert mitschneiden wird, möchte dreimal in drei Jahren diese Aufnahme senden dürfen, Potters Agentur aber sagte: Nur einmal in einem Jahr geht. Das hängt mit den Standardverträgen in den USA zusammen, wo die Dinge ein wenig anders liegen und es bei den Rundfunkanstalten die Trennung zwischen öffentlich-rechtlich und privat nicht gibt.

Was war, was ist jetzt noch zu tun?

Die Agenturen der Stars haben hohe Anforderungen an uns als Veranstalter. Es gibt sehr genaue Vorgaben für fast alles. Zum Beispiel, auf welchen Instrumenten die Musiker spielen, welche Verstärker und Mikros benutzt werden müssen. Das geht bis zur Höhe der gewünschten Sitzhocker. Einige der geforderten Geräte haben wir, andere müssen besorgt werden. Diese Aufgabe hat Daniel Hitzke, der Ton-Ingenieur und Techniker vom Alten Kino, übernommen, er hat das Wissen und gute Kontakte zu Backline-Verleihern und Musikgeschäften. So schickt eine Firma aus Karlsruhe drei Container voll Percussion und Schlagzeug nach Ebersberg. Sie ist die deutsche Niederlassung der Firma, mit der Ron Carters Rhythmusleute einen Werbevertrag haben. So kommt eins zum anderen.

Wie groß ist das Team, mit dem Sie und die anderen Veranstalter aufwarten?

Es sind in der IG EBE-Jazz insgesamt bis zu sechzig Leute, die sich um alles kümmern, vom Abreißen der Tickets bis zur Garderobe und zum Catering. Nina Plotzki, die Moosacher Jazzsängerin, übernimmt die Moderation der gesamten Woche.

Haben Sie die Absicht, solch ein Festival regelmäßig, etwa im Zwei-Jahres-Rhythmus zu veranstalten, und ist das überhaupt finanzierbar?

Mir war von Anfang an wichtig, dass dieses Projekt kein finanzielles Fiasko wird, schließlich bin ich Kaufmann von Beruf, und wir wollen ja auch unsere Förderer und Sponsoren nicht enttäuschen, mal abgesehen vom finanziellen Risiko. Wichtig ist auch, dass es organisatorisch gut läuft, alle Beteiligten sollen sich danach mit einem Lächeln ans Festival erinnern. Ich will keine Geisterveranstaltung, sondern volle Häuser. Alle sollen zufrieden sein, Künstler, Veranstalter und Publikum. Wenn das gelingt, dann kommen alle - und noch mehr - auch in zwei Jahren wieder.

© SZ vom 05.10.2015
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