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Reden wir über:Berechnung von Extrema

Anton Groß ist stellvertretender Amtsleiter am Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV) Ebersberg.

(Foto: Christian Endt)

Anton Groß vom Vermessungsamt über besondere Punkte

Anton Groß ist stellvertretender Amtsleiter am Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV) Ebersberg. Nach dem Abitur in Grafing wusste er zunächst nicht, was er machen wollte, nur, dass er schon immer gut in Mathe und Physik war und sich gerne und viel an der frischen Luft aufhielt. Rückblickend bezeichnet er es daher als "Glücksgriff", nach einem Praktikum Vermessungswesen studiert zu haben, und letztendlich am ADBV Ebersberg gelandet zu sein. Als Vermessungsingenieur ist er dort vor allem mit der Katastervermessung beschäftigt, vereinfacht gesagt: der Markierung und Vermessung von Grundstücksgrenzen. Für die SZ-Serie "Landkreis am Limit" hat er die Extrempunkte des Landkreises Ebersberg ermittelt.

SZ: Herr Groß, wie kann man sich die Arbeit im Vermessungsamt vorstellen?

Anton Groß: Grundsätzlich gliedert sie sich in Innendienst, also Büroarbeit, und Außendienst. Wenn jemand ein Grundstück vermessen lassen will, kann er das bei uns beantragen. Wir fahren dann mit unserem Dienstbus , den ich immer rollenden Baumarkt nenne, weil er mit Spaten über Stoßeisen bis Bohrer und Flex ausgestattet ist, zur entsprechenden Stelle. Dabei sind wir zu dritt, ein Außendienstmitarbeiter, ein ehrenamtlicher Feldgeschworener und ich als Ingenieur, und haben unter anderem einen Tachymeter, also ein Gerät, das Winkel und Strecken messen kann, zur Vermessung, und Grenzsteine zum Abmarken dabei. Unsere Aufgabe ist es dann zum Beispiel die Bestandsgrenzen zu zeigen oder, wenn Teile eines Grundstücks verkauft werden sollen, dieses neu abzugrenzen, indem wir den neuen Grenzverlauf an den Eckpunkten mit Grenzsteinen markieren. Die notwendigen Unterlagen zur Vermessung bereite ich im Innendienst vor.

Gehört auch die Berechnung bestimmter Punkte im Landkreis, wie Sie es für uns vorgenommen haben, zu ihren alltäglichen Vermessungen?

Nein, die von Ihnen angefragten Extrempunkte zu berechnen ist sicher nicht alltäglich. Aber wir sind die Stelle, die die notwendigen Koordinaten, also die der Grenzpunkte, verwaltet. Die Verwaltungsgrenzen des Landkreises sind immer gleich mit den Grundstücksgrenzen, die wir dokumentieren.

Also war es für Sie ein Leichtes, die Extrempunkte im Landkreis zu ermitteln?

Ja. Die Daten für die Fläche des Landkreises habe ich aus unserem Datenbestand in ein Geoinformationssystem (GIS) geladen und konnte quasi auf Knopfdruck die Extrempunkte der vier Himmelsrichtungen ermitteln. Das hat circa eine halbe Stunde gedauert. Schwieriger war es mit dem höchsten und tiefsten Punkt des Landkreises. Dafür habe ich den BayernAtlas verwendet, in dem das Digitale Geländemodell (DGM) hinterlegt ist, und die Höhe abgeschätzt. Den BayernAtlas und das DGM macht das Bayerische Landesamt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (LDBV), unsere dienstvorgesetzte Behörde, die gerade ganz Bayern mit einem Laserscanner befliegen lässt und die aufbereiteten Daten in einem DGM zur Verfügung stellt. Für eine genauere Berechnung des höchsten und tiefsten Punktes müsste man sich an das LDBV wenden.

Und was ist mit dem mittlersten Punkt, wie haben sie den aufgespürt?

Dafür habe ich auch ein GIS benutzt. Aus dem Physikunterricht kennt der ein oder andere vielleicht noch die Methode, eine Fläche nacheinander an zwei Punkten aufzuhängen. An die Punkte hängt man dann jeweils ein Pendel und zeichnet daran entlang einen Linie. Der Schnittpunkt dieser beiden Linien ist der Massenmittelpunkt.

Merken Sie in Ihrer Arbeit, dass sich die unterschiedliche Topografie des Landkreises auf das Leben der Menschen auswirkt?

Ja, das merkt man tagtäglich, wenn man draußen unterwegs ist. Vor allem die Unterschiede zwischen den ländlichen und städtischen Gebieten - ob am Bodenpreis oder an den Beteiligten (lacht).