Rauchverbot in Festzelten:Vaterstetten darf noch, Ebersberg nicht mehr

Das Rauchverbot trifft mitten in die Volksfestsaison - wie es durchgesetzt wird, ist offen.

Lars Brunckhorst

Walter Dausinger hat noch einmal Glück. Beim Volksfest vom 15. bis 20. Juli in Vaterstetten darf geraucht werden - zum letzten Mal. "Vielleicht kommen die Leute deshalb heuer erst recht", spekuliert der Festwirt. Schlechter sieht es dagegen für Martin Lohmeier aus, den Wirt des Ebersberger Volksfestes. Weil das strenge Rauchverbot, für das die Bayern am Sonntag in einem Volksentscheid gestimmt haben, am 1. August in Kraft tritt, wird das Volksfest in der Kreisstadt, das am 6. August beginnt, voraussichtlich erstmals rauchfrei über die Bühne gehen.

Rauchverbot in Festzelten: Das Volksfest in Vaterstetten

Das Volksfest in Vaterstetten

(Foto: region.ebe)

Für Lohmeier eine Katastrophe: "Da bleiben mit Sicherheit viele Gäste aus", fürchtet der Festwirt. "Eine Maß Bier und eine Zigarette - das gehört halt für viele zusammen." Lohmeier hofft daher auf eine Ausnahmegenehmigung, wie sie die Stadt München für das Oktoberfest erlassen hat. Doch die Chancen stehen schlecht. ,,Solange das Innenministerium keine Ausführungsbestimmungen erlassen hat, gilt der Gesetzestext'', sagt Evelyn Schwaiger vom Landratsamt. "Und danach sind im Moment keine Ausnahmegenehmigungen möglich."

Wie die Einhaltung des Rauchverbots überwacht werden soll, das ist allerdings die Frage. Im Landratsamt gibt es lediglich zwei Mitarbeiter, die dafür zuständig sind - neben vielen anderen Aufgaben. Deshalb vertraut man in der Kreisbehörde auch künftig auf die bisher angewandte Methode - die ,,soziale Kontrolle'', wie es Pressesprecherin Evelyn Schwaiger nennt. Das bedeutet: Verstöße werden verfolgt, wenn Bürger, die sich von Rauchern gestört fühlen, Anzeige erstatten. 23 Mal ist das in den vergangenen beiden Jahren nach Auskunft des Landratsamt geschehen, wobei die Verwarnungen für 20 Betroffene kostenfrei waren und nur in einem Fall ein Bußgeld verhängt wurde. Dieses kann je nach Einzelfall fünf bis 1000 Euro betragen.

Weil das Landratsamt zur Durchsetzung des Rauchverbots laut Schwaiger definitiv kein zusätzliches Personal zum 1. August einstellen wird, ist man notfalls auf die Unterstützung der Polizei angewiesen. Für die aber hatte schon das bisherige Rauchverbot keine Priorität. So schilderte es vor zwei Jahren der stellvertretende Ebersberger Inspektionsleiter Franz Tischler der SZ. Jetzt mag er auf die Frage, ob die Polizei überhaupt personell ausreichend ausgestattet sei, um Raucher zu jagen, nicht antworten: ,,Dazu kann ich nichts sagen.''

Bleiben die Festwirte. Doch sie wollen sich die Verantwortung für die Einhaltung des Rauchverbots nicht aufdrücken lassen. ,,Ich kann doch niemanden rausschmeißen'', sagt Martin Lohmeier aus Ebersberg. Und der Vaterstettener Wirt Dausinger, der im August in Kehlheim anzapft, fragt: ,,Wie soll ich das durchsetzen? Wenn die Leute zwei, drei Maß getrunken haben, dann gibt es doch Mordstumulte.'' Deshalb noch mehr Ordner einstellen, sei ausgeschlossen. ,,Das ist nicht zu bezahlen.'' Für die Zukunft der Volksfeste sehen beide Wirte schwarz, zumal sie befürchten: ,,Der nächste Schritt wird ein Alkoholverbot sein.''

Josef Riedl, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung und Abhaltung von Volks- und Heimatfesten, der auch das Ebersberger Volksfest ausrichtet, ist da weniger pessimistisch: ,,Ich finde das gut'', sagt er zum Ausgang des Volksentscheids. ,,Das war schon eine Beeinträchtigung für alle Nichtraucher.'' An Schwierigkeiten bei der Durchsetzung glaubt Riedl nicht. ,,Das kommt doch auf den Ton an.'' Und für Ebersberg sei ein Rauchverbot in der Festhalle ohnehin kein Problem. ,,Wir haben das Volksfest mit dem schönsten Biergarten'', sagt Riedl. ,,Und ich gehe davon aus, dass wir acht Tage lang bestes Wetter haben.''

© SZ/sonn
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