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Rauchverbot in Ebersberg:In den letzten Zügen

Ein paar Tage nach Inkrafttreten des Rauchverbots ziehen die Gastwirte eine ernüchternde Bilanz. Existenzängste breiten sich aus.

"Wo sind all die Raucher hin?" Die Pop-Band "Pur" stellt diese Frage zwar über das Verschwinden der amerikanischen Indianer, doch die Melancholie des Liedes erinnert an die Situation der Qualmer in den Kneipen.

In Nick's Dorfschenke herrscht gähnende Leere. Die Gäste sind lieber im Biergarten - sofern das Wetter stimmt.

(Foto: Christian Endt)

Für jeden, der "Nick's Dorfschenke" in Zorneding betritt, wird die Problematik anschaulich. Der gemütliche Schankraum ist leer, die Gäste drängen sich auf ein paar Bänken im Vorhof - rauchend. Im Innern der Wirtschaft vergeht dem Wirt Dominik Haage bei der Erwähnung des absoluten Rauchverbotes die gute Stimmung. Er sehe durch das Inkrafttreten des Gesetzes am 1. August seine Existenz bedroht. "Meine Gaststätte war eine reine Raucherkneipe, und 95 Prozent meiner Gäste wollen auf Zigaretten nicht verzichten."

Bei gutem Wetter könne durch die Sitzplätze an der frischen Luft, wo nach Lust und Laune gequalmt werden darf, das Problem gemildert werden. Aber laut Haage wird die Untersagung des Rauchens besonders in den Wintermonaten zu einem Rückgang seines Umsatzes führen."Schon jetzt bemerke ich einen Unterschied", sagt der Wirt. Im Juli habe er seinen Gasthof bis spät in der Nacht aufgehabt.

Doch seit dem 1. August verschwinden mit dem Tageslicht auch seine Kunden. Den Gästen sei es in den Abendstunden zu kühl, und durch den Regen werde die Lust, draußen zu sitzen und zu trinken, noch weiter reduziert. Da die Gäste nicht in die Verbotszone Schankraum ausweichen wollen, gingen sie lieber nach Hause. "Ich kann das Verhalten meiner Gäste sogar nachvollziehen. Ich glaube, ich würde ähnlich handeln", sagt Haage resigniert.

Verstehen kann Johanna Schäffler, Gast im Zornerdinger Lokal "Baria", die neuen Regeln überhaupt nicht. Sie findet, das Verbot sei "eine Frechheit". Niemand werde schließlich dazu gezwungen, "in ein stinkendes Gasthaus zu gehen". Auch die Angestellten sollten, wenn sie nichts mit dem Rauch zu tun haben wollten, in alternativen Restaurants arbeiten, schimpft Schäffler weiter. Ihrer Ansicht nach hat es vor dem 1. August eine Lösung gegeben, mit der alle zufrieden gewesen seien - dass diese Regelung wieder gekippt wurde, bringt sie auf die Palme.

Ähnlich sieht das Richard Schwarz, der am Tresen des Grafinger "Mocca" sein Feierabendbier genießt. Ein Blick in den Innenraum wirft die Ausgangsfrage erneut auf. Der Raum ist nicht nur rauch-, sondern auch nahezu gästefrei - lediglich ein Tisch ist besetzt. Die Mehrheit der Besucher zwängt sich auf die schmale Terrasse.

Kellnerin Jessica Christiansen ist vom verschärften Nichtraucherschutz nicht gerade angetan: "Nach 22 Uhr dürfen wir draußen nicht mehr bedienen. Außerdem beschweren sich Anwohner über den Lärm und den vermehrten Müll." Schwarz, der Gast, fürchtet, dass in Bars und Clubs künftig nicht mehr viel los ist und es schneller langweilig werden könnte. Wirklich Mitleid habe er aber nicht, denn "die Raucher hätten ja zur Wahl gehen können".

Dominik Haage, der Wirt aus Zorneding, schüttelt ebenfalls über die mangelnde Beteiligung am Volksentscheid den Kopf. Er habe sich im "Wahlkampf" engagiert und die Unterstützung anderer Gastwirte aus der Umgebung vermisst.

Der Chef des "Motto" in Ebersberg, Borislav Vartovsky, sieht ebenfalls Probleme durch das absolute Rauchverbot - das er kurz und knapp "idiotisch" findet - auf sich zukommen. Er vermutet, dass der Wahltermin am 4. Juli den Befürwortern des Nichtraucherschutzes geholfen habe. "Am 3. Juli hat Deutschland gegen Argentinien bei der Fußball-WM mit 4:0 gewonnen." Viele junge Leute hätten dies zu ausgiebig gefeiert und dann den Wahltermin verschlafen, behauptet er.

"Das Zusammensitzen wird in den privaten Bereich verlagert", befürchtet Franz Schwaiger, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, und ist sich sicher, dass viele Gastwirte in arge Bedrängnis gebracht werden. Die Bedeutung für die Gastwirte lässt sich bislang nur abschätzen, aber Haage geht von einem Umsatzrückgang von 35 Prozent aus. Tanja Zährl, Inhaberin des "Baria", befürchtet sogar bis zu 70 Prozent.