Pünktlich zum JubiläumsfestBlick auf die Anfänge

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Das Sport- und Erholungsgelände Vaterstetten feiert 30-jähriges Bestehen. Eine Ausstellung widmet sich der Entstehungsgeschichte der einst umstrittenen Anlage

Von Luisa Seeling

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Sie haben in den Archiven gewühlt und sind fündig geworden: Helmut Schlund und Karin Stammel vom TSV Vaterstetten (rechte Seite) mit Martin Wagner, Zweiter Bürgermeister Vaterstettens (links). Foto: Christian Endt
Sie haben in den Archiven gewühlt und sind fündig geworden: Helmut Schlund und Karin Stammel vom TSV Vaterstetten (rechte Seite) mit Martin Wagner, Zweiter Bürgermeister Vaterstettens (links). Foto: Christian Endt Christian Endt, Fotografie & Lic

Jubiläen sind nicht nur ein Anlass zum Feiern, sondern auch eine Gelegenheit, noch einmal auf die Anfänge zurückzublicken. Mit der Entstehungsgeschichte des Sport- und Erholungsgeländes Vaterstetten, das am 3. August sein 30-jähriges Bestehen feiert, befasst sich nun eine Ausstellung im Foyer des Vaterstettener Rathauses. Am 15. Juli wandert sie weiter in die örtliche Filiale der Kreissparkasse, bevor sie - pünktlich zum Jubiläumsfest - auf dem Sportgelände gezeigt wird.

Die Idee, eine Ausstellung zu konzipieren, entstand im Zuge der Vorbereitungen für das Jubiläum. Mehr als zwei Monate arbeiteten Helmut Schlund und Karin Stammel vom TSV Vaterstetten mithilfe der Gemeindearchivarin Ulrike Flitner an dem Projekt. Sie durchwühlten die Gemeindearchive, riefen aber auch die Bürger dazu auf, Bilder zu bestimmten Themen einzureichen. So kam einiges zusammen: maschinengeschriebene Protokolle aus den damaligen Gemeinderatssitzungen, Original-Baupläne, Fotos, Zeitungsartikel und Plakate von Wettkämpfen, die später auf dem Sportgelände ausgetragen wurden. Nichts davon war digitalisiert, "damals wurde ja nicht digital archiviert", sagt Schlund. Auf Stellwänden werden die Exponate ausgestellt, sorgfältig beschriftet.

Der Stadion- und Sportstättenbau war anfangs durchaus umstritten, erzählt Martin Wagner, Zweiter Bürgermeister von Vaterstetten. "Damals hat man die Pläne im Gemeinderat als größenwahnsinnig geschmäht." Vor allem die "für damalige Verhältnisse sehr vielen Parkplätze" hätten die Gemüter erregt. Heute könne man jedoch sagen, dass es eine "weise, nachhaltige und zukunftsträchtige Entscheidung" war. Den Bau vorangetrieben hatten vor allem die Leichtathleten. Günther Koch, damals Vorsitzender des TSV Vaterstetten, und die Gründungsmitglieder Ernst Lackner und Walter Bayerlein starteten die Initiative "Vaterstetten braucht einen Sportplatz", für die es sogar ein eigenes Logo gab. Die Gemeinde war in jenen Jahren rasant gewachsen, und die bestehenden Sportplätze - darunter die Schulsporthalle und ein Bolzplatz an der Baldhamer Straße - reichten vorne und hinten nicht. Koch und Lackner arbeiteten Pläne für den Bau einer Sportstätte aus. Als sie diese jedoch im Gemeinderat einbringen wollten, erfuhren sie, dass der damalige Vaterstettener Bürgermeister, Martin Berger, bereits ein anderes Gelände anvisiert hatte - eben jenes, auf dem das Sport- und Erholungsgelände später errichtet wurde. Im Gemeinderat stieß das Projekt wegen der hohen Kosten auf Kritik. 17,5 Millionen Mark sollte der Bau kosten. Das Grundstück selber konnte die Gemeinde gegen Ackerland eintauschen - nur so konnte sich Vaterstetten so viel Baugrund leisten. "100 000 Quadratmeter Bauland wären heute gar nicht mehr bezahlbar", meint Schlund, und Wagner ergänzt: "Es war ein Kraftakt für die Gemeinde Vaterstetten. Es war eine zukunftsweisende Sache, aber damals war es extrem schwierig. Wir hatten Bauchschmerzen, ob wir uns das überhaupt leisten können." 1978 wurden bei einem Ideenwettbewerb 33 Gestaltungsvorschläge eingereicht und geprüft. Im gleichen Jahr wurde der Bau genehmigt, 1981 war Baubeginn. 1983, nach einer mit nur fünf Jahren relativ zügigen Durchführung, konnte trotz einer fehlenden Tribüne Einweihung gefeiert werden.

Etliche Meisterschaften haben seither auf dem Sportgelände stattgefunden. 1993 wurden dort erstmals die Deutschen Mehrkampfmeisterschaften ausgetragen, es war zugleich die Qualifikation für Olympia. Bis heute ist das Sportgelände Vaterstetten ein "Mekka des Mehrkampfs", sagt Schlund nicht ohne Stolz. Nicht nur der TSV profitiert von dem Sportgelände, auch andere Sportvereine wie die Fußballer des SC Baldham Vaterstetten trainieren auf den zahlreichen Haupt- und Nebenplätzen. Natürlich haben nicht alle Sportveranstaltungen den gleichen Andrang, räumt Wagner ein, die Fußballer spielten Bezirksliga, da sei "das Haus natürlich nicht voll". Doch bei Mehrkampfmeisterschaften mit über 500 Teilnehmern sei im Stadion richtig viel los. Und manchen Erfolg könne man ohnehin nicht an den Zuschauerzahlen allein ablesen, ist Schlund überzeugt: Der Unterbau an Jugendmannschaften gehöre in Vaterstetten zu den besten in ganz Bayern - auch deshalb, weil das Gelände mit seinen vielen Sportplätzen hervorragende Jugendarbeit ermögliche.

© SZ vom 10.07.2013 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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