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Public Viewing:Gemeinsam jubeln

"Es wird eine gute Stimmung werden, wenn alle zusammenkommen", verspricht der Veranstalter des Public Viewings auf dem Ebersberger Volksfestplatz.

(Foto: Christian Endt)

Festplatz oder Pfarrsaal: Wo sich Fans zum Fußballgucken treffen

Fußball gucken macht glücklich. Das bestätigt eine Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Während der Europameisterschaft 2016 befragten Wissenschaftler zirka 1000 Fans nach ihrer Lebenszufriedenheit. Die Menschen, so das Ergebnis, waren während des Turniers zufriedener als davor und danach. Auch fanden die Wissenschaftler heraus, dass das Emotionserleben beim Fußballschauen bei den Personen deutlich intensiver war, die zum Public Viewing oder in den nächst gelegenen Biergarten gingen.

Wer seine Lebenszufriedenheit steigern möchte, sollte sich die Spiele live auf Großbildleinwänden ansehen: etwa auf dem Ebersberger Volksfestplatz. Dort zeigt der TSV Ebersberg unter freiem Himmel alle Deutschland-Spiele sowie sämtliche Partien an den Wochenenden. Organisieren werden das die Handballerinnen der Abteilung Forst United und die TSV-Fußballer gemeinsam. Wie Felix Mäsel, Teammanager von Forst United, erzählt, wird die Video Wall der Handballabteilung auf dem Volksfestplatz installiert, die Fußballer bringen ihren Food-Anhänger. So können man die Fans mit allerhand Köstlichkeiten, Bier und Drinks versorgen - und als Verein noch ein wenig Geld verdienen.

"Die Einnahmen werden geteilt und kommen dem Spielbetrieb zugute", sagt Mäsel. Die Zusammenarbeit der Sportler sei großartig. "Es wird eine gute Stimmung werden, wenn alle zusammenkommen." Um den ehrenamtlichen Einsatz publik zu machen, richteten die Organisatoren eine eigene Webseite ein. Unter www.fanmeile-ebe.de können Interessierte nachsehen, welche Spiele übertragen oder je nach Witterung gestrichen werden. Nach dem letzten Spiel am Sonntag, 15. Juli, findet in der Volksfesthalle eine Fanmeilen-Party, mit DJ und Barbetrieb statt.

Das Ebersberger Seecafé verbindet sein Public-Viewing-Angebot mit einem Integrationsprojekt. Pächter Christopher Appler kündigt an, in seinem Café am Klostersee bei trockenem Wetter alle WM-Spiele zu übertragen. Zudem können Senegalesen kostenlos essen und trinken, wenn ihre Mannschaft im Einsatz ist, wie erstmals am Dienstag, 19. Juni, 17 Uhr. An diesem Abend wird senegalesisch gekocht und gefeiert. Auf diese Weise möchte der Chef des Seecafés Asylsuchenden aus Westafrika eine Möglichkeit bieten, sich zu integrieren. Da die Fußballspiele nur bei trockenem Wetter übertragen werden können, empfiehlt sich ein Blick auf die Webseite des Veranstalters unter www.facebook.com/seecafe.

Die evangelische Christuskirche in Poing organisiert unter dem Motto "Würstchen, Wunder und WM" Public Viewing im Gemeindesaal. Grillmeister sorgen dafür, dass niemand vor Aufregung vom Fleisch fällt. Und auch für die passenden Getränke ist selbstverständlich gesorgt. Das Wort "Wunder" solle man verstehen als Brücke, sagt Vikar David Scherf. Manchen sei das "Wunder von Bern" ein Begriff, als Deutschland 1954 überraschend Weltmeister wurde. Und Wunder spielten auch in der Kirche eine große Rolle. Scherf, als Hamburger bekennender Paulianer und lange selbst als Schiedsrichter aktiv, macht kein Hehl daraus, dass er großer Fußballfan ist. Man habe sich das mit dem Public Viewing aber genau überlegt, sagt der Vikar angesichts des WM-Gastgeberlands und der Skandale bei der Fifa. Doch so tun, als ob es das Turnier nicht gäbe, könne man auch wieder nicht. So kommen die Erlöse aus einem Tippspiel SOS-Kinderdörfern in der Ukraine zugute.

Die Zornedinger Pfarrjugend wird wie bereits vor vier Jahren zusammen mit weiteren Fans die Nationalelf im Martinstadl, Ingelsberger Weg 2, anfeuern - und hoffentlich bis zum Sieg mitfiebern, teilen sie auf ihrer Homepage www.st-martin-zorneding.de mit. Übertragen wird in HD auf einer großen Leinwand jedes Spiel mit deutscher Beteiligung sowie das Finale. Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Spielbeginn. Dem deutschen Team gemeinsam die Daumen drücken heißt es auch für die Fans in Mauro's Restaurant, der Weinstube zum Sirtl in Grafing. Von Freitag an sind dort die Spiele der Fußball-WM zu sehen.

Egal, ob Fans die Fußballspiele unter freiem Himmel vor der Leinwand verfolgen oder in der eigenen Wohnung, mit Freunden im Garten oder auf der Terrasse, immer gilt das Rücksichtnahmegebot, auf das der Mieterverein München verweist. Die Toleranzgrenze der Nachbarn mag während der Weltmeisterschaft ein wenig höher sein, rechtlich aber gebe es keine Sonderregelung für besondere Ereignisse, teilt der Mieterverein mit. Nach 22 Uhr ist Nachtruhe. Auch im Sommer während der Weltmeisterschaft.