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Prophetisches Interview:Hingerls Landkreis

Noch hat die SPD ihren Landratskandidaten nicht gekürt. In einem Parteiblatt skizziert ihr Poinger Bürgermeister aber schon mal ausführlich Grundzüge einer künftigen Kreispolitik

Wer Landrat werden will, wird sich in zentralen Zukunftsthemen zu Wort melden. Der Kandidat könnte dann etwa für folgende Positionen werben: Er spricht sich gegen die Erhöhung der Kreisumlage als willfähriges Mittel aus, die Finanzen des Landkreises auszupolstern, sondern plädiert für strenges Sparen. Er wirbt für die interkommunale Zusammenarbeit, um Kosten einzusparen und Personal effektiver zu nutzen, und führt als Beispiel die erfolgte Zusammenlegung der Standesämter an. Er hält den Landkreis bei der Energiewende auf einem guten Weg und mahnt eine Unterstützung der kleinen Gemeinden an. Er schreibt es ihm als besonders wichtige Aufgabe zu, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Genannte Punkte ergäben in der Summe schon ein hübsches Programm, mit dem es sich durchaus auf Stimmenfang um das höchste politische Amt im Landkreis gehen ließ.

Poings Bürgermeister Albert Hingerl hat diese seine Sicht auf die Dinge und Lösungsansätze für die Herausforderungen der nächsten Jahre nun in aller Öffentlichkeit detailliert formuliert. Die Parteikollegen aus Anzing räumten ihm hierfür in der jüngsten Ausgabe ihres Ortsblattes breiten Raum ein. Allein die Überschrift "Der Landkreis Ebersberg - Politik aktiv gestalten" taugte als Motto für einen Wahlkampf. Doch die Frage nach einer möglichen Kandidatur bleibt in dem dreiseitigen Interview mit dem Rathauschef der Nachbargemeinde und Fraktionschef im Kreistag ausgespart. Was nicht überrascht. Schließlich hält sich die SPD noch immer bedeckt, wem aus ihren Reihen sie die Nachfolge des erkrankten und scheidenden Landrats Gottlieb Fauth zutraut.

Also mag es reiner Zufall sein, dass die Nachbarn zum Jahresende den populären Bürgermeister aus Poing und damit Hoffnungsträger der Partei auf Kreisebene einfach mal so über seine Erfolge, Erfahrungen und Einsichten in der Landkreispolitik räsonieren und referieren lassen. Das Interview könnte freilich auch ganz bewusst publiziert worden sein, als stillschweigender Auftakt des Wahlkampfes. Hingerls Antwort auf die unschuldig daherkommende Schlussfrage, welche Fähigkeiten der neue Landrat mitbringen sollte, lässt sich nämlich mühelos auch als Selbstbeschreibung lesen: "Die Person sollte auf Augenhöhe mit den Kommunen Moderator und auch Dienstleister zwischen Landkreis und Gemeinden sein."