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Programm der Grafinger Stadthalle:Puderdosen, Waschmänner und andere Exoten

Geboten ist in der neuen Saison allerhand Kabarett, Musik und Kindertheater. Gespielt wird nach wie vor in der Turmstube ebenso wie im großen Saal

Wer wissen möchte, was die neue Saison der Grafinger Stadthalle - neben der Stadtratsentscheidung zwischen Sanierung und Neubau - Spannendes bereit hält, sollte gleich zur Eröffnung am Sonntag, 22. September, gehen. Bei einem Frühschoppen sind nämlich nicht nur erstmals die Isarschiffer zu Gast, es gibt auch eine andere Art der Premiere: Hausherr Sebastian Schlagenhaufer wird das neue Jahresprogramm vorstellen. Der Vorverkauf hat bereits begonnen, "und wer weiß, vielleicht ist das ein oder andere ein wenig erklärungsbedürftig", sagt Schlagenhaufer und lächelt wissend.

Was das Konzept angeht, gibt es allerdings heuer nichts Neues, die Stadthalle setzt auf die bewährten Formate in Saal und Turmstube. Besonders beliebt sind die "Mixed Shows", Überraschungsabende mit jeweils vier Künstlern. Großer Andrang herrscht auch immer beim "Jazz im Turm", den die Musikerinitiative Jazz Grafing einmal im Monat veranstaltet. Los geht's am Donnerstag, 26. September, da wird die Sängerin und Pianistin Alexandra Fischer beim "Crossover" mit ihrem Quartett verblüffende Vielseitigkeit beweisen. Der Eintritt zu den Jazzabenden ist frei, eine Reservierung wird jedoch empfohlen. Zu den Dauerbrennern in der Turmstube zählt auch das Pub-Quiz, gleich drei Mal wollen Schlagenhaufer und sein Team wissen: "Wie schlau ist unser Publikum?" Der erste Rätselabend findet am Donnerstag, 24. Oktober, statt. Ebenfalls erneut im Programm: ein Poetry Slam, und zwar diesmal mit barischen Dichtern (Donnerstag, 21. November). Und lachen im Dienste der Wissenschaft kann man wieder beim Science Slam am Donnerstag, 23. April.

Weinbeisser - Holger Paetz

Der Kabarettist Holger Paetz tritt neben anderen Künstlern in der Grafinger Stadthalle auf.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Doch zurück zu den Isarschiffern: Das Volkssängerpaar Doro und Rainer Berauer möchte mit einer unverwechselbaren, frischen Mischung begeistern: "Die beiden polieren eine verstaubt geglaubte Tradition mit modernen Elementen wie Slapstick und schräger Minimalistik zur perfekten Kurzweil auf", heißt es in der Ankündigung. "Bayrisch-musikalisches Kabarett - Sens und Nonsens wechseln turbulent. Prädikat: Öha!" Da es sich bei der Veranstaltung um einen Frühschoppen handelt, ist Einlass und Beginn um 11 Uhr, es gibt Weißwürste und vegetarische Brotzeit. "Mit Musik geht alles besser", finden die Dresdner Salon-Damen, die Entertainer Günter Schulzke am Samstag, 28. September, in der Stadthalle präsentiert. In Spitzenkleider gehüllt und mit stilvollen Hüten gekrönt wollen die Musikerinnen das Publikum mit Liedern der 20er bis 50er Jahre in eine zeitlose Traumwelt entführen.

Ein Hochkaräter, auf den sich vermutlich nicht nur Schlagenhaufer schon sehr freut, ist der österreichische Kabarettist Stefan Waghubinger, der am Donnerstag, 10. Oktober, den Saal in einen Dachboden verwandeln wird. In seinem dritten Soloprogramm nämlich hat es Waghubinger ganz nach oben geschafft: Auf dem Speicher seiner Eltern sucht er eine leere Schachtel und findet den, der er mal war, den, der er mal werden wollte, und den, der er ist. "Glänzende Unterhaltung trotz verstaubter Oberflächen" ist angekündigt. "Aber Vorsicht, zwischen den morschen Brettern geht es in die Tiefe."

Michael Tasche im "Theater für Kinder" in München, 2018

Das Münchner Kindertheater wird mit einer Aufführung des Stücks "Der kleine Lord" ein Spotlight in der dunklen Jahreszeit sein.

(Foto: Florian Peljak)

Einen nicht ganz jugendfreien "Weiberabend" bietet das Kabarettduo Die Puderdose am Donnerstag, 17. Oktober: Claudia Schuma aus Frankfurt und Irene Weber vom Niederrhein kennen sich von der Schauspielschule in Ulm - und haben längst keine Lust mehr auf niedlich. Darum rücken sie mit beißender Ironie und einer Prise gepflegten Damenwitzes harten Fakten und gesellschaftlichen Missständen zu Leibe. Die Puderdose macht Kabarett zu sogenannten Frauenthemen, authentisch und unkonventionell, denn sie stoppt dabei nicht an der Gürtellinie.

"Alles kommt auf den satirischen Seziertisch und wird in klassischen Kabarettnummern, Comedydarbietungen oder herzzerreißenden Liedern zerlegt, auf einer höheren Ebene wieder zusammengesetzt und mit neuem (Un)Sinn versehen." Anspruchsvolle Lieder in bairischem Dialekt sind das Markenzeichen der Gnadenkapelle um Sängerin Kathrin Nagy aus Forstinning, die am Freitag, 8. November, den Turm bespielt. Die Combo begibt sich auf eine Reise in heikle Gefühlsbereiche, die sie mit Ironie betrachtet und in vielen Klangfarben ausleuchtet. Weiter geht es mit zwei "Waschmännern", Flo und Wisch, machen am Donnerstag, 14. November, in der Turmstube sauber. "Selbst ist der Mann" laute das Motto einer neuen Generation Männer, von der die beiden Musikkabarettisten entrüstend ehrlich und unwiderstehlich genial Zeugnis ablegen. "Die zwei Waschmänner machen Kleinkunst ganz groß - in einer emotionsgeladenen Show mit Hit- und Gänsehautgarantie!"

Auch die junge Kabarettistin Franziska Wanninger findet ihren Platz im Herbst/Winter-Programm in Grafing.

(Foto: Christian Endt)

Erstmals erleben kann man in der Stadthalle einen Jahresrückblick - und zwar mit keinem Geringeren als Holger Paetz . Am Sonntag, 8. Dezember, wird der Münchner Kabarettist im Saal ein verbales Feuerwerk aus höchst politischen und aktuellen Beobachtungen abfackeln - Satire sowie Tiefgang inklusive. Kurz vor Weihnachten bietet die Stadthalle dann eine Veranstaltung für die ganze Familie: Das Münchner Theater für Kinder ist am Freitag, 20. Dezember, um 15 Uhr mit dem Klassiker "Der kleine Lord" in einem modernen Gewand zu Gast. Die Geschichte von dem armen Jungen, der das Herz seines greisen Großvaters zu erweichen und mithilfe seiner Freunde eine Betrügerin zu entlarven vermag, ist so wertvoll wie berührend. Wer an Neujahr noch nichts vorhat, ist ebenfalls in der Stadthalle willkommen: Bei der Gala am Mittwoch, 1. Januar, präsentiert Günter Schulzke ein abwechslungsreiches Programm aus Operettenmelodien und Überraschungen. Ein Teilerlös geht an die Kinderkrebshilfe Ebersberg.

"G'essn wird dahoam" heißt es am Freitag, 10. Januar. Da sind Eva Petzenhauser und Stefan Wählt zu Gast. Auf dem Programm steht "ganz viel Musik, jede Menge Spaß und Tiefgründigkeit aus dem Alltag - ohne erhobenen Zeigefinger". "100 Jahre Liegestuhl" beleuchtet der Liedermacher El Mago Masin am Donnerstag, 12. März, und "Rampensau" Franziska Wanninger gibt sich am Samstag, 4. April die Ehre im großen Saal. "Die startet jetzt total durch, hält uns aber trotzdem die Stange und kommt wieder", freut sich Schlagenhaufer.

Benefiz-Gala zum 50. Geburtstag von Amnesty International in München, 2011

Der Liedermacher El Mago Masin.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Ganz besonders gespannt ist der Intendant auf den Auftritt von Da Oimara am Donnerstag, 23. Januar: Beni Hafner, wie er im echten Leben heißt, bezeichnet sich als bayerischer Songwriter, moderner Gstanzler, Improvisateur - "bluesig, funky, witzig, neu". Der gebürtige Tegernseer streichelt wie kein anderer die Saiten seiner Gitarre, sie dankt es ihm mit einem rhythmischen Seufzer. Als würde sie sagen: "Leck mi am Oasch, tuat des guad". Schlagenhaufers Prophezeiung ist eindeutig: "Der wird groß."

Karten gibt es unter www.ticket-regional.de, in den Bücherläden in Grafing (Slawik und Braeuer), Kirchseeon und Aßling oder an der Abendkasse.

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