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Probefahrt im Landkreis Ebersberg:Fast lautlos durch die Landschaft

Auf zwei Linien im Landkreis wird in dieser Woche ein Elektrobus getestet. Die ersten Eindrücke sind durchaus positiv

Normalerweise steigen sie in einen ganz gewöhnlichen Bus des Münchener Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Deshalb staunen die Fahrgäste erst einmal, als der Elektrobus an der Bushaltestelle stehen bleibt. Ganz anders ist das Innendesign des Busses: Die Busverkleidung ist mit hellbraunem synthetischen Leder bezogen, die Sitze haben ein modernes schwarz-weißes Muster und vor allem die blauen LED geben einem das Gefühl, in einem Science-Fiction Bus zu sitzen. Das schicke Design des Busses von dem französischen Bushersteller Heuliez steht aber nicht im Vordergrund. Wie es der Aufkleber bereits verrät, handelt es sich um einen "Zero Emission"-Elektrobus. Und dieser ist im Landkreis Ebersberg in dieser Woche auf den Linien 443 rund um Steinhöring und 447 zwischen Grafing und Aßling im Testeinsatz unterwegs.

Die Erfahrung mit dem Bus ist als Fahrgast recht angenehm, kaum hört man ein Geräusch, vom Rollen der Reifen und dem Plätschern der Regentropfen gegen die Fensterscheiben abgesehen. Ohne den ratternden Lärm fühlt es sich fast an, als würde der Batteriebus gleiten. 29 Sitzplätze gibt es, einige sind wie in den gewöhnlichen Bussen auch für Senioren und Menschen mit Handicap reserviert. Die Maße entsprechen denen eines dieselbetriebenen Busses, er ist zwölf Meter lang, 2,5 Meter breit und 3,35 Meter hoch. Zu voll darf es im Bus allerdings nicht werden, denn der E-Bus ist auf ein zulässiges Gesamtgewicht von 20 000 Kilogramm beschränkt.

Innen sieht der Bus ungewöhnlich aus, das Besondere ist aber sein Motor.

(Foto: Christian Endt)

Und wie ist die Erfahrung als Busfahrer? Petar Drumev erlaubt einen kleinen Einblick. Er arbeitet seit sieben Monaten als Busfahrer für den MVV und darf den Testbus von Aßling nach Grafing fahren. Ihm gefällt die geringe Lautstärke des Elektromotors, der von Lithium-Ionen-Akkus versorgt wird. Die Leistungsfähigkeit bleibt jedoch unter der des dieselbetriebenen Vorläufers: Der E-Bus hat eine Leistung von 195-PS, bei den üblichen Linienbussen sind es 326 PS. 70 bis 75 Kilometer pro Stunde fährt Drumev maximal; der Hersteller hat die vorgeschriebenen 80 Kilometer pro Stunde für das Fahrzeug vorgesehen. "Es wird kritisch, wenn der Bus bergauf fährt, da wird er langsam", so Drumev. Ein anderer Nachteil ist ihm beim Lenken nicht aufgefallen. "Der Bus startet aber ohne Schlüssel", das findet er sehr praktisch.

Und wenn der Bus plötzlich stehen bleibt? Für den Fahrer eines dieselbetriebenen Busses ist das Problem schnell gelöst, denn Tankstellen gibt es genug. Bei einem Elektrobus ist das mit etwas mehr Aufwand verbunden. "Ein Elektrobus benötigt eine Ladestation, wir haben für den Testgang eine vorläufige aufgestellt", erklärt die Pressesprecherin des MVV, Franziska Hartmann.

Neun Stunden sollten für eine volle Aufladung des Busses genügen. Wie lange dies anhält variiert, denn die Art der Strecke und die Klimatisierung des Fahrzeugs tragen zu Abweichungen bei. Nach etwa 300 Kilometern Strecke empfiehlt der Hersteller, den Bus wieder aufzuladen . "Ich bin 20 Kilometer von Frauenneuharting bis Grafing gefahren, fünf Prozent wurden dabei verbraucht. Gestern fuhr der Bus aber 320 Kilometer und hatte noch 20 Prozent Akku übrig", so Busfahrer Drumev. Im Gegensatz dazu verbleibt ihm jedoch wenig Akku, da beim Beginn seiner Schicht der Akkustand des Busses nach einer unvollständigen Ladung über Nacht bloß 40 Prozent anzeigte. Er wird vermutlich früher zum Wiederaufladen zurückfahren.

Fahrer Petar Drumev ist vom neuen Bus recht angetan.

(Foto: Christian Endt)

Der E-Bus-Projektleiter des MVV, Detlev Metzner, hat für den Testbetrieb ein provisorisches, mobiles Ladegerät für 15 000 Euro eingesetzt. Für den Regelbetrieb wäre eine komplette Aufladeanlage vonnöten, diese würde mit etwa 75 000 Euro zu Buche schlagen. "Für Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur werden in der Regel Fördermittel gewährt", versichert Metzner. Ein E-Bus-Einsatz strapaziert dennoch das Budget, denn ein solches Fahrzeug allein kostet doppelt so viel wie ein Dieselbus, nämlich 500 000 statt 250 000 Euro.

Die Entscheidung, ob E-Busse künftig im regulären Betrieb eingesetzt werden, liegt in der Hand des Landkreises, der MVV nimmt lediglich den Auftrag an, sollte dieser gestellt werden. "Unser Landkreis hat 2018 mit Experten und den Gemeinden ein E-Mobilitätskonzept erarbeitet. Dazu würde eine schrittweise Umstellung der Linienbusse auf Elektrofahrzeuge sehr gut passen", so Landrat Robert Niedergesäß. Der Frage, ob Elektrobusse auch auf dem Land sinnvoll eingesetzt werden können, möchte der Landkreis mithilfe dieses Testeinsatzes auf den Grund gehen.

© SZ vom 21.08.2019