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Beamte an der Belastungsgrenze:Polizisten im Landkreis häufen weiterhin Überstunden an

Es muss nicht immer ein Verbrechen sein: Auch das Informieren von Bürgern, wie sie sich vor Einbrechern schützen können, gehört zu den Aufgaben der Beamten.

(Foto: Christian Endt)

Bayernweit ist die Zahl der Mehrarbeit bei der Polizei gesunken. In den Inspektionen Ebersberg und Poing ist davon wenig zu spüren.

Wenn bei der Polizei die Alarmglocken schrillen, bedeutet das in aller Regel Arbeit für die Beamten. Doch die Sirenen heulen auch im übertragenen Sinn immer lauter: Frisches Personal lässt weiter auf sich warten, während die Zahl der Einsätze kontinuierlich steigt. Das führt unweigerlich zu höherer Arbeitsbelastung - und zu Überstunden. Nun gibt es aber zumindest für die bayerischen Beamten eine leichte Entwarnung aus dem Innenministerium. Aktuellen Zahlen zufolge ist die Menge der Überstunden im vergangenen Jahr leicht gesunken - eine Entwicklung, die man in den Landkreisinspektionen Poing und Ebersberg nur zum Teil nachvollziehen kann. Dort schieben die Beamten weiterhin fleißig Extraschichten, auch weil der erhoffte Personalzuwachs bislang ausgeblieben ist.

Insgesamt haben die bayerischen Polizisten im Vorjahr 2 126 236 Überstunden angehäuft. Das sind vier Prozent weniger als noch 2017. Laut Joachim Herrmann (CSU) soll diese Entwicklung auch 2019 konsequent fortgesetzt werden. Zumindest für die Inspektionen im Landkreis Ebersberg dürfte der Plan von Bayerns Innenminister aber nicht aufgehen. "In diesem Jahr schaut es so aus, als würden die Überstunden wieder leicht zunehmen", sagt etwa Poings Polizeichef Helmut Hintereder. Zwar konnte die Inspektion im nördlichen Landkreis 2018 ebenfalls ihre Mehrarbeit von 3100 auf 2893 Stunden drücken, ein dauerhafter Rückgang zeichnet sich aber nicht ab. Derzeit liege man Hintereder zufolge bei 2750 Stunden, Tendenz steigend. "Komplett abbauen werden wir die sicher nicht können", sagt der Poinger PI-Chef.

Die Einsätze werden immer mehr, das Personal aber nicht

Auch sein Kollege aus der Kreisstadt hat nur wenig Positives zu berichten. Zwar will Ulrich Milius keine konkreten Zahlen nennen, die Menge der Überstunden sei in den vergangenen Jahren aber stetig gestiegen. Der Chef der Ebersberger Polizeiinspektion führt das vor allem auf die Zahl der Einsätze zurück, die deutlich zugenommen habe. Mit gleichbleibender Personalstärke sei das eben immer schwerer zu stemmen, sagt er.

Milius spricht damit ein Problem an, das eigentlich schon hätte gelöst sein sollen. Bei seinem Besuch im Rahmen des Blaulichtempfangs im Oktober vergangenen Jahres hatte Innenminister Herrmann noch "eine zweistellige Zahl" an neuen Beamten für den Landkreis versprochen. Davon haben die beiden Inspektionen bisher aber nur wenig zu spüren bekommen. Zwar seien im März diesen Jahres tatsächlich neue Kollegen dazugekommen, sagt Helmut Hintereder, "wir haben aber auch Abgänge zu beklagen, weshalb die Besetzung unterm Strich gleich geblieben ist".

Ganz ähnlich sieht es in Ebersberg aus. Auch dort sind neue Kollegen zum Team gestoßen, zu einer Personalmehrung habe das laut Ulrich Milius aber nicht geführt, im Gegenteil. Durch die ganze Fluktuation habe man derzeit sogar eine Arbeitskraft weniger als noch vor einem Jahr. Dass das Einsatzpensum überhaupt zu stemmen ist, liegt Milius zufolge vor allem an den vielen jungen und engagierten Kollegen. "Die sind zwar belastbarer, aber das hat auch irgendwann seine Grenzen", sagt der PI-Chef. Man müsse aufpassen, dass man seine Leute nicht verbrennt.

Das Innenministerium will die Arbeitsbelastung besser verteilen

In den beiden Polizeiinspektionen setzt man deshalb auf die Unterstützung der Politik. "Wir hoffen, dass der Innenminister sein Versprechen einhält und wir mehr Personal bekommen", sagt Milius. Tatsächlich kündigt die Behörde einen kräftigen Personalaufbau an, heuer stünden einer Mitteilung zufolge etwa 1300 neue Polizistinnen und Polizisten als Verstärkung bereit - ein Rekordwert, wie Joachim Herrmann betont. Bis 2023 soll die Bayerische Polizei um insgesamt 3500 zusätzliche Stellen aufgestockt werden. Dadurch, so heißt es aus dem Staatsministerium in München, solle die hohe Arbeitsbelastung besser verteilt werden.

Wann davon auch im Landkreis Ebersberg etwas zu spüren sein wird, ist indes weiter offen. "Das geht natürlich nicht von heute auf morgen", sagt Ulrich Milius. Schließlich müssten die Polizisten ja erst ausgebildet werden. Die beiden PI-Chefs blicken deshalb zunächst gespannt dem September entgegen. Dann ist der nächste Zuteilungstermin für neue Beamte - und beide hoffen, dass ihre Inspektionen nun endlich auch nachhaltig davon profitieren werden.

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