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Entscheidung des Ministeriums:Poing erhält Absage für Wasserstoffzentrum

Wasserstoffgipfel in Düsseldorf

Symbolfoto,

(Foto: dpa)

Die Gemeinde wird nicht der bayerische Standort-Bewerber für das Deutsche Technologie-Anwenderzentrum.

Von Johanna Feckl, Poing

Die Zeichen standen für Poing durchaus gut, gereicht hat es trotzdem nicht: Poing geht nicht mit einer Fläche im Ortsteil Grub als bayrischer Bewerber in das bundesweite Rennen, Standort für das Deutsche Technologie-Anwenderzentrum Wasserstoff (WTAZ) zu werden. Das Bayerische Wirtschaftsministerium hat sich entschieden, mit Markt Pfeffenhausen im Landkreis Landshut den Versuch zu starten, das WTAZ nach Bayern zu holen, wie das Ministerium in einer Pressemitteilung bekannt gab. "Schade", sagte Poings Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) auf SZ-Nachfrage, "aber dann ist das halt nun so".

"Die Verkehrswende ist am Laufen und Wasserstoff ist ein Teil von ihr", sagte Tobias Brunner, Geschäftsführer der Hynergie GmbH, in der Gemeinderatssitzung Mitte Dezember, als die Gemeinderäte über eine Poinger Bewerbung entschieden. Die Hynergie GmbH kümmert sich federführend um die Projektumsetzung des geplanten WTAZ und ist maßgeblich an einem Wasserstoff-Zentrum in China beteiligt. Brunner erklärte damals, dass das geplante WTAZ in Deutschland sowohl Forschungszwecken dienen solle, aber auch der Dienstleistungssektor ein wichtiges Standbein werde. Im Bereich der Forschung werde auch die Lehre für Master-Studierende und Doktoranden am Standort eine Rolle spielen, zusammengearbeitet wird dafür mit der TU München.

Außerdem, so Brunner weiter, werde das Zentrum seinen Schwerpunkt auf die Anwendung im Automobilbereich legen; daneben gibt es auch noch die Sektoren Raum- und Schifffahrt. Brunner betonte, dass am Standort keine Elektrolyse durchgeführt werden soll, also kein Wasserstoff gewonnen wird. Der Wasserstoff werde antransportiert, im WTAZ dann daran geforscht und mit seiner Hilfe produziert. Um die 3,5 Hektar große Forschungseinrichtung herum soll ein etwa fünf Hektar großer Gewerbepark entstehen. Laut Projektausschreibung soll damit kleinen und mittelständigen Betrieben sowie Start-ups eine Entwicklungsraum geboten werden, um sich für einen internationalen Wettbewerb positionieren zu können.

In der Sitzung hatten sich die Gemeinderäte darauf geeinigt, sich mit dem Gruber Grundstück, das sich im Besitz der Bayerischen Staatsgüter befindet, als Standort zu bewerben - dagegen stimmte nur Grünen-Gemeinderat Daniel Becker. Er äußerte in der damaligen Sitzung seine Bedenken über die recht kurzfristig angesetzte Entscheidung und auch über die notwendige Flächenversiegelung, die im Falle der Fälle auf Poing zukommen würde. Diese Punkte sahen zwar auch die übrigen Gemeinderäte, doch fiel deren Abwägung anders aus. So erklärte Bärbel Kellendorfer-Schmid (SPD) etwa, dass ihre Fraktion das Projekt als kommunalen Beitrag zur gewünschten Energiewende ansehe.

Daraus wird nun nichts. Laut Wirtschaftsministerium waren für die Auswahl von Markt Pfeffenhausen im Kreis Landshut entscheidend die Kriterien Kosten, Umsetzungsgeschwindigkeit sowie Anbindung an die bayerische Hy-Performer-Wasserstoffregion, die die Kreise Landshut, Ebersberg und München gemeinsam bilden.

Genauere Infos hat auch Poings Bürgermeister Stark nicht bekommen. Er ist sich sicher, dass es in der Bewerbung von Poing kein Manko gab, aber die Grundstückspreise lägen im Kreis Landshut vermutlich weitaus niedriger als in Poing mit der direkten Nähe zu München. Der Rathauschef sagt aber auch: "Wir hätten das Zentrum gerne bei uns in Poing gehabt, das verhehle ich nicht; es wäre eine gute Chance für die Gemeinde gewesen."

Bis zum 19. Februar kann sich nun jedes Bundesland mit einem Standort offiziell beim Bundesverkehrsministerium bewerben. Für die drei geeignetesten unter ihnen wird eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

© SZ vom 20.01.2021/koei
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