Es ist heiß an diesem späten Mittag: knapp 30 Grad, strahlend blauer Himmel, nicht eine einzige kleine Windböe. In der prallen Sonne brutzeln gut 40 Menschen zwischen dem, was einmal das neue Poinger Schulschwimmbad und die Mensa werden soll, und lauschen den Worten von Bürgermeister Thomas Stark (parteilos), der über die beiden Projekte spricht. Er erzählt von einer Frage, die ihm mal gestellt worden sei: „Wieso baut’s ihr denn nicht ein Freibad? Das wäre doch viel schöner!“ Während sich bei vielen die ersten Schweißperlen einen Weg die Schläfen hinab suchen, kommt einem diese Frage ziemlich plausibel vor. Doch die Antwort des Rathauschefs überzeugt dann doch mehr: Ein Hallenbad könne theoretisch 365 Tage im Jahr öffnen, ganz im Gegensatz zu einem Freibad – der Nutzen sei einfach größer. Und kühl ist’s da bestimmt auch, will man gerne noch ergänzen, als sich die ersten Gäste von der Sonne in den Schatten stellen.
Am Mittwoch ist Richtfest bei dem Großprojekt der Gemeinde gefeiert worden. „Die Vorfreude auf die Fertigstellung wird größer“, sagt Bürgermeister Stark. Mit der soll es bis zum übernächsten Schuljahr klappen: Von September 2025 an wird Poing dann wieder ein eigenes Schulschwimmbad haben und die Schülerinnen und Schüler der Anni-Pickert-Schule sowie der Seerosenschule können in ihrer neuen Mensa essen.
Die Geschichte der beiden Projekte reicht mittlerweile weit zurück. 2011 war es, als das Schwimmbad im alten Bau der Karl-Sittler-Grundschule schloss. Seit 1968 haben die Poinger dort schwimmen gelernt. Doch die immer schlechter werdende Wasserqualität wurde zunehmend zum Problem. 2017 wurde das Gebäude schließlich abgerissen. Bereits davor, 2013 nämlich, haben die damaligen Gemeinderatsmitglieder beschlossen, dass der Ort ein neues Bad am Schulzentrum an der Gruber Straße bekommen soll. Bislang stand dort nur ein abgewirtschaftetes Hausmeisterhäuschen, das zugunsten der neuen Pläne abgerissen wurde.
Verglichen mit ersten Schätzungen haben sich die aktuell kalkulierten Kosten mehr als verdoppelt
Auf dem Weg zum Richtfest kamen einige Hürden, mit denen zum Zeitpunkt des Beschlusses der Pläne niemand hatte rechnen können – und so klappte es auch nicht mit der zunächst angepeilten Eröffnung im Sommer 2017. Vor allem die im Vergleich zur ersten Schätzung explodierenden Kosten waren nicht ganz unproblematisch. Ursprünglich rechnete man mit etwas mehr als neun Millionen Euro, Anfang 2021 waren es 15 Millionen – und darin war sogar ein Risikopuffer enthalten. Ende 2022 waren es dann schon knapp 18,4 Millionen Euro.

Vor allem Corona hat für steigende Preise bei immer knapper werdenden Baumaterialien gesorgt, ebenso wie für steigende Energiekosten und allgemein unvorhersehbare Umstände beim Bau. Eine Zeit lang hätte man sogar überhaupt nicht bauen dürfen, sagt Bürgermeister Stark beim Richtfest. Das Projekt stand auf der Kippe, das bestätigte der Bürgermeister damals auf SZ-Nachfrage – zumindest das Schulschwimmbad.
Denn die Mensa war damals wie heute zwingend notwendig, von 2026 an besteht schließlich per Gesetz ein Anspruch auf Ganztagsbetreuung für Kinder. In einer nicht öffentlichen Zusammenkunft des Gemeinderats Ende Oktober 2022 wurde dann einstimmig beschlossen, an den Plänen weiter festzuhalten, auch an denen des Hallenbads.

Und nun sind es 21,6 Millionen Euro, mit denen die Verwaltung aktuell rechnet – 14,8 Millionen Euro für das Schwimmbad, 6,8 Millionen Euro für die Mensa. Etwa 4,9 Millionen der Kosten werden gefördert. In der Mensa sollen einmal bis zu 360 Schülerinnen und Schüler in vier Schichten zu Mittag essen können, wie Bürgermeister Stark am Mittwoch sagt.
Das „Herzstück“ des Großprojekts sei jedoch das Schwimmbad. Der Rathauschef verweist auf die steigende Zahl an tödlichen Badeunfällen – die unter anderem deshalb zustande komme, weil das Angebot an Schwimmunterricht immer rarer wird. „Wir schreiben uns auf die Fahnen, familienfreundlich zu sein“, sagt Stark weiter. Ein weiterer Grund, warum ein eigenes Hallenbad für den Ort so wichtig sei.

Ein 25 Meter langes und 12,5 Meter breites Becken mit fünf Bahnen und einer Wasserfläche von 312 Quadratmeter wird es am Ende haben. Durch einen Hubboden ist die Wassertiefe variabel, maximal möglich sind 1,80 Meter. Das Schwimmbad soll nicht nur dem schulischen Schwimmunterricht im Ort und den Nachbargemeinden – auch Kathrin Alte, Bürgermeisterin (CSU) in Anzing, sowie Franz Burghart, Zweiter Bürgermeister (CSU) in Pliening, waren am Richtfest vor Ort – zur Verfügung stehen, sondern auch Vereinen, wie Stark betont. Einige, wie zum Beispiel die VHS, das Familienzentrum oder die Wasserwacht, hätten schon Interesse signalisiert. Und: Mit Badetagen an Wochenenden soll das Bad zeitweise auch öffentlich zugänglich sein.
Am Ende des traditionellen Richtspruchs, den die beiden Zimmerer Tobias Paintner und Claus Stefan auf dem Dach der Mensa hielten, bedankt sich Stark für die Scherben des von den beiden Männern hinabgeworfene Sektglases – sie mögen dem Schwimmbad Glück bringen. Und er verspricht: Zur Eröffnung im Herbst 2025, da lässt er das Sakko und die Krawatte zu Hause, nur die Badehose, die darf er nicht vergessen.

