Poinger Bahnhof:"Eindeutig zu wenig Platz"

Lesezeit: 3 min

Bahnhof Poing - PROBLEM nach Barrierefreiem Umbau

Wer am nördlichen Gleis in Richtung München an einem Kinderwagen vorbei will, muss einen Weg jenseits des Schutzstreifens einschlagen.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Nach dem barrierefreien Umbau des Poinger S-Bahnhofes sind die Bahnsteige an einigen Stellen schmaler als zuvor - zu schmal, wenn es nach Meinung der Grünen-Gemeinderatsfraktion geht.

Von Johanna Feckl, Poing

Eigentlich hätte alles besser werden sollen mit dem barrierefreien Ausbau des Poinger S-Bahnhofes. Gut zehn Monate, nachdem die Deutsche Bahn mit den Arbeiten begonnen hat, werden jedoch angesichts des bisherigen Ergebnisses unzufriedene Stimmen laut: Demnach sind die beiden Bahnsteige, vor allem derjenige in Richtung München, zu schmal - das Unfallrisiko dementsprechend zu hoch. Die Gemeinderatsfraktion der Grünen möchte sich mit diesem Umstand nicht zufrieden geben. Die nun vorhandene Breite sei "für die große Zahl an Wartenden im morgendlichen Berufsverkehr eindeutig zu wenig Platz", schreibt Gemeinderat und Dritter Bürgermeister Werner Dankesreiter stellvertretend für seine Fraktion in einer Stellungnahme.

Die Bahnsteige erfüllen geltende Regularien

Das sieht die Deutsche Bahn anders. Auf Nachfrage der SZ heißt es von einer Sprecherin: "Die Bahnsteigbreite wird bei einem Neubau aus den Fahrgastzahlen ermittelt. Die Station in Poing hat derzeit rund 8500 Ein- und Aussteigende täglich. Die Bahnsteige wurden entsprechend dimensioniert und erfüllen selbstverständlich alle geltenden Sicherheitsanforderungen und Regularien." Weiter heißt es, die Bahnsteige würden eine Breite zwischen 2,5 und vier Meter aufweisen, im Bereich der Wetterschutzhäuschen sogar 4,6 Meter - und genau dort würden sich erfahrungsgemäß die meisten Fahrgäste aufhalten. Die alten Bahnsteige seien zwischen 3,4 und fünf Meter breit gewesen. Also doch alles gar nicht so schlimm?

Dem widerspricht Werner Dankesreiter vehement. Gegenüber der SZ gibt er zu bedenken, dass es nicht alleine auf die täglich Zahl der Fahrgäste ankommt, sondern auf die Stoßzeiten. Genaue Zahlen seien zwar auch seiner Fraktion nicht bekannt, aber Schätzungen derjenigen zufolge, die zu eben jenen Zeiten die S-Bahn nutzen, seien es gut 400. "Die können nicht alle unter dem Dach stehen, wo es breit genug ist", so Dankesreiter. "Die müssen sich verteilen und stehen dann auch dort, wo es unglaublich schmal ist."

In Poing fahren auch Züge mit hoher Geschwindigkeit vorbei

Zu berücksichtigen sei auch, dass wegen der Pandemie noch viele Menschen im Home-Office arbeiten, dieser Zustand werde sich aber irgendwann auch wieder ändern. Außerdem wird Poings Einwohnerzahl wachsen - und dann werde es gefährlich eng auf Bahnsteigen, an denen auch Züge mit hoher Geschwindigkeit an den Wartenden vorbeifahren, vor allem der Eilzug aus Mühldorf und die Express-S-Bahn. Und: Wenn man von den den jetzigen Bahnsteigen den Schutzstreifen sowie die Rillen für Sehbehinderte abzieht, bleibe nur noch eine Mindestbreite 1,30 für wartenden Fahrgäste übrig, so Dankesreiter. "Ich finde es nicht nachvollziehbar, dass man in einer Wachstumsgemeinde einen Bahnsteig verschmälert - aber wenn doch mal was passiert, was natürlich niemand hofft, dann hat man sich immerhin an irgendwelche Normen gehalten."

Dass der Bau gültigen Mindestmaßen entspricht, daran hat Poings Bürgermeister Thomas Stark (parteilos) keine Zweifel. Aber vor allem in dem Bereich über der neuen Unterführung sei insbesondere der Bahnsteig in Richtung München schmaler als vorher. Weiter sagt der Rathauschef und pflichtet damit seinem zweiten Stellvertreter Dankesreiter bei, dass es auf die Zahl der Wartenden zur Rush-Hour ankomme, "die S-Bahn um zehn Uhr ist in dieser Hinsicht uninteressant". Er und die Verwaltung hätten sich nach dem Vorstoß der Grünen bereits an die Deutsche Bahn gewandt, bislang habe es jedoch noch keine Rückmeldung gegeben.

Eine nachträgliche Änderung ist nicht ohne Weiteres möglich

Von Seiten der Bahn heißt es, dass man grundsätzlich offen für Gespräche mit der Gemeinde sei, "eine nachträgliche Änderung der Bahnsteigbreiten ist allerdings nicht ohne Weiteres möglich".

Ein ähnliches Problem wie nun in Poing gab es auch im Nachbarlandkreis München: Nach dem barrierefreien Umbau des Bahnhofs in Oberschleißheim waren auch dort die Bahnsteige schmaler als zuvor, maximal 2,8 Meter breit - Schutzstreifen inklusive. Vor dem Umbau maßen sie teilweise eine Breite von vier Metern. Die Aussage der Deutschen Bahn damals: Verbesserungen seien möglich, da die Bahnsteige geltende Normen erfüllen, jedoch müssten etwaige Kosten für weitere Arbeiten die Gemeinde tragen.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB