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Realschule Poing:Der Gründungsrektor verabschiedet sich

Wabner - Realschule Poing - Streifzug

Matthias Wabner gibt seinen Posten als Leiter der Poinger Realschule mit gemischten Gefühlen auf. Mit Freude auf eine neue Aufgabe und Wehmut in der Rückschau.

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

Matthias Wabner hat die Dominik-Brunner-Realschule in Poing aufgebaut. Nach neun Jahren wechselt er nun in den Landkreis Rosenheim.

Matthias Wabner steht vor dem runden Besprechungstisch in seinem Büro. Sein dunkelblaues Poloshirt hat der 45-Jährige in seine dunkelblaue Jeans gesteckt, die Haare trägt er kurz, gerade noch so, dass sie sich ein wenig locken können. Er verharrt einen Augenblick in der Stille. Es gäbe da diesen Moment, setzt er schließlich an, der nenne sich "Tipping Point", also so etwas wie ein Umschlagspunkt: Ein Frosch wird in einen Topf mit heißem Wasser geworfen - und springt sofort wieder heraus. Klar, ist ja auch viel zu heiß.

Erhitzt sich das Wasser im Topf hingegen langsam, wird der Frosch ziemlich sicher verenden - er bemerkt die aufkeimende Hitze zu spät. "Bei meiner ersten Konferenz hier habe ich dieses Beispiel bemüht", erzählt Wabner weiter. "Ich wollte mein Kollegium mit ins Boot holen." Ein Boot, das im Zuge der Gründung der Poinger Realschule einen ganz neuen Weg einschlug: Digital, modern und flexibel sollte dieser sein. Das ist neun Jahre her. Nun verlässt der Gründungsschulleiter das Haus.

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Wer Wabner so durch das Schulhaus in Poing spazieren sieht, kurz bevor er seinen neuen Posten als Leiter der Realschule in Bad Aibling antritt, und seinen Erzählungen lauscht, merkt sofort: Das hier ist seine Schule. Aber nicht, weil der 45-Jährige die vergangenen neun Jahre, in denen alle Fäden in seinen Händen zusammenliefen, einen autoritären Führungsstil an den Tag gelegt hätte. Es sind seine Geschichten über diesen Ort, seine Augen, die während der Erzählungen immer wieder zu lachen scheinen - das alles verrät eine Verbundenheit zur Poinger Realschule, wie sie wohl nur der Gründungsrektor spüren kann.

"Als ich hier im August 2010 anfing, war alles eine grüne Wiese"

"Als ich hier im August 2010 anfing, war alles eine grüne Wiese", sagt Wabner. Noch nicht einmal die Container waren geliefert, in denen die erste fünfte Jahrgangsstufe mit 92 Kindern vom bevorstehenden September an ihre Unterrichtsräume haben sollte. "Da habe ich echt ein bisschen Panik bekommen", gibt der Schulleiter zu. Er lacht. Die Container wurden dann doch noch rechtzeitig geliefert - und am 14. Juli 2011 fand schließlich der Spatenstich für das "richtige" Schulgebäude statt. Obwohl das Datum schon acht Jahre in der Vergangenheit liegt, weiß er es auswendig.

Kein Wunder, denn der 45-Jährige hat sich zu dieser Zeit neben seinen eigentlichen Aufgaben als Schulleiter nicht nur um Ausstattungsfragen für den Neubau gekümmert, wie etwa mit welcher Hardware die Schule arbeiten möchte oder welche Möbel für die Lehrerlounge angeschafft werden sollen. Wabner brachte seine Ideen auch bei architektonischen und baulichen Entscheidungen mit ein. Zum Beispiel war der Stufenkoloss in der Aula ein Einfall des Rektors.

Wabner - Realschule Poing - Streifzug

Die Stelle in Poing war für Wabner "ein Sechser im Lotto".

(Foto: Peter Hinz-Rosin)

2008 hat er ein solches Konstrukt in einer Schule in Norwegen gesehen, kurzerhand ein Foto davon geknipst und es in Poing den ausführenden Architekten vorgelegt. Da, so etwas wolle er auch bitte haben. "Und das funktioniert wie Sau!", sagt der 45-Jährige. Er lacht. Die Aula sei durch das Stufenensemble nicht nur ein beliebter Aufenthaltsbereich für Schülerinnen und Schüler, sondern auch ein Sammelpunkt, etwa für Fotos oder Bekanntmachungen von Seiten der Lehrkräfte.

Ungefähr ein Jahr lang wurde an dem neuen Schulhaus an der Seerosenstraße gewerkelt. Ein Bauhelm auf dem Kopf war während dieser Zeit Wabners treuer Begleiter. Und eine ganz bestimmte Sorge: "Wir alle hatten solche Angst, dass die Arbeiter beim Baggern hier irgendwo ein Skelett finden", erzählt der Schulleiter. In Poing sei ein solches Szenario ja keine Seltenheit. Der 45-Jährige spielt auf das Jahr 2004 an, als man bei Arbeiten an einem Baugebiet im Nordwesten Poings auf einige archäologische Fundstücke gestoßen ist. Gezielte Ausgrabungen beförderten sodann Siedlungsspuren aus der Römerzeit zutage, die für eine lückenlose Besiedelung der Gemeinde seit der Jungsteinzeit um 2800 vor Christus sprechen. Wabner lacht wieder.

Von Null auf 632

Mittlerweile besuchen 632 Schülerinnen und Schüler die Poinger Realschule. Auf dem Rundgang durch das Gebäude bleibt Wabner immer wieder stehen, stellt hier mal ein paar seiner Kollegen vor, erzählt dort mal von ein paar Erinnerungen. Oft spielen bei letzterem die Anfangszeiten der Schule eine Rolle, als noch nicht einmal ein Schulgebäude dort stand, wo der 45-Jährige nun von seinen Erinnerungen spricht.

Eine Anekdote, Wabner bezeichnet sie als Treppenwitz, spielte sich sogar noch viel früher ab: 2006 führte ihn nach einigen Jahren als Deutsch- und Erdkundelehrer ein neuer Job bei der Dienststelle der Ministerialbeauftragten für die Realschulen in Oberbayern-Ost nach Wasserburg am Inn. Damals, so erzählt Wabner, habe er hitzige Diskussionen mit Albert Hingerl geführt, der schon damals Bürgermeister von Poing war. Es ging darum, ob die Gemeinde eine eigene Realschule benötige. Hingerl sagte ja. Und Wabner nein.

Mehr als zehn Jahre später scheint Wabner ganz froh zu sein, dass sich Hingerl damals durchgesetzt hat. "Dass ich die Stelle des Gründungsschulleiters hier bekommen hab, war wie ein Sechser im Lotto", sagt er. Und trotzdem muss es irgendwann weitergehen. Den Absprung rechtzeitig schaffen. Hin zu einem neuen Projekt. Hin zu neuen Herausforderungen. Damit es ihm nicht so ergehe wie dem Frosch, der die Hitze zu spät bemerkt, erklärt der 45-Jährige.

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