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Poing:Polizisten räumen Schlittenberg

Juhu - Schlittenfahren in Poing.

Diese Aufnahme vom Poinger Rodelberg ist von kurz vor Silvester. Am Mittwoch waren dort deutlich mehr Schlittenfahrer bei deutlich mehr Schnee.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Am Mittwoch melden viele Anwohner im Kreis Ebersberg Menschenansammlungen - worauf die beiden Polizeistationen zum Einsatz müssen.

Von Franziska Langhammer, Poing

Was für die einen ein gemütlicher Rodelnachmittag ist, kann für andere schon Klein-Ischgl darstellen: Ein verärgerter Familienvater berichtet in einer E-Mail an den Landrat Robert Niedergesäß, die der SZ Ebersberg vorliegt, dass er den Dreikönigstag mit seiner Tochter am Rodelberg in Markt Schwaben verbracht hat. "Nicht wirklich viele Menschen" seien unterwegs gewesen, schreibt er, als plötzlich vier bewaffnete Polizisten anrückten.

Die Erwachsenen und Kinder seien des Ortes verwiesen und der Rodelberg mit Absperrbändern abgeriegelt worden. "Fassungslos trifft meine Gemütslage nicht ansatzweise", so der Familienvater. Unverständnis zeigt er für diese Maßnahmen, da auch keine einzige Verwarnung wegen eines Verstoßes gegen die Abstandsregeln ausgesprochen werden musste.

Die Polizeiinspektion Poing hingegen spricht von etwa hundert Personen, die sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Hügel aufhielten, davon etwa 30 bis 40 Erwachsene, der Rest vorwiegend Kinder. Die Erwachsenen hätten zum Teil in Gruppen von bis zu fünf Personen zusammen gestanden und sich unterhalten. Dabei sei es auch deutlich zu Vermischungen gekommen, zum Teil auch mehrerer Hausstände. Es sei offensichtlich gewesen, dass die geltenden Corona-Maßnahmen im Bereich des Hangs nicht eingehalten wurden, heißt es in einem Polizeibericht. Deshalb sei der Hang geräumt worden.

Einige wenige hätten das Gelände nur widerwillig verlassen. Einige Erwachsene hätten sich bei den Polizeibeamten nach dem Grund der Maßnahme erkundigt und seien darüber aufgeklärt worden, dass es wegen des Andrangs am Hang nicht möglich war, die Corona-Maßnahmen einzuhalten. Die meisten hätten aber Verständnis dafür gezeigt.

Auf Nachfrage bei der Polizeiinspektion in Poing erklärt der zuständige Beamte, am Mittwoch habe es noch drei weitere Einsätze dieser Art gegeben, nachdem immer wieder besorgte Anwohner bei der Polizei angerufen hatten. Dabei sei oft maßlos übertrieben worden, so der Beamte; schnell seien aus zehn Menschen hundert geworden. "Wir müssen jeder Meldung nachgehen, auch wenn sie noch so skurril ist", sagte der Polizist. Bei den Schlittenbergen in Forstinning, Vaterstetten und Anzing konnten jedoch keine Verstöße gegen das Infektionsschutzgesetz fest gestellt werden.

Eine unangenehme Überraschung jedoch erwartete die Beamten bei ihrem Einsatz in Anzing, beim Wasserspeicher in Frotzhofen. Nachdem sie die Lage am dortigen Schlittenberg als ungefährlich eingestuft hatten und zu ihrem Dienstfahrzeug zurückkehrten, machten zwei Passantinnen die Polizisten darauf aufmerksam, dass eine männliche Person sich an den Hinterreifen des Wagens zu schaffen machte. Unter anderem entfernte der Täter die Kappen der Ventile, so dass Luft daraus entwich.

Mit Hilfe von Zeugen konnte der noch anwesende Täter ausfindig gemacht werden. Gegen den 45-jährigen Anzinger wird nun ein Ermittlungsverfahren wegen Diebstahls und Sachbeschädigung eingeleitet. Mit der Hilfe eines Bürgers konnten die Reifen des Streifenwagens wieder provisorisch aufgepumpt und zur Inspektion zurückgefahren werden. Im Gebiet der Polizei Ebersberg gab es keine derartigen Vorkommnisse an Schlittenhängen zu vermelden.

© SZ vom 08.01.2021/koei
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